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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(58) TAN 2003 Die neue Wohnung

2. Oktober 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

(M) Wohnung oder Haus? Die Entscheidung war schwer. Ich stellte eine Liste auf mit allen Vor- und Nachteilen der Wohnungen und Häuser, die mir von verschiedenen Maklern angeboten und gezeigt worden waren. Wir hätten gerne ein Haus am Meer gehabt, einmal im Leben, mit eigenem Strand, aber das Strandhaus, das man mir gezeigt hatte, war uns zu abgelegen, die Straße war morgens und abends chronisch verstopft und wir würden viel Zeit im Auto sitzend vertrödeln. Nicht im Stau stehen zu müssen ist Lebensqualität. Auch das Haus von Adda, der Verwaltungsleiterin, das weit vor der Stadt an einem einsamen Strand lag, mit Insel davor, war nur auf den ersten Blick ein Traum. Nie würden wir abends den weiten Weg in die Stadt noch einmal auf uns nehmen, um eine Veranstaltung zu besuchen. Die Familie lebte erst ein halbes Jahr hier und schon waren die Computer von der Salzluft und der Feuchtigkeit unbrauchbar geworden, alles rostete und wegen des starken Seewindes konnte man sich kaum draußen aufhalten. Auch das kleine Haus des Inders, den ich neulich bei meiner ersten Autopanne als Helfer kennen gelernt hatte, auf der Halbinsel am Meer gelegen, gefiel uns nicht, die Wände waren zu feucht, die eingebauten Schränke rochen muffig und ich konnte mir schon das Gekrabbel der Kakerlaken vorstellen, die uns da beglücken würden. Allerdings könnte man vom Garten aus angeln oder bei Sonnenuntergang einen Sundowner genießen.

Wir entschieden uns für die große, helle Wohnung in einem Appartementhaus. Der Besitzer der Anlage war, ein weißer Tansanier, dessen Familie aus Südafrika stammte. Er führte uns die Wohnung voller Stolz vor, die hellen Fliesen und das Parkett, die geschmackvollen Einbauschränke, die einfache, aber kreative Küche mit dem Kühlschrank, dem Gasherd, der Spüle. Es gäbe Kabelfernsehen und Internetanschluss und wir müssten uns um nichts kümmern, sagte er. Die Wächter, der Verwalter, die Gärtner, sie würden  alles tun was in ihren Kräften stand, wir brauchten uns nur an sie zu wenden. Von der verlangten Miete könnte eine kleine Familie hier etwa zwei Jahre leben, und wir mussten das Geld für ein Jahr im Voraus überweisen. Wer konnte so etwas, außer den Mitarbeitern internationaler Organisationen oder der Botschaften, die dafür einen Vorschuss bekamen? So trennte sich die Spreu vom Weizen, die acht Wohnungen wurden alle an Ausländer vergeben.

Wir würden Anfang August einziehen, wenn das Haus fertig gestellt war, unsere Möbel sollten angeblich Mitte Juli kommen, und zwei Wochen brauchten wir bestimmt, bis sie aus dem Zoll heraus kämen.

 

(R) Ende Juli 2003: Gestern sind wir vom Hotel in unser neues Heim gezogen. Ich war glücklich. Der Umzug war natürlich noch nicht da, wir hatten nur die Fluggepäck-Kisten und Koffer, die in den leeren Räumen verloren standen. Doch plötzlich kam das Gefühl zurück, wieder ein Zuhause zu haben.

Die Hängematte hängt, ein neuer Schrank steht und ein Bett ebenso. Das stand da drin, wir haben es gekauft und eine italienische Matratze, mit Kindern drauf gedruckt, die rumhupfen. Wenn M sich hin legt hopse ich auch. Wegen der Matratze. TAN-Kipepeo-Appartement.jpgUnsere neue Wohnung liegt in einem Komplex mit 8 Appartements, hat eine futuristische Dachkonstruktion in Form eines V (fängt das Regenwasser auf), hat vier Zimmern, einen großen Balkon, einen schönen Garten mit Pool und einen Blick über eine kleine afrikanische Siedlung hinweg bis ans Meer, das, stellt man sich auf die Zehenspitzen, durch die Bäume blitzt. Und abends können wir die tropischen Sonnenuntergänge sehen. Der Kühlschrank hat eine Eismaschine. 2 Eisbehälter hängen in einem Rahmen an 2 Stangen, die drehbar sind. Vorne haben die Stangen große Knöpfe. Wenn das Eis fertig ist, dreht man da dran und die Würfel fallen in den Behälter darunter! Das ist Eismachluxus. Nun muss M Caipirinha trinken damit das Eis wegkommt. Der Eigentümer legt Wert auf soliden Standard, der fast so ist wie in Deutschland. Nur die Wände sind aus Stahlbeton. Sogar Stahlnägel schlagen sich krumm.

TAN-Kipepeo-Piste-zur-Wohnung.jpgUnsere neue Adresse ist: 995, Msasani Peninsula, Dar es Salaam. Die meisten Straßen haben keine Namen, wir beschreiben, wo wir wohnen so: die Chole Road Richtung Halbinsel, dann nach dem ersten liegenden Polizisten, wo das Schild ist, dass es zur Residenz des High Commissioner von Südafrika geht, nach rechts in die Sandpiste, dort ungefähr zweihundert Meter, das vierstöckige gelbe Haus mit dem blauen Dach auf der rechten Seite. Unseres ist sehr leicht zu beschreiben und zu finden, da es kaum vierstöckige Häuser gibt!

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