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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(59) TAN 2003 - Dar es Salaam, "Haus des Friedens"

6. Oktober 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Dar es Salaam - 9Das alte Zentrum der Stadt, in der Regenzeit ein tropischer Garten mit alten Bäumen an den Straßen entlang, mit dicken Ästen und großen Blättern überdacht, die Häuser hinter den Zäunen mit blühenden Büschen und Sträuchern verdeckt,

Dar-es-Salaam---6.jpgerinnern noch immer mit ihrer luftigen Bauweise und den umlaufenden Holzbalkonen an die Kolonialzeit. 
 
Die Geschichte von Dar es Salaam ist alt, seine Bedeutung als größte Stadt Tansanias hat mit Deutschland zu tun. Dar-es-Salaam-Kolonial1888 verpachtete der Sultan von Sansibar Daressalam zusammen mit der gesamten Küste des heutigen Tansania an die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft, 1890 verkaufte der Sultan Stadt und Küste. Im selben Jahr hatte sich die Kolonialverwaltung im kleinen Küstenort Bagamoyo eingerichtet, doch dann wurde das rund 60 Kilometer weiter südlich gelegene Daressalam wegen seines Naturhafens für die Deutschen interessanter. Nur ein Jahr später, 1891, bezog die Deutsche Kolonialverwaltung in Daressalam ihren Sitz.
 
Einen groben Überblick über die Stadt hat man schnell: die Altstadt am natürlichen Hafen der wie ein See sich ausbuchtet, durch eine schmale Einfahrt mit dem Ozean im Osten verbunden, zieht sie sich am Meer entlang, breitet sich aus ins flache Binnenland. Im Norden die schöne große Bucht, die durch die Halbinsel gebildet wird, auf der wir wohnen, im Süden, gegenüber dem Hafen geht sie mit einfachen Häusern weiter. DSallam-Stadtaus.jpgEntfernter vom Zentrum nehmen afrikanische Behausungen und Armenviertel zu, verschwinden im Staub auf der Straße nach Bagamojo. Es gibt ein paar große Hauptverkehrsstraßen, die Haile-Selassie-Road von Süd nach Nord, die Ali-Hassan-Mwinyi-Road biegt von ihr ab, führt zu uns und um die Halbinsel herum. Neben der Altstadt und um sie herum das indische Viertel, große Wohnblocks, ein paarDar-es-Salaam-Centrum.jpg Hochhäuser, moderne Banken, Diplomatenbauten. Es gibt Moscheen, Kirchen und indische Tempel in schöner Eintracht nebeneinander. Tansania hat eine friedfertige Tradition, auch der Religionen. Dar es Salaam heißt zu recht, "Haus des Friedens", auch wenn der Name älter ist.
 
Der erste Eindruck ist: hier könnte es uns gefallen. Obwohl es im Vergleich zu Südamerika sehr unterentwickelt wirkt – die Straßen- Loch an Loch, an den Rändern außerhalb des Zentrums oft Müllhalden, wenige Autos, die meisten laufen zu Fuß, manche fahren Fahrrad. Viele Frauen sieht man in den traditionellen Wickelröcken, den Kangas, Badelatschen an den Füßen, riesigen Plastikschüsseln auf dem Kopf, einige Frauen verschleiert. Für afrikanische Verhältnisse ist Dar es Salaam eine saubere Stadt, sagt man uns. Der Hafen sieht bei Ebbe verdreckt und moddrig aus und an den schönen Stränden ist das Wasser ganz flach. Die Strandpromenade aus Sand und Gestrüpp mit den Ziegen, die im Müll nach Fressbarem suchen  ist recht exotisch. Trotzdem ist es sehr schön anzusehen, besonders weiter draußen, wo das Wasser hellgrün ist, Fischboote mit Dreieckssegeln und Inseln zu sehen sind.
 
Der Fremdenführer sagt: „Die Straßen von Dar es Salaam können belebt, heiß und staubig sein, aber wer das Getümmel überwindet wird belohnt". Das ist wahr. Das Nationalmuseum im alten Teil der Stadt besitzt Kopien der 3,5 Mio Jahre alten Fußspuren und Hominidenschädel aus Tansanias Olduvai-Schlucht. Gleich daneben der Botanischen Garten, auf der anderen Seite die Parlament--ehem-.JPGKarimjee Halle, das ehemalige Parlament, wunderschön im traditionellen Kolonialstil gebaut. Der Fischmarkt am Hafen ist eine weitere Attraktion. Es riecht dort so, wie man es sich vorstellt. Auf gefliesten Ständen liegen Berge von frischem Meeresgetier und in einem unbeschreiblichen Getümmel kaufen Hausfrauen ihren Fisch. Als wir da waren, gab es Haie, ungefähr anderthalb Meter lang, einer hatte einen halben Fisch aus dem Maul raushängen. Ein meterlanger Manta lag auf dem Boden und wurde von einem Mann mit Machete in weiten Schwüngen zerlegt. Auf der  Fischauktion daneben lagen Fische in großen Haufen auf dem Boden und Kleinhändler versuchten sich mit Geschrei zu überbieten. Es herrschte ein unbeschreibliches, Angst machendes Gedränge, eingekeilt in Massen schwarzer Männer mit großen Messern, die versuchten, dem Nachbarn Kundschaft abzujagen. M war sofort umringt von ihnen, blond und sichtbar eine Mzungu. Ich habe sie bewundert, dass sie auf Kisuaheli trotzdem einkaufen konnte. In einer weiteren sauberen Halle werden Souvenirs aus dem Meer verkauft, jede Menge Muscheln, Schnecken, Seesterne, auch die unter Naturschutz stehenden. In einer anderen Halle wird gepökelter Fisch verkauft, daneben stehen auf riesigen Steinen große flache Töpfe mit siedendem Öl. Darunter im Feuer liegen Holzstämme, die von außen immer weiter in die Glut geschoben werden. Hier kann man sich den frisch gekauften Fisch gleich braten lassen. Köstlich!  Es herrscht eine höllische Hitze zwischen den Töpfen.

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