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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(59) TAN 2003 - Dar es Salaam, "Haus des Friedens" II

8. Oktober 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

(M) Der „Kariakoo-Markt“ ist ein ganzer Stadtteil mit einer großen Markthalle (zweistöckigund einem weiteren Obst- und Gemüsemarkt und vielen kleinen Geschäften drum herum. Der ganze Stadtteil ist unterkellert und unter der Erde sind riesengroße, schwüle, verdreckte, stinkende Hallen, in denen der Schlamm knöcheltief steht und die Schalen der Zwiebeln und der ausgepulten Erbsen vor sich hin schimmeln. In einer der unterirdischen Hallen werden nur Kartoffeln verkauft, in der nächsten nur Bananen, in einer anderen nur Paprikaschoten,  dann Zwiebeln, Karotten usw. Es ist der größte Markt in Afrika. Ich war weit und breit die einzige Mzungu (Weiße) und habe ziemliches Aufsehen erregt. Mir ist der Angst- und sonstige Schweiß ausgebrochen und ich war froh, wieder oben zu sein und atmen zu können. Auch da laufen keine Weißen herum, aber InderInnen schon, mit ihren schönen Trachten, verschleierte arabische und schwarze Frauen, Schwarze mit Kangas und Maasai, mit Perlenschnüren und einem roten Tuch behängt, die Frauen mit nackter Brust und viel Schmuck. Die Preise sind wesentlich günstiger als in unserem Stadtteil, aber für mich machen sie doch immer einen Spezialpreis, der etwas höher liegt

Sobald die Sonne untergeht können die verschiedensten kulinarischen Angeboten  mit indischen, chinesischen und arabischen Einflüsse überwältigen neben der relativ einfachen ostafrikanischen Küche mit ihrem Reis, Gemüse und Ugali, dem nie fehlenden Getreidebrei. Natürlich ist mittlerweile auch die europäische Küche vertreten, besonders Italiener.

Recht schnell haben uns die neuen Freunde das “ADIS in DAR”, Äthiopien in Tansania, gezeigt. Äthiopisches Restaurant in Dar es SalaamMan sitzt auf niedrigen Stühlchen nicht sehr bequem vor Korbtischen wie Eieruhren geformt. Und obendrauf haben diese Tischchen eine aus Korb geflochtene Zipfelmütze. Die wird abgenommen und darunter ist eine runde Blechform mit hohem Rand eingelassen. Zuerst bringt der Ober eine Kanne mit warmem Wasser, hält sie über eine Schüssel zum Hände waschen. Ein dünner Pfannkuchen, so groß wie der Tisch wird aufgelegt, vielleicht aus Mais, ich habe es nie erfahren. Athiopisches-Restaurant-in-Dar-es-Salaam---2.jpgDie vielerlei Gerichte, dicken Soßen mit Fleisch, Meeresfrüchten, Kartoffeln, Eiern kommen in Schälchen, die der Ober mit Schwung als kleine Häufchen auf den Pfannkuchen kippt.

 

Athiopisches-Restaurant-in-Dar-es-Salaam---3.jpgJeder kriegt einen anderen Pfannkuchen, der etwa acht Zentimeter breit ist und wie eine Binde aufgerollt wird. Davon reißt man sich ein Stück ab, nimmt die Köstlichkeiten damit auf, steckt sie in den Mund  und leckt sich die Finger. Und zum Schluss wird der mit allen Soßen getränke Tischpfannkuchen aufgegessen. Eine halbe Stunde und länger dauert die  Kaffeezeremonie. Der Kaffee wird auf einem kleinen Holzkohlestöfchen frisch geröstet, mit dem Mörser zerstampft, aufgebrüht und mit Gewürzen gekocht, in schmalen Tassen bei Weihrauchduft mit Popkorn getrunken. Äthiopien ist das Mutterland des Kaffees, genau so alt sind die Traditionen, genau so gekonnt ist die Brühtechnik, genau so exzellent der Geschmack.

Verzichten müssen wir nicht auf gewohntes, nein, können sogar neue Geschmäcker lernen. Es gibt Einkaufszentren, da bekommen die gut dotierten "Wazungu" so ziemlich alles: guten südafrikanischen Wein, asiatische Gewürze und andere Esswaren, irische(!) Butter, italienische Spaghetti, argentinisches Corned Beef und was der Mensch sonst so braucht. Und natürlich tolles Gemüse und Früchte vom nationalen Markt. Letzteres ist billig, alles andere teuer.

 

 

 

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Joachim 10/09/2010 14:02



Auf Bali war es ein öffentlicher Markt mit viel Gedrängle und Geschubse. Lach!


LG Joachim



R.Einloft 10/10/2010 11:57



Den gabs auch, aber der war über der Erde und vor dem Gebäüde. Ich glaub aber, in Asien schubst man mehr. Eng allerdings wars. Und interessant. Was es nicht alles gibt an Früchten und so. Toll.


Einen schönen Sonntag wünsche ich dir


Gruß RE



Joachim 10/08/2010 17:59



Für einen Außenstehenden ist der unterirdische Markt kaum vorstellbar. Ich habe so etwas Ähnliches in Bali erlebt, ebenfalls im Souterrain. Aber das war offen. Ein unerträglicher Geruch. Es gab
alles, was man brauchte. Das fand ich gut. Trotzdem sicherlich fairer Handel im Gegensatz zu unseren Supermärkten.


LG Joachim



R.Einloft 10/09/2010 13:31



Leider haben wir davon keine Bilder, das haben wir uns nicht getraut. War eine Impression wie in der Unterwelt. Dürfte in Bali ähnlich gewesen sein. Hier waren die Mengen für Großhändler gedacht.
Die Lastwagen vom Land furen in diese Unterwelt hinein, Wagenladungen landeten da auf dem Boden und stapelten sich auf zu kleinen Bergen


Gruß RE



Marianne Schreiber-Einloft 10/08/2010 15:44



Schön mit den Fotos, ich wusste nicht, ob man sich das nur mit der Beschreibung vorstellen konnte. Aber so ist alles klar und sieht sehr lecker aus.



R.Einloft 10/08/2010 17:04



Gute Erinnerung, nicht?