Artikel teilen! (59) TAN 2003 - Dar es Salaam, "Haus des Friedens" II: (M) Der „Kariakoo-Markt“ ist ein ganzer Stadtteil mit einer großen Markthalle (zweist ...
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(M) Der „Kariakoo-Markt“ ist ein ganzer Stadtteil mit einer großen Markthalle (zweistöckigund einem weiteren Obst- und Gemüsemarkt und vielen kleinen Geschäften drum herum. Der ganze Stadtteil ist unterkellert und unter der Erde sind riesengroße, schwüle, verdreckte, stinkende Hallen, in denen der Schlamm knöcheltief steht und die Schalen der Zwiebeln und der ausgepulten Erbsen vor sich hin schimmeln. In einer der unterirdischen Hallen werden nur Kartoffeln verkauft, in der nächsten nur Bananen, in einer anderen nur Paprikaschoten, dann Zwiebeln, Karotten usw. Es ist der größte Markt in Afrika. Ich war weit und breit die einzige Mzungu (Weiße) und habe ziemliches Aufsehen erregt. Mir ist der Angst- und sonstige Schweiß ausgebrochen und ich war froh, wieder oben zu sein und atmen zu können. Auch da laufen keine Weißen herum, aber InderInnen schon, mit ihren schönen Trachten, verschleierte arabische und schwarze Frauen, Schwarze mit Kangas und Maasai, mit Perlenschnüren und einem roten Tuch behängt, die Frauen mit nackter Brust und viel Schmuck. Die Preise sind wesentlich günstiger als in unserem Stadtteil, aber für mich machen sie doch immer einen Spezialpreis, der etwas höher liegt
Sobald die Sonne untergeht können die verschiedensten kulinarischen Angeboten mit indischen, chinesischen und arabischen Einflüsse überwältigen neben der relativ einfachen ostafrikanischen Küche mit ihrem Reis, Gemüse und Ugali, dem nie fehlenden Getreidebrei. Natürlich ist mittlerweile auch die europäische Küche vertreten, besonders Italiener.
Recht schnell haben uns die neuen Freunde das “ADIS in DAR”, Äthiopien in Tansania, gezeigt.
Man sitzt auf niedrigen Stühlchen nicht sehr bequem vor Korbtischen wie Eieruhren geformt. Und obendrauf haben diese Tischchen eine aus Korb geflochtene Zipfelmütze. Die wird abgenommen
und darunter ist eine runde Blechform mit hohem Rand eingelassen. Zuerst bringt der Ober eine Kanne mit warmem Wasser, hält sie über eine Schüssel zum Hände waschen. Ein dünner Pfannkuchen, so
groß wie der Tisch wird aufgelegt, vielleicht aus Mais, ich habe es nie erfahren.
Die vielerlei Gerichte, dicken Soßen mit Fleisch, Meeresfrüchten, Kartoffeln, Eiern kommen in Schälchen, die der Ober mit Schwung als kleine Häufchen auf den Pfannkuchen
kippt.
Jeder kriegt einen anderen Pfannkuchen, der etwa acht Zentimeter breit ist und wie eine Binde aufgerollt wird. Davon reißt man sich ein Stück ab, nimmt die Köstlichkeiten damit
auf, steckt sie in den Mund und leckt sich die Finger. Und zum Schluss wird der mit allen Soßen getränke Tischpfannkuchen aufgegessen. Eine halbe Stunde und länger dauert die
Kaffeezeremonie. Der Kaffee wird auf einem kleinen Holzkohlestöfchen frisch geröstet, mit dem Mörser zerstampft, aufgebrüht und mit Gewürzen gekocht, in schmalen Tassen bei Weihrauchduft mit
Popkorn getrunken. Äthiopien ist das Mutterland des Kaffees, genau so alt sind die Traditionen, genau so gekonnt ist die Brühtechnik, genau so exzellent der Geschmack.
Verzichten müssen wir nicht auf gewohntes, nein, können sogar neue Geschmäcker lernen. Es gibt Einkaufszentren, da bekommen die gut dotierten "Wazungu" so ziemlich alles: guten südafrikanischen Wein, asiatische Gewürze und andere Esswaren, irische(!) Butter, italienische Spaghetti, argentinisches Corned Beef und was der Mensch sonst so braucht. Und natürlich tolles Gemüse und Früchte vom nationalen Markt. Letzteres ist billig, alles andere teuer.