Artikel teilen! (60) TAN - Die Arbeit I - aller Anfang ist verdammt schwer Teil II: (Der erste Teil endete mit dem Bericht von M, wie ich mich bei der Rede zur ...
Andere Welten oder: vom Leben in Chile, Ecuador, Brasilien, Kolumbien, Tansania, Mosambik und immer wieder Deutschland
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(Der erste Teil endete mit dem Bericht von M, wie ich mich bei der Rede zur Übergabe der Geschäfte in Englisch herumplagte. Es war eine größere Veranstaltung) M weiter:
Langsam verstand ich, was unser Freund Wolfgang meinte mit der Bemerkung „die neue Weltsprache ist schlechtes Englisch“. Klar, die meisten haben es als Zweitsprache gelernt und so klang es auch. Den Vergleich mit den anderen Rednern brauchte Sebastian nicht zu scheuen und ich war als seine Englischlehrerin wohl zu anspruchsvoll.
Die Minister, Botschafter, Gewerkschaftsvorsitzenden, Parlamentarier, deutschen Experten und Mitarbeiter hielten lange Reden, scheinbar ohne jede Selbstzweifel aus dem Stegreif und jeder lobte die gute Zusammenarbeit und die große Hilfe, die unsere Stiftung und ihr Repräsentant für das Land bedeuteten, und die sicherlich auch der neue Direktor – Verbeugung - weiterführen würde. Auch seiner Gattin – mir – wünschten sie einen angenehmen Aufenthalt in ihrem Land.
Hinterher bedienten wir
uns an einem üppigen Buffet mit viel Fisch und Garnelen, natürlich auch Fleisch, aber ich hielt mich an die Meeresfrüchte. Eine Band spielt Musik zum Tanzen, eine Mischung aus
Lateinamerika und Afrika. Es sah exotisch aus, wenn die wogenden Massen der mit bunten Kleidern und Turbanen geschmückten afrikanischen Mamas im Rhythmus schwangen – langsamer als wir oder die
Brasilianer. Wahrscheinlich brauchte man auch einen solchen gewaltigen Körperbau mit dem entsprechenden Hintern damit es typisch afrikanisch aussah. Sie tanzten in Gruppen,
manchmal nur Frauen, dann wieder nur Männer zusammen, ganz selten zu Paaren. Die dunkelhäutigen Männer in den weißen Oberhemden und Anzügen sahen für meinen Geschmack viel besser aus als die
Weißen. Sie hatten ein breites Kreuz und einen knackigen Hintern und bewegten sich sehr langsam und würdevoll.
Falls sie überhaupt einmal mit mir sprachen, sahen sie mich nicht an. Ich hatte das ja in der Vorbereitung gelernt, aber ich fühlte mich nicht wahr genommen. Die Frauen waren freundlich, sie fragten mich aus, bewunderten, dass ich drei Kinder und zwei Enkel hatte und nahmen mich beim Tanzen in ihren Kreis auf. Wir hatten Spaß miteinander.
(R) Hanne hat einen langen Brief geschrieben. Sie will wissen, was mein Ohr macht (die Entzündung geht langsam zurück, dafür hat im rechten Ohr was begonnen. Der Arzt sagt, dass ist eine typische Tropenkrankheit) und was ich so mache. Also gut.
Meine Hauptarbeit ist organisieren. Das Büro, die Veranstaltungen, die Termine der Treffen, Reisen von mir und von anderen in unserem
Auftrag. Dann: Kontakte machen und halten mit Menschen, die für unsere Arbeit wichtig sind. Dann: zu den Fachthemen die richtigen Fachleute suchen. Dann: die Lage im Land analysieren und 2 Mal im
Jahr einen Bericht schreiben. Dann: Das Programm (weiter) entwickeln, was wir als FES tun sollten und was wir tun können. Dann: Regionalprogramme mit den Büros in Uganda, Kenia, Äthiopien
organisieren und durchführen. Dann: Koordinierungssitzungen abhalten. Denn koordinieren ist alles, je besser um so weniger habe ich Arbeit.
Drei wissenschaftliche Mitarbeiter arbeiten im Büro, einer als Assistent, Adda ist die Buchhalterin, Büroleiterin und deutsche
Sekretärin. Die beiden Fahrer sind nicht nur für den Fahrdienst zuständig, alles in der Stadt muss selbst verteilt, gekauft und mit den Behörden geregelt werden. Shamte fährt mich, er ist mir
sehr sympathisch. Es gibt noch eine einheimische Sekretärin, Empfangsdame und Terminkalender-Überwacherin und dann haben wir noch 2 Bürodamen, die Kaffee bringen, sauber machen und immer
wunderschöne Kleider anhaben. Mindestens ein Trainee, junge Studenten aus Deutschland, die auf eigene Kosten Erfahrung sammeln wollen, begleitet die Arbeit (ich sehe sehr viel Wert in diesen
Praktika). 3 Wächter für Tag- und Nachtdienst komplettieren unsere
Mannschaft, einer kümmert sich um den Ziergarten und hat aus Blumen FES vor das Tor geschrieben.
Der Tag sieht ungefähr so aus: Vor dem Büro Vokabelpauken, Englisch lernen mit M. (Englisch brauche ich, sie ist die Verwaltungs- und Hochsprache, Kisuaheli die der Bevölkerung. Außer in Kurzkursen habe ich die Sprache nie systematisch gelernt). Shamte holt mich ab, er ist mein Fahrer und Guard. . Betty und Khalib verstehen nicht, weshalb ich es so eilig habe, den Wagen zu entzollen, machen aber fleißig mit und geben guten Rat. Danach den Cotonou-Bericht fertig korrigiert und versucht, ins Netz zu stellen. Funktioniert nicht. Dann Emails beantwortet. Um 11.00 Treffen mit Prof. Othman (Menschenrechte auf Sansibar), der kommt nicht. Dafür Zitto, er geht nach Deutschland für 1 Jahr zur DSE um Cotonou zu studieren. Dann kommt Prof. Suleiman Ngware (Kommunale Entwicklung). Um 13.00 J. Nyerere-Stiftung. Ambassador Dr. Salim Ahmed Salim, ex Generalsekretär der Organisation der Vereinigten Staaten von Afrika und gehandelter Präsidentschaftskandidat. Er wirkt auch so. 14.00 zurück. Steering Committee Cotonou Agreement. Anfang Juli gegründet, trifft sich dieses Komitee aus Vertretern verschiedenen Organisationen wöchentlich. Wir wollen eine Strategie entwickeln, wie die Organisationen der Zivilgesellschaft (also Gewerkschaften, Nicht-Regierungsorganisationen) sich besser qualifizieren können. Der Cotonou-Vertrag ist der größte, der jemals zwischen den Industrienationen und den ehemaligen Kolonialländern in Afrika, Asien und der Karibik abgeschlossen werden soll. Vorher hieß er Lome-Vertrag. Über Handelsabkommen und Standardfestlegungen sollen die beteiligten ehemaligen Länder ohne Zölle in die EU importieren können. Später den Obersten Richter Barnabas Samatta getroffen. Er war ganz freundlich und hat mir stolz die - für unsere Verhältnisse kleine - Bibliothek gezeigt. Wir werden zusammen Veranstaltungen manchen. Beim Arzt war ich ganz früh und eine Proffessoressa (klingt das in Italienisch nicht wunderbar) von der Journalistenuniversität in Rom war da. Und eine Chinesische Massage gegen die Verspannungen habe ich mir geben lassen. Die ähnelte Karate.