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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(62) TAN 2003: Afrika ist anders – Impressionen

18. Oktober 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

DSallam Stadtaus(M) Für jemanden, der in Südamerika gelebt hat, ist es äußerst angenehm, durch die Straßen zu laufen, sieht man mal davon ab, dass es keine Bürgersteige gibt und man entweder auf der Straße gehen oder im Dreck waten muss: man/frau wird von niemandem belästigt. Es gibt keine Bettler, keine aufdringlichen Verkäufer, keine unverschämten Anmacher. Manche gucken einen freundlich an und grüßen und freuen sich, wenn man zurück grüßt. Hier in der Stadt verstehen und sprechen alle, mit denen man zu tun hat, ein bisschen Englisch, aber sie freuen sich riesig, wenn man ein paar Brocken Kisuaheli in die Debatte wirft.

In unserer Straße, vor der Mauer sitzen ein paar Frauen vor Haufen von verschieden großen Steinen. Sie klopfen sie mit dem Hammer klein. Erst sind sie so groß wie Cocosnüsse und am Schluss wie kleine Kiesel. Diese werden verkauft und als Baumaterial benutzt.

Ich habe einen Mann auf einem Fahrrad gesehen, der transportierte zwei etwa 5 Meter lange Plastikrohre der Länge nach auf dem Kopf. Er durfte aber nicht zur Seite gucken, dann hätten die Rohre die Straße versperrt.

Vorgestern bei meiner kurzen Radtour kam ich mir vor wie in einem Dorf in Oberbayern: nur dass sie nicht „Grüß Gott“ sagen, sondern „Jambo, habari gani?“ Jeder grüßt freundlich, und man kann die Leute anlachen und sie lachen zurück. Nicht wie in Erfurt, wo sie fragen, warum lacht die so blöd!

Einiges ist anders:

Wasser aus dem Hahn darf man nicht trinken. Das tut man auch nicht, es riecht nach Jauche. Die Zähne putzen wir uns mit gekauftem oder abgekochtem Wasser. Auch der Salat wird damit gewaschen

Ab 18.00 Uhr nur mit langen Hosen und Oberhemd draußen sitzen und den Rest mit Autan schön einschmieren. Oder stinkige Spiralen anzünden und wütend hinter dem lustig im Zickzack davon schwirrenden Moskito hersprühen. Das macht dem nicht viel aus, aber vielleicht wird’s ihm schlecht. Wie mir. Mistviech! Nur wenn er vollgesogen ist mit deinem guten Saft, am nächsten Morgen vielleicht, hast du eine Chance ihn zu erwischen. Dann gibt’s rote Flecken an der Wand.

Die Fliegen sind lästig und penetrant. Im Sekundentakt fliegen sie an, setzen sich auf und sind wieder weg. Manche machen auch Mutproben: sie bleiben so lange auf deinem Löffel sitzen, bis du sie fast im Mund hast und wer zuletzt flieht, hat gewonnen. Die hassenswerten landen ein Dutzend Mal immer wieder auf der selben Stelle, gerne auf dem Ohr, auf der Nase und anderen heraus ragenden Teilen. So lange, bis man wild rudernd flieht.

Abends ist öfters der Strom weg. Dann fängt sofort die UPS am PC an zu piepsen und hält die Stromversorgung aufrecht. Nach zwei Minuten donnern die Generatoren vor unserem Haus  los. Der Generator beim Nachbarn springt schon nach einer Minute Stromausfall an, er steht unter unserem Schlafzimmer und bläst die Dieselgase auf den Balkon. Alle Geräte müssen gut geeignet sein für Stromausfälle. Besonders der Receiver fürs Fernsehen. Gestern Abend ist der Strom etwa 10 mal weggegangen. Und jedes Mal, wenn er zurückkommt oder wenn der Generator einsetzt, holt sich der Receiver alle Programme aus dem Netz und speichert sie neu. Das dauert einige Zeit. Den Film, den wir sehen wollten, kennen wir nur in Ausschnitten.

Man muss sich dauernd duschen. Im Haus sind über 30 Grad. Das Wasser im Pool hat 33 Grad.

Nachts ploppt der Deckenventilator rhythmisch über dem Bett: schlapp, schlapp, schlapp. Wenn es unerträglich wird, machen wir die Kühlanlage an, sie steht auf 28 Grad. Man kann nicht in Löffelstellung schlafen, zu heiß! Und ich meine wirklich heiß. Manchmal stehen wir nachts auf zum kalt Duschen.

Kipepeo-Sansibar-Bett.jpgDas Moskitonetz muss mit dem Bett abschließen und darf nicht die geringste Lücke lassen. Die Viecher kennen offenbar nur eine Erfüllung im Leben: menschliches Blut saugen. Sie umschwirren nächtelang das Netz und erwischen mit tödlicher Sicherheit jedes noch so kleine Loch. Ansonsten stechen sie von außen durch das Netz, wenn ein Körperteil ihm zu nahe kommt.

 

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Joachim 10/19/2010 09:48



An diese herrlich heißen Temperaturen werdet Ihr Euch zurücksehnen, wenn es hier in den nächsten Wochen und Monaten bitterkalt wird. Lach!


LG Joachim



R.Einloft 10/19/2010 11:26



Davon kannste ausgehen - siehe den Blog heute.


Manchmal, ganz manchmal ist der Herbst auch schön und der Winter auch.


Grüße und danke für das Verständnis


RE