Artikel teilen! (62) TAN 2003: Afrika ist anders – Impressionen III: An der Kreuzung Ali Hassan Mwynie Road mit Haile Selassi arbeiten Behinderte. Sie sitze ...
Andere Welten oder: vom Leben in Chile, Ecuador, Brasilien, Kolumbien, Tansania, Mosambik und immer wieder Deutschland
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An der Kreuzung Ali Hassan Mwynie Road mit Haile Selassi arbeiten Behinderte. Sie sitzen am Boden und betteln neben den wartenden Autos. Abwechselnd. Unter einem Baum stehen ihre Rollstühle. Es sind Rohrgestelle auf Rädern. Vorne ein Zahnrad mit Pedalen in Hüfthöhe. Das ist der Handantrieb, gleichzeitig zum Lenken ausgelegt. Unter Mittag sitzen sie alle unter dem Baum.
Die Kleinbusse heißen ‘Dalla Dalla’. Und so fahren sie auch.
Der Landcruiser ist groß wie ein Traktor, lässt sich
aber erstaunlich gut fahren. Einzig bis er auf Touren kommt, das dauert. Will man ihn schneller haben, muss man sich auf das Gaspedal stemmen. Der Wagen röhrt dann wie ein Hirsch und kommt in
Fahrt. Danach muss man nix mehr machen. Er pflügt alles zur Seite, was im Wege steht. Wehe ich vergesse links zu fahren.
Wenn man abends von der asphaltierten Straße abbiegt, taucht man in absolute Dunkelheit. Der Jeep hebt und senkt sich im ersten Gang
schaukelnd durch die Löcher. Im Scheinwerferlicht tauchen Gestalten auf, manchmal
schlanke Maasai-Krieger in ihrer traditionellen roten Umhängen mit Speeren. Sie leisten
ihre Phase, in der sie zum-Mann-werden in Dar es Salaam ab. Früher gingen sie für 2 – 3 Jahre in den großen Wald und auf die Savanne. Alleine oder in
Kleingruppen mussten sie mit ihren Speeren einen Löwen erlegen. Heute bewachen sie reiche Leute und gehen danach mit dem gesparten Verdienst in ihre Heimat zurück. Das Scheinwerferlicht erfasst
die Krieger in der Dunkelheit und lässt sie verschwinden. Ein Kiosk, an die Mauer gelehnt, taucht auf, 2 Frauen kaufen Kleinigkeiten. Die Freunde, die mitfahren sagen, die nächste nach links. Ich
kann nicht ausmachen, ob das ein Graben ist oder eine Straße. Der Jeep röhrt, die Freunde bleiben ruhig, sie kennen sich aus, wir bringen sie heim. Einfache Hütten erscheinen im Licht des Wagens,
umgeben von etwas Land um Kasawa anzubauen. Eine Bude ist als Restaurant ausgezeichnet, drei Männer sitzen davor, schlagen nach den Mosquitos und schauen uns nach. Nächste links, Achtung, ein
Krater. Wir pflügen durch. Hohe Wände mit Nato-Stacheldraht bewehrt tauchen auf, säumen die Straße, hier wohnen reiche Leute. Eine Einfahrt, von Kriegern belagert. Wir sind da, sie umzingeln das
Auto, erkennen unsere Freunde, lachen. Hinter der Mauer schöne, große Häuser, ein Wohnkomplex, umgeben von armseligen Hütten. Auf der Rückfahrt lande ich doch noch im Bananenhain. Aber dann
finden wir die Piste wieder, sehen wieder Autos, kommen auf die Kawawa Road und wieder auf einer Teerstraße. Wir waren nicht auf dem Land, wir waren in Dar es Salaam, in der Nähe des Büros. Wir
sind in Afrika.
Es ist nicht zu fassen, wie langsam die Frauen sich hier bewegen. Am Samstag beim Einkauf im einzigen Supermarkt in Dar es Salaam standen 3 Schönheiten im Gang. Nebeneinander. Sie waren nicht dick, nur die Hintern versperrten den Weg. Pro Sekunde eine Fingerbewegung. Und sie diskutierten mit unendlicher Ruhe. Ich bin fast verzwazzelt.
Sonntag ist nicht Sonntag. Viele gehen in den Gottesdienst, mehr Leute als in Deutschland. Viele aber arbeiten. (M) Am Pfingstsonntag lagen wir faul lesend am Pool herum, als wir lauten Gesang hörten. Zuerst dachten wir, es sei das Radio, aber er war so gewaltig, so feierlich jubelnd, dass mir die Tränen kamen vor Rührung. Schnell zogen wir uns etwas über und strebten dem Gesang nach zur nahe gelegenen katholischen Kirche. Rhythmischer Wechselgesang, erst eine Person, dann viele, der ganze Chor mit Trommel- und Orgelbegleitung, 500 Gläubige die sangen, klatschten und sich im Rhythmus wiegten. So fremd und so schön!! Wenn es in Deutschland als Konzert angekündigt gewesen wäre, ich hätte viel Geld dafür ausgegeben. Die Kirche bot Sitzplätze für ca. 300 Personen, es waren aber 500 drin, 100 standen oder saßen noch draußen auf Plastikstühlen im Schatten unter Bäumen, kleine Kinder in grellbunten Sonntagskleidchen und -anzügen spielten im Staub, beobachtet von ihren singenden Müttern. Ich war verzaubert und spürte, wie ich begann, mein Herz zu verlieren!
Straßenkehrer sind Frauen. Sie haben einen Besen, eine Schaufel und einen Eimer. Manche haben hübsche Kleider an, alle Tücher vor dem Mund.
Manchmal steige ich wie gewohnt links ins Auto und wundere mich. Wer hat das Steuerrad geklaut??? Hoffentlich sieht mich keiner!
Die Tage hatte ich ein Seminar im Büro mit Büffet im Hof. Vor dem Büffet ein Wasserkessel mit Hahn, darunter ein Eimer. Alle einheimischen Gäste haben sich vor dem Essen die Hände gewaschen. Und mit denselben gegessen. Auch Reis und Salat. Nur die vornehmen Europäer benutzten Besteck und spreizten den kleinen Finger. Ich bin kein vornehmer. Endlich zu Hause!