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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(62) TAN 2003: Afrika ist anders – Impressionen IV

24. Oktober 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Sanibar DhauOft ist das Meer gesprenkelt mit Dreieckssegeln. Sie werden noch immer benutzt von kleinen Einbaum-Fischerbooten bis zu den Dhows. Dhows sind legendär. Es gibt kleinere nahe am Ufer aber auch große, hochseetaugliche mit Aufbauten. Mit diesen Schiffen kamen schon im 8. Jahrhundert arabische Händler, die Sansibar als idealen Stützpunkt entdeckten. Im Frühjahr trieb der Monsun die Handelsschiffe nach Süden, im Herbst und Winter drehte der Wind und trieb die Dhows zurück bis nach Arabien und Indien. Alles wurde damit transportiert. Auch die Sklaven. Und als der Sultan von Oman beschloss in Sansibar sich anzusiedeln, da waren es die Dhows, die seinen ganzen Hof herbei segelten. Und als ein Nachfolger entschied, er müsse in den Krieg ziehen, fuhren 1000 Dhows von Sansibar nach Oman und nach getaner Arbeit wieder zurück. Es gibt noch einige von diesen Dhows. Geblieben sind die Dreieckssegel. Bis heute.

TAN-Hochzeit-Peter---9.jpgUns hatte man gesagt, die Trauung sei um 15.00 Uhr, das aber war die afrikanische Zeitangabe. Wir waren als Einzige pünktlich, die anderen trudelten um 16.00 Uhr ein. Der Pfarrer wiederholte immer wieder, dass ein Mann nur eine Frau haben darf. Mke moja na mume moja repetierte er eindringlich. Er hat einen schweren Stand bei der islamischen Konkurrenz. Die bieten den Männer auf Erden mehrere Frauen und im Himmel Huri. Ansonsten war es lustig. Der Chor wiegte im Rhythmus und die Gemeinde klatschte frenetisch beim Jawort. Dazwischen die hohen Triller der Frauen die mir das Blut in den Adern gefrieren lassen. Bei uns sind schlanke Menschen Vorbild, in Afrika bedeutet dick sein Reichtum. Die Hintern, breit, ausladend, beim Gehen von einer Seite zur anderen schwingend, ja, das ist Afrika. Kunstvoll werden die Haare in stundenlanger Arbeit geflochten und gesteckt. Schmuckstücke manchmal.

Der Teierdee: Die chinesischen Massage ist in einem einfachen, kleinem privates Krankenhaus, in dem traditionelle chinesische Medizin angeboten wird. An der Wand Bilder mit den beiden Ärzten und wichtigen Leuten und eine Liste ihrer Heilkunst. Der Mann ist noch nicht lange hier, die Frau schon seit 5 Jahren. Ich werde wortlos in ein Zimmer mit Bett, Tisch und Stuhl gebeten und ziehe das Hemd aus. Auf einmal sagt er: teierdee? Hä? Teierdee? Er wiederholt. Kein Wort versteh ich. Er überlegt und sagt dann wieder was. Und mittendrin kommt „Sex…. Mir dämmert etwas. Vorne auf der Preisliste stand, dass sie auch sexuelle Störungen behandeln. Der will wissen, was ich habe. Ich sage Stress und Verspannung und Massage. Er nickt mit dem Kopf und sagt teierdee. Gestern war ich wieder da. Die junge Frau winkt mich durch, ich kenn mich ja schon aus. Die Tür ist offen, er schläft auf dem Bett. Ich klopfe vorsichtig mehrere Male an den Türrahmen, er wacht auf, schaut mich an und sagt „teierdee“. Da weiß ich plötzlich, was das heißen soll: müde – tired, teierdee auf chinesisch-englisch.

Ja, Afrika ist anders als Südamerika und noch viel mehr als Europa. Ich kann nicht verstehen, dass Zauberei sehr ernst genommen wird. Manchmal tödlich ernst. Dass Albinos umgebracht werden weil sie Unglück bedeuten, dass Ahnen wichtig sind und verehrt werden im Kreislauf des Werdens und Vergehens der Menschen. Vieles muss ich einfach akzeptieren.

o Iringa - 50Diese in sich ruhende Langsamkeit, die Fähigkeit, Dinge sein zu lassen. Nicht andauernd vom Veränderungswillen geplagt sein. Lese in einem Interview: „Langsamkeit, Lockersein, und was ich liebe: die Zeit fließen zu lassen. Man kann den ganzen Tag auch mit Quatschen verbringen. Arbeit? Die Arbeit ist kein Hase und wird nicht weglaufen. So denken etwa 200 Millionen Menschen, die jetzt integriert werden sollen. Viel Spaß dabei. Es wird Ärger geben“. Na, das denke ich auch.

Bei Mankell gelesen (Das Auge des Leoparden) und für wahr empfunden:

„Ein weißer Mann kann den Afrikanern niemals als ihr Vorgesetzter helfen, ihr Land zu entwickeln. Von unten, von innen kann man Wissen und neue Arbeitsmethoden vermitteln, aber niemals als ein bwana. Ihre lange koloniale Vergangenheit hat den Afrikanern alle Illusionen genommen. Sie kennen die Unberechenbarkeit der Weißen, die laufend eine Idee gegen eine neue austauschen. Ein weißer Mann fragt nie nach Traditionen, geschweige denn nach den Ansichten der Ahnen. Der weiße Mann arbeitet schnell und hart, aber Eile und Ungeduld sind in den Augen der Schwarzen ein Zeichen fehlender Intelligenz. Die Weisheit des schwarzen Mannes basiert darauf, lange und gründlich nachzudenken.“

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