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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(63) TAN 2003: Einladung beim Kulturattache

27. Oktober 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

  (M berichtet)

Unser gesellschaftliches Leben begann kurz nach der Ankunft, wir waren an fünf Abenden der Woche zu verschiedenen Abschieds- und Willkommensfeiern eingeladen. Hoffentlich lag ich mit meiner Kleidung nicht voll daneben! Hier trugen Frauen keine Hosen, das war auch viel zu warm, und Schwarz galt als zu festlich und aufgedonnert. Ich hatte aber fast nichts anders. Ja, ja, das waren so die Probleme von mit ausreisenden Ehegattinnen!

M-Hochzeit.jpgBeim Kulturattache der Deutschen Botschaft war ich Gott sei Dank richtig gekleidet, enges buntes Sommerkleid mit Spaghettiträgern und kurzärmeligem Jäckchen für den Notfall. Es war eine private Einladung, wir waren insgesamt nur acht Personen. Shamte brachte uns zur Residenz an der Ocean Road, fuhr durch das schmiedeeiserne Tor, den großen Garten über die mit Muscheln belegte Einfahrt bis an die Treppe, an der uns die Gastgeber erwarteten und den anderen Gästen vorstellten. Reinhold-als-Manager---1.jpgEin Mitarbeiter des Hausherrn geleitete uns durch den mit Fackeln erleuchteten Garten zu einer Bar unter Palmen, wo Drinks gemixt wurden. Ein indisch aussehendes Ehepaar kam sofort hinter uns her und die mit viel Goldschmuck und traditionellem Gewand geschmückte Dame sprach uns an:

„Ach, wie schön, zwei neue Mitglieder der Wazungu-Gemeinde kennen zu lernen!“.

Auf meine Frage, wo sie ihr perfektes und gepflegtes Englisch gelernt hätte, erzählte sie, dass ihre Familie in der dritten Generation hier in Tansania lebte,  dass ihre Eltern sehr vermögend gewesen seien  und sie in England auf ein Internat geschickt hatten.  Beim Gin-Tonic gab sie uns eine kurze Einführung in das gesellschaftliche Leben von Dar es Salaam und auf meine Frage, wo „man“ zum Tanzen gehen könnte, verzog sie das Gesicht.

„Das müssen Sie wohl privat organisieren, denn die beiden Tanzlokale hier auf der Halbinsel sind mehr für liebeshungrige weiße Männer und sehr junge schwarze Mädchen. Ich glaube, da würden Sie sich nicht wohl fühlen. In diesen Kreisen ist die Aidsrate entsprechend hoch. Aber Sie haben doch ein paar Jahre in Rio de Janeiro gelebt, da ist der Sextourismus sicher noch viel intensiver, was man hört?“

„Dass bei Rio jeder gleich an Sex und Kriminalität denkt, ist für jemanden, der diese Stadt kennt und liebt ungerecht und einseitig,“ fand ich.

„ Und welche sind die Unterschiede zu Dar es Salaam? Können Sie das schon beurteilen?“

„Das Klima ist so ähnlich wie hier, aber Rio ist eine Weltstadt. Und die Kleidung ist sehr leger, der Strand ist das Freizeitvergnügen Nummer eins mit Sport-  und Spielmöglichkeiten und der Aufforderung zu sozialen Kontakten überall. Die Mentalität der Menschen in Rio die wir kennen, kann man als offen, liebenswürdig und tolerant bezeichnen. Zumindest die meisten. Man findet schnell Kontakt und die Hautfarbe spielt kaum eine Rolle. Alle gehören dazu und werden akzeptiert, wenn sie Portugiesisch sprechen.“

 

Teil II folgt zugleich

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Joachim 10/31/2010 17:15



So freizügig und hübsch gekleidet wäre wohl auf einer einheimischen Tanzveranstaltung zumindest sehr gewagt!


LG Joachim



R.Einloft 11/01/2010 14:05



War ja auch heiß, da kann man das


Bestens RE



Teilzeitberlinerin ;-) 10/29/2010 08:16



Da hätte ich gerne noch nen Bild vom Empfangsweg gesehen, bestimmt wunderschön ...


gruss


Bianca



R.Einloft 10/29/2010 10:46



Fotografieren war nicht gesellschaftsfähig bei solchen Veranstaltungen. Leider keine Fotos, das von heute ist auch nicht die beschriebene Einladung, nur der Stimmung und unterschiedlichen
Charatere wegen eingesetzt.


Bestens RE