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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(63) TAN 2003: Einladung beim Kulturattache Teil II

29. Oktober 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Teil I hatte aufgehört mit dem Gespräch über Rio mit der indischen Frau:

"Die Mentalität der Menschen in Rio die wir kennen, kann man als offen, liebenswürdig und tolerant bezeichnen. Zumindest die meisten. Man findet schnell Kontakt und die Hautfarbe spielt kaum eine Rolle. Alle gehören dazu und werden akzeptiert, wenn sie Portugiesisch sprechen.“" (Teil I hier: Einladung beim Kulturattache Teil I)

TAN-FES---6.jpg„Das ist hier etwas anders, jeder bleibt unter sich, die Weißen, die Inder und die Schwarzen. Wir sind die Ausnahme, wir haben auch Kontakt zu Europäern, da wir geschäftlich mit einander zu tun haben. Es ist schwierig bis unmöglich, von Schwarzen privat eingeladen zu werden. Das liegt auch daran, dass sie meistens viel ärmer sind als wir und sich schämen, ihren Gästen nicht den gleichen Komfort anbieten zu können“.

„Aber das ist doch nicht so wichtig. Ich würde mich sehr freuen, afrikanische Familien kennen zu lernen und etwas mehr zu verstehen.“  Sie zuckte die Schultern: „Sie werden ja sehen!“

Am Tisch setzten wir uns nebeneinander um weiter reden zu können. Ein japanisches Ehepaar saß neben uns. Sie berichteten in kaum verständlichem Englisch, dass sie in der Computerbranche arbeiteten (wo auch sonst?), er hatte einen Arbeitsvertrag mit Toshiba, sie versuchte, privat ein Service-Center zu eröffnen. Tansanier mit ihrer sozialistischen Vergangenheit und Denkweise legten privaten Investoren aber völlig unverständliche bürokratische Hindernisse in den Weg und so war sie nicht sicher, ob es klappen würde. Es war sehr mühsam, ihnen zuzuhören und so wandte ich mich wieder der Inderin zu.

Sie fragte mich: „Haben Sie noch ein gemeinsames Schlafzimmer oder spielen Sie schon Golf?“

„Haha, das ist gut! Ich wusste nicht, dass man erst Golf spielt, wenn alles Andere vorbei ist. Nein, Golf spielen wir nicht. Das ist für mich kein Sport, das ist Herumstehen und Smalltalk machen“, antwortete ich und sie machte sich über die Golfspieler in Dar es Salaam lustig, die sich in der Hitze von einem Schatten zum anderen quälten und sich mit Handschuhen und großen Hüten vor der Sonne schützten. Wir lachten viel, bis die Japanerin neben uns kleinlaut zugab, dass sie gerne und fast täglich Golf spielten. Sie lächelte uns an und war anscheinend nicht beleidigt. Nach einer Verlegenheitspause wählten wir andere weniger konfliktträchtige Themen. Ich fand es toll – wo lernte man schon mal Inder und Japaner kennen? Das Problem waren ihre Namen.

Wir saßen mitten in einem von hohen Mauern umgebenen riesigen Garten am Meer mit alten Bäumen unter einem Palmdach an einem großen runden mit weißem Damast und edlem Geschirr gedeckten Tisch. Mehrere Bedienstete kümmerten sich um die Versorgung der  Gäste mit Speisen und Getränken. Beim Buffet, das aus Meeresfrüchten, Fisch, zartem Rinderfilet, tropischen Gemüsen und Obst aber auch aus italienischen und asiatischen Spezialitäten bestand,  blieb der indische Ehemann sitzen,  seine Frau häufte ihrem Gatten am Büffet den Teller voll und brachte ihn zum Platz, dann stellte sie sich selbst an. Beim zweiten und dritten Gang wiederholte sie die Prozedur.

Wir tranken südafrikanischen Wein und der Attache zerstörte meine Hoffnungen auf eine Arbeitsmöglichkeit. „Vielleicht können Sie privat etwas Deutschunterricht erteilen, aber offiziell werden Sie keine Arbeitserlaubnis bekommen. Die Deutsche Botschaft vermittelt zwar Sprachkurse, aber zur Zeit sind wir überbesetzt und wir beschäftigen nur Lehrer mit Arbeitserlaubnis.“  Seine Frau arbeitete als freie Mitarbeiterin in R´s Büro, sie war spezialisiert, gab Kurse und schrieb Artikel über die ostafrikanische Gemeinschaft. Mitausreisende Ehepartner durften in der Regel nur arbeiten, wenn es keine gleich qualifizierten Tansanier für den Job gab. Ich würde schon irgendetwas finden, aber privater Deutsch- und Nachhilfeunterricht war so ziemlich das Letzte, das ich mir antun wollte. Und mich selbständig machen, als was? Dazu musste man Geld investieren.

Als wir gehen wollten, wurde unser Fahrer angerufen und stand wenige Minuten später mit dem Wagen an der Treppe um uns abzuholen. Toll, wenn man nicht mit den hohen Absätzen erst hundert Meter weit über Kieselsteine zu seinem Auto laufen muss!

 

 

 

 

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