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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(65)TAN September 2003: Bagamoyo und die Kolonialmächte II

10. November 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Die Missionsstation in Bagamoyo ist um 1870 entstanden. Anfangs haben sie ehemalige Sklaven beherbergt, daraus wurde ein kleines Dorf mit Ausbildungsstätten und Bildungseinrichtungen. Eine breite Allee von alten, mächtigen Mangobäumen gesäumt führt hinauf zur Kirche. Im Glockenturm neben der Kirche lag LivingstoneStanley-meets-Livingstone.png aufgebahrt. Seine beiden Diener hatten die mumifizierte Leiche über 2000 km durch Afrika getragen. Von hier ging die Kunde in die Welt, dass der große Forscher tot sei. Kigoma Ujiji Reinhold - 8
Als die Deutschen in Bagamoyo die Macht übernahmen, haben sie es innerhalb eines Jahres geschafft, mittels restriktiver Verordnungen einen Aufstand zu provozieren. Viele Menschen aus dem Ort sind in die Missionsstation geflüchtet und die Priester konnten in den Kriegswirren vielen Menschen das Leben retten, denn die Kolonialmacht rächte sich brutal. Frieden liegt noch immer über dem Flecken. Junge Leute gehen in die Schulen, Kindergärten und Ausbildungsstätten.
Bagamoyo war jedoch nicht nur Handelszentrum für Sklaven, Elfenbein und Kopra, sondern auch Ausgangspunkt für Expeditionen angesehener europäischer Forscher. Von Bagamoyo aus machten sie sich auf die Suche nach den Quellen des Nil und erforschten Afrikas Binnenseen. Zu ihnen gehörten zum Beispiel David Livingstone, Richard Francis Burton, John Hanning Speke, Henry Morton Stanley, Franz Stuhlmann, James Augustus Grant und Friedrich Bohndorff.

Auf der Afrika-Konferenz 1885 in Berlin haben die Kolonialmächte den Kontinent aufgeteilt. Die Grenzziehung wie mit dem Lineal kommt von dieser Konferenz. Dem Belgischen König Leopold II war dabei der Kongo als persönlicher Besitz zugesprochen worden. Danach setzte im Kongo eine bluttriefende Epoche ein, an deren Ende der belgische König steinreich und der Kongo verwüstet war. Die Ausbeutungsmethoden des Königs waren skrupellos. Er hatte den Abschaum europäischer Freibeuter und Abenteurer angeworben, die im Kongo unmenschlich hausten und dem König maximale Profite einbrachten. Damals wurden den „Negern“ die Hände abgehackt wenn sie nicht schnell und genug Kautschuk sammelten. Die Hände wurden in Körben gesammelt und abends ausgestellt – zur Abschreckung. 1908 hat man dem König die Kolonie abgenommen, die Zustände waren so schlimm, dass seine auch nicht gerade zimperlichen Kolonial-Kollegen um den Rest ihrer Reputation fürchteten. Die Verwaltung des Kongos wurde dem Belgischen Parlament übergeben. Das an Bodenschätzen reiche Land blieb ein Zankapfel. Die Belgische Königsfamilie aber ist bis heute reich. Arschlöcher.

Lese Peter Scholl-Latour zitiert in seiner "Afrikanische Totenklage" Henry Morton Stanley, den, der Livingston fand, Afrika durchquerte und der später Beauftragter des Belgischen Königs war. Stanley war als harter und brutaler Mann bekannt. Der schrieb 1879: „Jeder Elefantenzahn, jedes Stück Elfenbein ist mit Blut gefärbt; ½ kg Elfenbein hat einem schwarzen Menschen das Leben gekostet; für weniger als 3 Kilo eine Hütte niedergebrannt; für 2 Stoßzähne wird ein ganze Dorf, für 20 ein Distrikt entvölkert. Um Luxusartikel und Billardkugeln zu fabrizieren, verwandelt man das Herz Afrikas in eine riesige Wüste und rottet ganze Stämme aus“. Und Scholl-Latour weiter: “Man setze an die Stelle von „Elfenbein“ die Worte „Petrol, Coltan, Diamanten“ und schon finden wir uns in der unerträglichen Realität unserer Tage wieder“. (Coltan ist extrem selten und wird dringend zur Härtung von Weltraumkapseln und Raketen sowie der Produktion von Chips gebraucht).

Meine Faustformel: Wenn wieder mal ein Massaker stattfindet, schau ich erst mal nach, was da für Rohstoffe zu finden sind. Stellvertreterkriege werden angezettelt um heute internationale Konsortien reich zu machen. Im "Kalten Krieg" wurden brutale afrikanische Herrscher mit Geld an der Macht und im eigenen Block gehalten. Ost und West hieß die Trennung und mancher Herrscher hat die Seiten gewechselt, um reicher zu werden. Zumindest aber garantierte diese Zuordnung eine vage Stabilität. Nach dem Ende des Kalten Krieges zerbrachen die Stabilitätspakte. Amerika änderte seine Politik. Um sein Einflussgebiet in Afrika gegen die alten Kolonialmächte auszudehnen, drängte die USA auf die Einführung von Demokratie und Marktwirtschaft. Ein wichtiger Hebel war die Weltbank, die mit Sperrung aller Kredite drohte, wenn ein Land nicht spurte. Die volltönenden Worte von Freiheit, Gleichheit, Menschenrechten verwischten ökonomische Interessen. Im Zeichen der Globalisierung begannen internationale Konsortien einen hemmungslosen Kampf um Einflusszonen. Und da es viele Interessenten gibt, gibt es auch viele Konflikte. In Afrika werden diese Interessen noch immer auch mit Brutalität durchgesetzt.

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Joachim 11/11/2010 11:57



Die belgische Königsfamilie sollte heute noch für das zugefügte Leid dem Land Entschädigung zahlen. Der Kolinialismus war in Afrika wohl am brutalsten. Und heute wird der Kontinent durch
Ausplünderung und Raubbau in neokolonialistischer Manier weiterhin in Unterentwicklung und chaos gehalten. Eine Schande für die Industrieländer!


LG Joachim



R.Einloft 11/18/2010 12:09



Tja, Schande ist nur leider eine moralische Kategorie und die interessiert zumeist nicht, wenn Profite winken. Ich will nicht alle in denselben Topf werfen, es gab und gibt auch anständige
Unternehmer. Die aber sind Ausnahmen.


Mein ich auch, die königlichen Belgier sollte mal was zurück zahlen. Da aber können wir lange warten


Gruß und danke RE