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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(65)TAN September 2003: Bagamoyo und die Kolonialmächte III

12. November 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

 

Nicht alle Konflikte in Afrika haben ökonomische Hintergründe. Die Massaker in Ruanda und der Bürgerkrieg in Burundi sind ein Beispiel dafür. Die Jahrhundertalte Dominanz des Herrenvolkes der Tutsi war die Ursache. Unverständlich bleibt die bestialischen Reaktion der Hutu-Mehrheit trotzdem. Aber genau diese alten Stammesfehden werden überall genutzt und geschürt, um Gebiete mit Rohstoffvorkommen in die Hand zu bekommen. Die alte koloniale Mentalität hatte, wenn auch in bescheidenem Maße, noch Verantwortung gegenüber den Afrikanern gezeigt und soziale Errungenschaften eingeführt. Sogar in den Zeiten des Kalten Krieges gab es dieses Blockdenken und manchen Versuch, moderne, humane Lebensformen zu propagieren. Aber jetzt dominieren hemmungslosen Profitinteressen, um mit einem Minimum an Kapitaleinsatz ein Maximum an Diamanten, Coltan, Erdöl, Kupfer, Gold, Uranium, Kobalt zu fördern. Der unermessliche Reichtum Afrikas ist zum Fluch geworden.

Warum aber erleben wir in den letzten Jahren diese neue Form der intensiven und aggressiven Ausbeutung? Dahinter steckt die „Amerikanische Krankheit“ wie Afrikaner sagen, die von Amerika ausgehende „Globalisierung“ mit ihrer neoliberalen Wirtschaftspolitik. „Globalisierung“ meint dabei, dass die eigenen Produkte überall auf der Welt verkauft werden dürfen und Rohstoffe zur freien Verfügung stehen. Gepfeffert wird das Ganze durch die Philosophie, es gehe allen Menschen am besten, wenn jeder Geschäfte machen dürfe wie er wolle. Das hatten wir schon mal im Frühkapitalismus und wurde abgeschafft, weil das Prinzip so unmenschlich war. Lässt man nämlich die Menschen ungehindert agieren, wird die Kapitalmaximierung, das Lechzen nach immer mehr,  egal wie, zum obersten Gebot und der Mensch, die Menschlichkeit verliert.

Eingesetzt hat die neue, krude Phase der Ausbeutung Afrikas Mitte der 90er Jahre. Sie hat Teile des Kontinents in einen vorkolonialen Zustand zurückversetzt. Der unermessliche Reichtum gerade des Kongo aber auch von Angola, Nigeria, des Sudan, von Sierra Leone, Liberia, Guinea und dem Senegal (hab ich ein Land vergessen?) zieht die Geschäftemacher wie Schmeißfliegen an. Im Kampf um Ausbeutungsrechte von Öl, Diamanten, Gold, Kupfer, Uran, Kobalt, Coltan und tropischen Edelhölzern sind alle Mittel recht. Bestechung ist da noch das humanste. Nach einem Zeitungsbericht sind über 2,5 Mio. Menschen seit 1998 allein im Krieg um den Kongo umgekommen, genauso viel wurden entwurzelt, vertrieben, schikaniert. 7 Staaten lassen dort schießen, unterstützen Rebellenbewegungen, Söldnerheere, Kindersoldaten und Privatarmeen. Und dazwischen wüten grausame tribalistische Milizen, die sich mit magischem Wasser besprengen, damit sie unverwundbar werden. Massaker und Gegenmassaker wechseln sich ab. Und dahinter organisieren die Herren in Nadelstreifen den Verteilungskampf, die Waffenhändler, Börsenspekulanten, Finanzjongleure und Rohstoffmagnaten. Das wild gewordene Kapital dominiert, hetzt die Leute aufeinander, lässt sie sich umbringen nur um noch bessere Geschäfte zu machen. Und wenn dann die entmenschlichten Horden unabhängig werden, auf eigene Rechnung in Politik und Diamantenhandel eingreifen, dann wird die UNO angerufen. Die Geister die ich rief.....

Der belgische König Leopold hatte es vorexerziert. Derjenige, der Hände abhacken ließ wenn nicht genügend Kautschuk geerntet wurde. Aus dem Baumharz wurde damals Gummi erzeugt. Die weltweite Nachfrage explodierte, nachdem Dunlop 1887 den Pneu erfunden hatte. Und das Tropenimperium von Leopold warf märchenhafte Profite ab. Aber 10 Millionen „Eingeborene“ mussten dafür ihr Leben lassen. Wie viele werden es heuer werden? Damit wir weiterhin in Ruhe unseren Wohlstand genießen können? Ach je.

 

Tunduru-ReinholdIch erzähle und erzähle über dieses Afrika, das in Hass und Gewalt und Geschäftemacherei unterzugehen droht. Dabei ist mein Eindruck ein völlig anderer. Dieses Land Tansania ist ein Hort des Friedens mit freundlichen, aufgeschlossenen Menschen die lachen, wenn man sie anspricht. Und glücklich strahlen, wenn M sie auf Kisuaheli grüßt. Menschen, die es lieben auf Safari zu gehen. Nein, nicht in die Nationalparks. Abgesehen davon, dass sie viel zu teuer für Einheimische sind, ist es ja auch gefährlich. All die wilden Tiere dort! Nein, Safari ist: Freunde besuchen, andere Menschen treffen, die große Familie in entfernten Orten aufsuchen, mit Kollegen palavern, Informationen austauschen. Fliegt man niedrig über die Savanne, sieht man sie, die Fußpfade, die wie Ameisenwege kreuz und quer verlaufen bis an den Horizont.

Schon nach der kurzen Zeit, die ich hier bin, liebe ich diese afrikanischen Menschen und ihre würdevolle Art.

 

PS: Um Kampf um Rohstoffe und Absatzmärkte in Afrika mischt zunehmend China mit. Sie haben eine andere Methode. Strikt halten sie sich an die Nicht-Einmischung in innere politische Angelegenheiten. Egal, ob es demokratische oder diktatorische Länder sind, Geschäft ist Geschäft. Afrikaner scheinen das zu mögen.

 

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