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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(67) TAN 2004: Am Südstrand

24. November 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Southbeach R mit KamelEin wunderschöner Tag am Südstrand von Dar es Salaam

Wie eine reife Mohnfrucht die in der heißen Sonne platzt und ihre Kerne ausstreut so hat dieser Tag seine Geschichten auf mir ausgegossen. Wir waren am Südstrand. Morgens um 1/2 5.00 fingen die Muezzine an. Rund um uns herum, jeder mit einem anderen Sprechgesang, ermunterten sie die Gläubigen aufzustehen und zu beten. "Gott ist groß" riefen sie wie überall auf der islamischen Welt morgens um 1/2 5.00. Dass Beten besser ist als Schlafen, dem würden Christen auch zustimmen, aber deswegen stehen nur die Mönche und Nonnen in aller Herrgottsfrühe auf. Ich bin wieder eingeschlafen und hab die eifrigen Muslime bewundert.

Kurz vor dem Morgengrauen um 6.00 Uhr fingen die Vögel an mit einem Konzert so wundervoll, so kraftvoll, so melodisch, fast wäre ich aufgestanden um ihnen meine Verehrung kund zu tun. Dann allerdings mischten die Krähen mit, meinten, ebenfalls den neuen Tag begrüßen zu müssen. Es klingt wie mit einem Stein über ein Blechdach gerieben. Man muss Krähen sehr lieben um ihre Töne als Lobpreis Gottes zu identifizieren. Unten im Gras wieselten Mungos, kleine Tiere die in der Körperform Eichhörnchen oder Wieseln ähneln. Nur sind sie einiges größer. Sie sollen Schlangen vernichten. Nur zu Freunde, wir wollen nachher durch das Gras zum Strand. Immer wieder bin ich weggedämmert aber irgendwann musste der schöne Morgenschlaf unterbrochen werden. Wir haben keine Schlangen gesehen auf dem Weg zum Frühstück und zum Strand.

Southbeach FrühstückFreudige Gesichter allüberall, wir werden begrüßt und freuen uns mit. Am Strand unter einem der Schutzdächer bringen sie einen Tisch und Stühle und da trinken wir unseren Kaffee und kriegen den Obstsalat serviert. Mangos, Ananas, Papaya, kleine Bananen, köstlich tropische Früchte frisch vom Baum. Die Palmdächer stehen auf niedrigen Pfosten, vorne und hinten ist das große Dach offen und an den Seiten kann der Wind auch rein. Davon stehen 2 Dutzend am Strand aufgereiht und der Blick reicht gegenüber über das Wasser und das Riff, auf die Inseln mit den weißen Stränden, die in der Ferne blenden. Im Norden ahnt man Dar es Salaam, Dhaus segeln vor dem Riff vorbei, dort  fischen Männer in Einbäumen.

Southbeach 2Ich gehe den Strand entlang. Riesen Quallen sind angetrieben. Sie sehen aus wie Weltraumstationen mit dem Rad außen und der Zentrale im Inneren. Andere haben die Form von Pilzköpfen und lange Tentakeln hinter sich. Sind sie tot? Junge Männer kommen mir entgegen, sie grüßen, Nonnen grüße ich herzlich, Hamjambo, Hatujambo kommt es zurück, Habari za leo, Nzuri, nzuri, wie gehts, ganz gut lachen sie. Ich höre sie noch lange Zeit kichern. Diese Mzungus. Ein Kranich steht im Wasser auf einem Bein reglos, er schaut mit schiefem Kopf auf das Meer. Eine Frau sitzt im Wasser, hat ein Netz ausgespannt, wartet, dass die ablaufende Ebbe das Mittagessen bringt. Der Sand wird feucht und tief, ich sinke ein bei jedem Schritt, erinnere mich an frischen Schnee. Dies hier ist angenehmer weil wohliger. Beim Zurücklaufen sehe ich meine eigenen Spuren wieder, fühle mich als Robinson, der die Fußstapfen von Freitag entdeckt. Blödsinn, einen Km weiter sind Menschen. Die Sonne sticht, Wolken dicht und geballt ziehen auf.  M. hat sich unter das Palmblätterdach verzogen. Sie ist zum Anbeißen braun, liest, löst Rätsel, schaut. Was sie alles sieht!

Sonntag. Wir fahren zurück. Kilometer vor derSouthbeach Fähre

Fähre staut sich der Verkehr. Anscheinend ist wieder eines der beiden klapprigen Schiffe kaputt. Oder beide? M. schlägt vor den Umweg über die südliche Einfahrt nach Dar es Salaam zu nehmen. Sie ist die Strecke schon mal gefahren. Wollte ich schon immer mal kennen lernen. Umgedreht und zurück. Und dann fährt M nach Süden, nach Süden, nach Süden, der Kompass wechselt die Richtung nicht mehr. Mir wird es mulmig. M sagt, gell du traust mir nicht. Ich stottere und versuche zu vertrauen. Aber jetzt fahren wir schon eine halbe Stunde nach Süden, Dar es Salaam aber liegt im Norden. Dann ist der Weg gesperrt. Sie haben Palmen ausgegraben, die sind über die Fahrbahn gefallen. Das Zersägen mit der Hand dauert seine Zeit. Wir müssen seitwärts in die Büsche, wie gut dass wir ein geländegängiges Fahrzeug haben. Hinter der Barriere kommen wir wieder raus. Und wo geht’s hin? M beharrt, gleich müsse der Ort und die Zufahrt auf die Strasse Kilwa - Dar es Salaam kommen. Ach so, auf der Strecke sind wir. Bald in Moçambique.

Und dann ist die Abfahrt da und M. biegt ein und oh Wunder zeigt der Kompass wieder nach N. Wir sind am südlichsten Ausläufer der Stadt gelandet. Am Outskirt, dem Rocksaum. Hier sieht man, Dar-es-Salaam---5.jpgwarum in Dar es Salaam 3 Mio. Menschen wohnen. Es wieselt und wimmelt. Die Straße ist halbgut und voller Dalla Dallas, den Minibussen. Gerammelt voll. Sie schieben und drängeln und queren und halten und zwischendrin wir. M fährt einem kleinen roten Van hinterher, der scheint sich auszukennen, schlängelt sich zwischen den Dalladallas durch, jeden Millimeter nutzend. M auch, ich halte die Luft an. Eine Polizeistreife. Sie wollen den kleinen roten Van anhalten und winken, hier rein. Der aber fährt stur weiter und weiter und M sagt, das macht sie auch immer so. Sie schaut gar nicht hin was die tun. Es ist unglaublich, wie viele Menschen in die kleinen Busse ein- und aussteigen, in den kleinen Läden am Rande einkaufen, reden, schauen, sitzen. Wir sind in Afrika. Jetzt kommen mehr Privatwagen dazu. Wir nähern uns dem Zentrum.

Und dann steht die Schlange, bewegt sich in kleinen Schüben, steht. Wir schauen den Menschen zu. Irgendwann sind wir in der Hafengegend angekommen. Hier kenne ich mich aus, fahr links, rechts, Shamte war mit mir hier. Und prompt stehen wir wieder. Diesmal im indischen Zentrum. Eine völlig andere Welt. Hier herrscht Betriebsamkeit und Geschäftigkeit. M meint, sie erkenne eine Straße, wir sollten links hoch fahren. Ich sage geradeaus. Und hab mich verfranzt. Wir kommen ungefähr da raus wo wir ins Gewühl rein sind, haben maximal 500 m gewonnen. Aber jetzt wissen wir wenigstens wo wir sind. Da, wo wir von der Fähre runter gekommen wären. Wir haben statt der normalen 30 Minuten volle 3 Stunden gebraucht. Aber Afrika pur gesehen! Das, meinen wir, müsse gefeiert werden trotz Obsttag. Wir trinken Sekt auf unserem Balkon und schauen den Krähen zu. Pünktlich um 18.30 fangen sie an in Schwärmen, die den Himmel verdunkeln, nach Hause in Richtung Stadt zu fliegen. Auf welchem Baum auch immer ihr zu Hause ist. Und in der Gegenrichtung kommen die ersten Fledermäuse, huschen am roten Abendhimmel vorbei. Wir beschließen, ein neues japanischen Restaurant zu erproben. Roher Fisch ist auch wie rohes Obst. Und wieder finden wir nicht was wir suchen. Die Straße gibt es, aber kein Restaurant ist zu sehen. Nach einer großen Runde sind wir wieder am Ausgangspunkt. M fragt 2 Männer, sie zeigen auf das dunkle Haus hinter uns. Wir stehen vor dem Restaurant, aber es hat zu. Im Vorbeifahren finden wir einen Chinesen. Und kriegen ein herrliches Essen. Und sind froh und glücklich. Voll der Tag, was?

 

 

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Joachim 11/25/2010 17:08



Da zieht es einen in den Süden, wenn man diese schönen Fotos sieht. Und die herrlichen, sonnengereiften Früchte!!


LG Joachim



R.Einloft 11/26/2010 12:56



Ach ja, es waren wunderbare Erlebnisse dabei. Möchte sie nicht missen. Afrika kann schön sein


Gruß und schönes Wochenende


RE