Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(69) TANSANIA 2004: Geburtstag, Tanga, Pangani

2. Dezember 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

23.3.2004 (M) Wir haben ein so intensives, interessantes und schönes Wochenende hinter uns, dass wir noch lange davon zehren können.

Kipepeo-Geburtstag---01.jpgEs fing an mit R´s 60. Geburtstag. Da Goran schon ein paar Geschenke aus Deutschland mitgebracht hatte, sah der Gabentisch nicht so ärmlich aus wie sonst, wenn nur ich da bin!  30 Gäste hatte ich erwartet, es kamen mehr (ein Professor brachte Weib und Kind mit, eine Dame, die auf Dienstreise in Nairobi war, kam direkt vom Flughafen zu uns...). Da ich wie immer viel zu viel gekocht hatte, reichte es für alle und auch noch für die Familien von Shamte und Mama Hamisi. Die Leute waren begeistert von unserem Balkon, der Wohnung und dem Essen sowie den Caipirinhas. Hier kann man mit mexikanischem Essen und Mixgetränken noch einen Mordseindruck schinden. Die Deutschen sind schon so lange aus Deutschland weg, und die Tansanier kennen es sowieso nicht. Goran stand an der Bar und sorgte fachmännisch und gekonnt für Nachschub und die Erfüllung jeglicher flüssiger Wünsche. R war glücklich zu sehen, wie sehr er respektiert und gemocht wird, und ich sonnte mich in seinem Ruhm.

Nachts, als alles vorbei war, saßen wir noch lange auf dem Balkon, hörten den tropischen Geräuschen zu und ließen uns von einer sanften Brise streicheln. Und das Schöne war, dass am nächsten Morgen Mama Hamisi zum Aufräumen und Spülen kam und wir gleich zu unserer Safari aufbrechen konnten.

Tanga-Remandhome.jpgWir reisten zu fünft, R´s Kollege aus der Zentrale war dabei, Shamte fuhr. Die erste Station war Tanga und das dortige Remand Home. Ich bin im Vorstand unserer Gruppe für die Kontakte mit diesem Heim zuständig. Wir wurden freundlich empfangen.

Das Untersuchungsgefängnis für Jugendliche - hier eher Aufbewahrungsanstalt - ist kleiner als in D’Salaam, hat aber einen großen Garten, in dem die Insassen arbeiten müssen. Sie haben in ihrem Schlafraum keine Moskitonetze, und die sanitären Anlagen sind so, dass es einem vergeht! Die Leute, die sich um die Kinder kümmern, sind sehr engagiert. Auf meine Frage, warum das Mädchen, das jetzt entlassen wurde, im Gefängnis war, erklärte man mir, sie habe schlechte Ausdrücke gebraucht und Leute beschimpft! Und die Jungen sind da, weil sie rumgegammelt haben oder wegen kleinerer Diebstähle. Ich glaube, bei diesen Methoden wären die Jugendgefängnisse in Deutschland ziemlich überfüllt! Die Kinder machen Handarbeiten, und anstatt mir etwas zu verkaufen, bekam ich die Sachen geschenkt und wir wurden alle zu einem kleinen Umtrunk eingeladen. Die armen Leute kommen so nie zu etwas, wenn sie immer noch das Wenige, das sie haben verschenken!

Dann ging es weiter über eine Piste, die nur bei Trockenheit zu befahren ist etwa eine Stunde bis nach Pangani, einem kleinen Ort, in dem die Deutschen Kolonialherren einen Hafen hatten. In der Nähe, gleich da, wo man denkt, jetzt kann es aber wirklich nicht mehr weiter gehen, ist eine Pangani NachtzauberStrandhotel an einer schönen Bucht mit Sand und Palmen und luftigen Hütten. Das Wasser war badewannenwarm und die Wellen so sanft, dass man entspannt schwimmen oder auf dem Wasser liegen konnte. Nach der über sechsstündigen Fahrt ein Genuss. R&M PanganiDas Essen war sehr gut und am nächsten Morgen kam der Manager und bot uns eine Schnorcheltour am vorgelagerten Riff an. Wir sagten natürlich sofort zu und es war das Schönste, was ich beim Tauchen je erlebt habe. Wir haben ja auf Galapagos und in der Karibik schon wunderbare Schnorchel- und Taucherlebnisse gehabt, aber so was gab’s noch nie. Man lag im warmen flachen Wasser, wurde leicht geschaukelt von sanften Wellen, unter sich weißer Sand und vielfältige Korallenriffs mit den seltsamsten und buntesten Fischen, die man sich vorstellen kann: lila mit rosa, türkis-, grün- und blau gemustert, schwarz mit gelben und roten Rändern und einer, der sah aus als bestünde er nur aus dicken gepunkteten Gräten! Und dazu war es das erste Mal, dass ich überhaupt keine Angst vor Haien hatte. Und das Wasser um die Insel herum, von dunkelblau über türkis zu hellgrün. Auf der Rückfahrt spielten ein paar Delfine um unser Boot. Der Bootsführer, ein junger Mann, ca. 28 Jahre alt, sah so gut aus, dass man seinen Augen kaum glauben konnte. Das sagte ich dann zu R, und auch, dass jetzt unsere Nichte Mirjam hier sein müsste, die würde den Mund nicht mehr zu kriegen vor so viel exotischer, animalischer Schönheit. Ein Fischer aus einem Dorf bei Tanga kann mit Mühe drei Wörter Englisch, dachte ich und ansonsten nur Kiswahili. Dieser aber sprach perfekt Englisch und später noch perfekter Deutsch! Sein Vater war Schweizer! Okay, jetzt weiß er, wie er auf Frauen wirkt, wenn er es vorher nicht schon gewusst hat! Er hatte eine Angel rausgehängt, und plötzlich biss etwas an. R durfte die Riesenmakrele (1 m lang) rausholen. Insgesamt ein traumhafter Tag, der abends mit einem fruchtigen Mango-Daiquiri und gutem Abendessen ausklang.

Leider mussten wir dieses Paradies am nächsten Tag wieder verlassen, aber wir kommen sicher wieder.

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post