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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(69) TAN 2004: Regenzeit, Tanzen

28. November 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Tropenregen Kipepeo - 1  8.1.2004 (M) Wenn ich an unseren Weihnachtsurlaub in Deutschland denke, fallen mir lauter schöne Sachen ein. Schön, Familie und Freunde wieder zu sehen. Der Flug über Dubai lang und stressig, beim Anflug Dar es Salaam ein Unwetter, kurz vor der Landung durchstarten, der 2. Versuch gelingt, das Unwetter ist weiter gezogen Wir verkraften einen Temperaturunterschied von 40 Grad  (-8 in D +32 D´Salaam).

Tropenregen Kipepeo - 58.2. (M) Seit einer Woche Regenzeit, manchmal sehr heftig den Tag lang. Meist kommt aber nach wenigen Stunden die Sonne wieder raus. Eine richtige Treibhausluft. Alles grünt. Unseren Fahrradreparateur und seinen Kiosk gegenüber kann man vom Balkon aus kaum noch sehen, so sehr sind die neu gepflanzten Oleander und Bäume vor unserem Haus in Höhe und Breite geschossen. Die Straßen sind an manchen Stellen kaum noch passierbar. Entweder steht das Wasser wie eine See und man weiß nicht, wie tief es ist, oder es sind solche Löcher ausgewaschen, dass die geländegängigsten Jeeps in beängstigende Schieflage geraten.

 

(R) Es wird immer wärmer. Nicht auf dem Thermometer, das bleibt bei 30 Grad im Haus. Aber die gefühlte Temperatur, die steigt. Oder steigt die Nachttemperatur? Was auch immer, rinnen tut der Schweiß.

Sie sind zu einer Plage geworden, die Fliegen. Ganze Heerscharen tauchen auf. Besonders Essen lieben sie, auch Essensreste. Afrikanische Fliegen sind penetrant und blitzschnell. Sie lassen sich nicht durch Handwedeln vertreiben und setzen sich mit böswilliger Regelmäßigkeit immer wieder auf dieselbe Stelle. Zum Beispiel ins Nasenloch und ans Auge.

(M) Wir waren an meinem Geburtstag und gestern Abend mit Freunden zum Essen und danach tanzen. Natürlich immer unter freiem Himmel und immer noch schweißtreibend genug. Das Tanzlokal ist nicht schön aber faszinierend: von außen hat es mehr den Charakter einer großen Garage, der Boden ist halb aus gestampftem Lehm, halb aus rohen Holzbrettern, es stehen ein paar einfachste Holztische und –bänke herum und zwei Bars. Die Band ist ziemlich schlecht – man erkennt kaum, was es sein soll, was sie da spielen. Immerhin: etwa eine Stunde lang spielen sie nur südamerikanische Rhythmen. Die Leute: sehr viele sehr junge schwarze Gazellen in sexy Klamotten und  weiße, indische oder japanische Männer, ein paar schwarze auch. Die Weißen meist ältere Kaliber, viele dick, unattraktiv, besoffen und geil. Mit kurzen Hosen, aus denen die nass geschwitzten Hemden raushängen tanzen sie unbeholfen herum und müssen sich an den Mädchen festhalten, damit sie nicht umfallen. Ja, ja, die weiße Herrenrasse!  Die armen Mädchen müssen so einiges aushalten für ihr Geld! Es gibt auch schwarze und weiße Paare, die einfach nur tanzen wollen, und da die Auswahl an Tanzlokalen in Dar es Salaam sehr beschränkt ist, geht man eben hin.

  (R) 10.2. Wieder tanzen, diesmal in der Police Officer’s Mess. Keine weißen Übermenschen auf der Suche nach schwarzem Frischfleisch – nur Tansanier und wir. Die haben beim Tanzen eine eigene umweltfreundliche Ökonomie entwickelt: sie bewegen ihre Massen rollend rhythmisch aber energiesparend-träge. Lange nachdem die Musik begonnen hat bequemen sie sich auf die Tanzfläche, gehen wieder, wenn sie genug haben und hinter ihnen tröpfelt die Musik aus. Wir tanzen viel zu hektisch und schweißtreibend, aber es macht Spaß.

Warum es den Schnaps in kleinen Plastikbeuteln gibt, haben wir auch erfahren: die Muslime stecken sich die Tüte in den Ärmel ihrer weit geschnittenen Hemden, bestellen einen der warmen Softdrinks und gießen den Schnaps unauffällig dazu! Vielleicht ist das dann ja in ihren Augen kein Alkohol!?

 

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Katharina vom Tanneneck 12/03/2010 01:14



Es ist schon sehr lange her als ich in Afrika war und es sollten nur Urlaubsreisen sein. Wir haben aber freundliche Einheimische Afrikaner kennen gelernt und mochten sie. Mich hat die Lebensweise
beeindruckt und die Menschen. Sie hatten nicht viel und waren trotzdem glücklich. Das Land kann man eigentlich nicht beschreiben, man muß es gesehen haben. Als ich wieder in Deutschland war, kam
mir alles sehr steril vor. Ich war leider nur im Norden von Afrika und beneide Dich um Deine schönen Erfahrungen. Na ja, manches mag auch nicht so schön gewesen sein aber ich empfand Afrika
blumiger und farbiger als unseren schnöden Alltag hier in Deutschland. 


Viele Grüße, Katharina



R.Einloft 12/03/2010 13:18



Du beschreibst es schön, wie Afrika einen packen kann. Ich bin noch immer dabei (und werde es wohl bleiben), heraus zu kriegen, was die Menschen anders sein lässt. Vielleicht ist da was dran,
wenn man viel hat hat man viel Sorgen es zu verlieren. Viel von unseren Sorgen haben Afrikaner nicht. Es ist natürlich mehr, was sie in sich ruhen lässt. Ihr Bewußtein, in einem Kreislauf mit den
Ahnen zu stehen, ihre - zumindest in ländlichen Gegenden noch immer vorhandene  Verbindung mit der Natur. Und ihre Würde. Ich schreibe darüber.


Danke für deine Antwort. Es ist gut, nicht alleine solche Eindrücke zu haben.


Ein schönes Wochenende wünsche ich


Bestens RE



Katharina vom Tanneneck 12/01/2010 02:15



Ein realistischer Bericht! Er spricht mir aus dem Herzen! Genauso habe ich es empfunden in Afrika.


Fette und überhebliche weiße Herrenmenschen!


Das mit dem Schnaps für Muslime ... sie meinen wenn Allah es nicht sieht, ist es in Ordnung. So hat man es mir zumindest mitgeteilt.


Gruß, Katharina 



R.Einloft 12/02/2010 12:06



:) Ja, dazu sind sie in der Lage, Allah nicht hinschauen zu lassen. Doch eine nette Eigenschaft, oder? Wann und wo warst du in Afrika? Die Kolonialzeit ist offenbar noch nicht zu Ende


Bestens RE