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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(69) TAN 2004: von Kisuaheli, Verhaltensregeln, Löwen und Elefanten

30. November 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Eine Stunde pauke ich Englisch und Kiswaheli ziemlich jeden Tag. Montag und Donnerstag Swaheli-Kurs im Büro. Einfach sei die Sprache, sagt der Lehrer. Ich kann jetzt schon „Mimi ninakunywa“ -Ich trinke, oder tunakunywa - wir trinken. In der Verneinung wird aus tu ein hatu, das na entfällt, das ku ebenso und aus der Endsilbe a wird i. Jetzt heißt es hatunywi  - wir haben nicht trinken. Kiswahili hört sich wie folgt an: Kaka yako anaitwa nani? (Bruder dein heißt wer?) Die Antwort ist „Klaus“. Wenn man nach dem Namen der Schwester fragt, hört sich das etwas besser an: Dada yako ........? Mein Kopp = zu klein, die Erfolge so unheimlich langsam. Manchmal frustrierend. Watoto wadogo wawili wanalia. Zwei kleine Kinder weinen. Ein großes auch.

Der Zettel mit Verhaltensregeln im Kiswahili-Kurs sagt: bei der Begrüßung nicht umarmen. Wir müssen unseren Latino-Abrazo aufgeben. Langes Händchenhalten unter Gleichgeschlechtlichen allerdings ist üblich. Der Gewerkschaftsführer ließ bei meinem Antrittsbesuch nach dem Händeschütteln meine Hand nicht mehr los, zog mich Händchen haltend durch sein Reich und stellte mich vor. Und: Mit dem Zeigefinger auf jemanden deuten, ist entwürdigend, und Würde ist für Afrikaner wichtig.

TAN Turban HochzeitEr sitzt auf der Terrasse beim Italiener neben uns, zwei Frauen dabei, die mit Turban scheint seine Ehefrau, die andere kann deren Schwester oder die Zweitfrau sein. Seine Haltung ist aufrecht, beide Beine fest auf  dem Boden, das Gesicht ernst, die Brille funkelt. Zu den Frauen hält er Abstand, sie reden miteinander. Er strahlt Bewusstsein seines Ranges aus, welchen immer er auch haben mag. Ein Europäer nähert sich, kennt ihn offenbar, redet mit gebeugtem Oberkörper und zeigt auf ihn mit dem Finger, irgendetwas betonend. Da hatte er verloren. Unser Afrikaner setzt würdevoll sein Essen fort, ohne dem Weißen einen weiteren Blick zu gönnen bis der aufgibt und sich verzieht.

Noch eine Verhaltensregel: nie an der Ware riechen, nur betasten!


9.3. Goran, der Jüngste, ist zu Besuch. Er sitzt auf dem Balkon und genießt, möchte nicht weg, hier ist es schön, sagt er. Ein paar Tiere muss er sehen, wozu sonst Afrika? Im Mikumi-Park war es wieder anders als beim letzten Mal, alles grün und üppig nach der Regenzeit. Schon von der Straße aus sehen wir eine Herde von 20 Elefanten und jede Menge Paviane. Der Park ist wie ein Paradies: Marabus neben Impalas, Zebras und Giraffen, die Tiere diesmal nicht scheu. Wir fahren an einer Gruppe Elefanten vorbei, schaut mal da, sagt der Guide, TAN Mikumi2 - 20auf einem Baum liegt eine müde Löwin, lässt Beine und Kopf baumeln, riskiert mal kurz ein Auge auf uns, döst weiter. Plötzlich wird es eng. Von vorne kommt uns eine größere TAN Mikumi - 5Elefantenfamilie in Wegesbreite entgegen, die Ränder ordentlich abgrasend. Goran am Steuer wird nervös, sucht den Rückwärtsgang, findet ihn nicht, im Jeep liegt er anders. Der Guide flüstert, bleib stehen, wenn sie kleine Elefanten dabei haben, können sie aggressiv reagieren. Wir warten, überlegen schweigend, jeder für sich, was tun, wenn....Hinter uns die anderen Elefanten, neben uns die Löwin und vor uns erst recht kein Durchkommen. Der Guide beugt sich aus dem Fenster, klatscht in die Hände, weist Goran an: lass den Motor ein paar Mal aufheulen – aber vorsichtig! - und nach einigen Minuten stört sie der Lärm wohl doch, sie machen widerwillig Platz. Langsam, ganz langsam fahren wir vorbei. 

 

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