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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(70) TANSANIA 2004 Hoher Besuch von Präsident Rau

7. Dezember 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

 

Besuch RauEs war schwer, an Rau ran zu kommen. Nachmittags hatte ich ihn getroffen, da musste ich ihm und seiner Delegation die Entwicklungspolitik aller Stiftungen in Tansania vortragen.  Rau kam, hörte sich alles an, fragte, stellte sich auf zum Gruppenbild mit Dame (meine Kollegin Eva von der Friedrich-Naumann-Stiftung) und anschließend verschwand er. Am Abend beim Empfang kam er spät, hielt eine volkstümliche Rede, lobte Tansania und die freundlichen Menschen, versprach als Privatmann wieder zu kommen und verzog sich in eine Ecke, Protokoll und Leibwächter standen im Halbkreis davor. Ausgewählte Gäste wurden ihm einzeln zu geleitet. Nur zehn Leute wollte er sehen, er war krank und müde. Irgendwann bin ich einfach hin gegangen, habe ihm die Hand gegeben und ihm gesagt, ich hätte meiner Mutter versprochen zu fragen, ob er Hommertshausen kennt. Er überlegte kurz, dann sagte er „nein, wie heißt das?“ Aber Niedereisenhausen kenne er doch? „Ja, und Wallau und Breitenstein“, erst letztes Jahr sei er da gewesen um Freundschaften, die seit  Kindheitstagen bestehen, aufzufrischen. Hommertshausen, Mutters und meine Heimat, kläre ich ihn auf, liegt etwa 3 km südlich davon. „Dann grüßen Sie mal besonders Ihre Mutter!“ sagte er. Später hörte ich, dass es niemandem sonst gelungen sei, einfach zu ihm zu gehen. Es musste ja auch niemand fragen, ob er Hommertshausen kennt!

 

Beim Rudelstehen (auch Empfang genannt) stand hinter uns eine Frau, die war vor zehn Jahren ungemein attraktiv. Jetzt war sie noch ungemein. M. war der Meinung, ich hätte mich zu lang mit ihr unterhalten und fragte, „wer war die Schreckschraube?“ Drehte sich um und sah ihr direkt ins Gesicht.

 

(M) Alles ist wunderbar gelaufen: Reinhold hat die Vorstellung bravourös gemeistert und hat zudem alle zum Lachen gebracht. Bevor wir abends aufbrachen, gab es noch eine ziemliche Aufregung, weil seine Hose zum schwarzen Anzug grün verschimmelt war und stank. Er hatte aber noch eine andere schwarze, und in dem Gewühle fiel das gar nicht auf. Bei dem Empfang kam der Afrika-Beauftragte der Bundesregierung auf ihn zu und gratulierte ihm. Ist doch schön, wenn man so was hinter sich hat und es ist auch noch gut gelaufen!

 

Frau Rau war in dem Kinderheim für Straßenkinder, wo sie die vielen Tiere haben. Und dort hat man ihr zum Abschied eine kleine Ziege geschenkt. Sie würde sich sehr freuen, hat die Frau des Präsidenten gesagt. Doch Abends ist die Frau des Botschafters rumgelaufen und hat jeden gefragt, ob er einen großen Garten und Freude an einer Ziege hat. Und meine Freundin, die hatte! Ihr Mann wollte schon immer einen kostenlosen Rasenmäher.

 

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Katharina vom Tanneneck 12/09/2010 00:18



Ein gelungener Artikel! Ich habe da schon ein paar mal geschmunzelt und konnte es mir ganz gut vorstellen, wie es abgelaufen ist.


Rau war als Bundespräsident nicht der Schlechteste. In diesem Amt hat er vieles gut gemacht und vielleicht lag es auch an seiner Krankheit. Er hatte nichts mehr zu verlieren.


Die Ziege hätte ich auch genommen. Mein Partner wünscht sich schon lange so einen Rasenmäher ;-)



R.Einloft 12/09/2010 14:47



Danke für die Blumen. Rau war gut. Er hat in Tansania eine Rede vor wichtigen Leuten gehalten, die hatte es in sich. Da hat er verdeutlicht, dass es bisher der Norden war, der vom Süden
profitierte. So mutig habe ich das noch keinen Politiker aus unserer Gesellschaft öffentlich sagen hören. Auch menschlich war er sehr bürgernahe, konnte umgänglich sein. Als ich in traf, war er
schon sehr krank. Ein wichtiger Mensch für unser Land. Politiker heute können sich von ihm was abschauen.


:) Ziegen fressen aber auch Bäume und Stäucher an. Ansonsten eine gute Idee