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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(72) TANSANIA 2004 Südtour nach Tunduru (aus den Reisetagebücher von M&R)

16. Dezember 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Sudtour.jpgEr hatte mich eingeladen, mein neuer Freund Honourable Akukweti. Wenn du das Land kennen lernen willst, besuche mich in Tunduru. Da bin ich zu Hause und das ist mein Wahlkreis. Aber, setzte er nach kurzem Nachdenken hinzu, du kommst ja doch nicht. Niemand macht das. Die Reise dauert 3 Tage und die Gegend ist arm. Doch, ich komme und M auch, wir sind einiges gewöhnt. Tunduru lag auf der Karte ganz unten in Tansania, ein Pünktchen in der Mitte im Nirgendwo. Die Straße, warnte Shamte, ist nicht oft befahrbar. Im August, nach der Regenzeit, könnte es gehen. Wir müssen zuerst durch das ganze Land nach West-Südwest, parallel zur Eisenbahn nach Sambia, dann ganz nach Süden und zurück nach Westen, die Hälfte der Strecke. . 

15.08.04: Seit zwei Tagen unterwegs. Shamte fährt. Akukweti hatte sich gefreut. Wir sollen nicht nur seine Familie, auch seinen Wahlkreis kennen lernen. Wazungu, Weiße sind selten, er lässt sich gerne mit uns sehen. Uns ist es recht. So lernen wir eine Gegend kennen, die verloren wirkt, weit ab vom Schuss.

Kurz hinter Dar es Salaam ein Anruf von Adda im Büro, eine der beiden Praktikantinnen liegt in Mikumi im Krankenhaus, was Schlechtes gegessen. Adda will einen Dienstwagen schicken zum Abholen, ich fahre hin, liegt auf dem Weg. Rosi liegt völlig apathisch im Bett, die (holländische) Ärztin beruhigt, nur Bakterien, aber heftige. Übermorgen ist sie wieder okay und kann mit dem Bus zurück fahren.

o-Iringa---2.jpg

Gestern in Iringa übernachtet, ca. 2000 m hoch, die Landschaft erinnert an Ecuador bei Cuenca mit Eukalyptusbäume, Mais, Lehmhäuser, Trockenheit. Die Stadt ist in der Bausubstanz stark durch deutsche Einflüsse geprägt. Es gibt ein Denkmal für die Askaris, einheimische Soldaten der Kolonialmacht, die beim Maji-Maji-Aufstand auf Seiten der Deutschen gekämpft und ihr Leben verloren haben. Als wir es uns anschauten, kam ein Polizist und wollte uns verhaften! Wir hatten beim Fotografieren die Polizeistation mit drauf gekriegt und das war verboten. Er hat uns verhört und ich habe es in meiner Naivität gar nicht mitgekriegt und mich ganz freundschaftlich mit ihm unterhalten, bis er es aufgegeben und uns weg geschickt hat. Wahrscheinlich hat er gedacht, die ist sogar zum Verhaften zu dusselig! Ansonsten ist die Stadt fest in muslimischer Hand und man darf niemanden ablichten und wird schon angemacht, wenn man nur einen Apparat dabei hat. o-Iringa---8.jpgAn einer Straße, wo sie alte Autoreifen in Stücke und Streifen schneiden und dann zu Sandalen verarbeiten, mussten wir bezahlen, ehe wir ein Foto machen durften. Im Hotelrestaurant gab’s keinen Alkohol, Bier sollten wir uns auf der anderen Straßenseite im Kiosk kaufen! Zu Essen gab’s Hähnchen mit Soße und Maisbrei.

Die Fahrt nach Songea zur 2. Übernachtung, ging durch landschaftlich sehr überraschende Gegenden, Sudtour-1-nach-Tunduru-Teeplantage.jpgTeeplantagen, Kiefern- und Eukalyptuswälder und später dichter Nebel, weil wir durch eine dicke Wolkenwand in großer Höhe fuhren. Kalt war es.

Im Restaurant des Hotels das gewohnte Erlebnis: der Ober, Panik im Blick weil Wazungu  da sind, versteht vor lauter Angst nix, kommt immer wieder, weil es all’ das, was wir bestellen, nicht gibt (es steht aber auf der Karte!). Wir kriegen Hühnchen in Soße mit Maisbrei, anscheinend das Nationalgericht der Gegend. Er kriegt es nicht auf die Reihe, ein Glas Wasser und gleichzeitig die Rechnung zu bringen und guckt wie ein neu geborenes Baby. Shamte zeigt uns, wie sie essen. Hände waschen vorher und nachher, der Ober kommt mit Wasser und Handtuch an den Tisch. Er isst auch das Gemüse mit den Fingern. Erzählt, dass seine Frau Geflügel aufzieht. Kauft 30 junge Küken für 400 Tsh. das Stück und verkauft sie nach sechs Wochen für 1600 Tsh (1,20 €).

In einer kleinen Stadt unterwegs ein halbes Dutzend Kirchen gezählt: Pfingstgemeinde, Evangelen, Katholen, Adventisten....Der Streit um die Seelen muss hart sein.

Songea, nur noch 1000 m hoch, wieder wärmer. Auch hier gibt es ein deutsches Fort. Hauptmann Dieterich hat als erste Amtshandlung sein Maschinengewehr vorgeführt und sechs Häuptlinge niedergemäht. Songea, ein Kriegshäuptling, nach dem die Stadt benannt ist, entkam verwundet. Und, wen wundert’s, schloss sich als einer der Ersten dem Maji-Maji-Aufstand an. Es hat zwei Jahre gedauert, bis die Kolonialherren 1907 mit ihren überlegenen Waffen den Aufstand nieder geschlagen hatten. Alle Führer wurden umgebracht, auch Songea. Noch schlimmer und verheerender die anschließende Hungersnot. Denn die Felder waren verwüstet, Tiere abgeschlachtet, Häuser zerstört.

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