Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(72) TANSANIA 2004 Südtour nach Tunduru (aus den Reisetagebücher von M&R) II

18. Dezember 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

 

Honourable Akukweti hatte gebeten, den Regional -Commissioner zu besuchen. So genau wissen wir nicht, was wir da sollen, wahrscheinlich ein politischer Schachzug nach dem Motto: sieh her Kumpel, wer mich besucht. Unser Verwaltungschefs der Region (sie werden vom Präsidenten eingesetzt, lukrative Posten für Altgediente) ist ein (ex) Major General und heißt Said Said Kalemba. So wirkte er auch.

Wir waren überpünktlich, R. in Anzug, Weste und Krawatte, hatten es eilig, die Strecke vor uns war lang, ihr Zustand unsicher. Im Vorzimmer hieß man uns warten. Leute kamen, gingen zu ihm rein, es wurde gelacht, sie verschwanden wieder, andere gingen rein, es dauerte. R. gab dem Vorzimmerherrn seine Karte, erinnerte, wir wären angekündigt. Wir warteten weiter. Irgendwann legte R. seine Bücher und Informationen dem Vorzimmerherrn auf den Tisch, sagte, wir könnten jetzt nicht länger bleiben, wir hätten einen anderen Termin. Da wurde der unruhig, bat dringend noch ein klein wenig zu warten, es sei bestimmt gleich so weit. Nach anderthalb Stunden durften wir dann das Allerheiligste betreten – es war offensichtlich, dass der Chef sich gestört fühlte. Er schob R. das Gästebuch zum Unterschreiben hin, nahm die Bücher und erklärte in einem unverständlichen Englisch, dass er keine Zeit hätte, wir könnten ja beim nächsten Mal reden. Gott-sei-Dank, den konnten wir sowieso nicht verstehen! Draußen waren wir wieder! Wenn man so was vorher wüsste, könnte man sich das auch ersparen! Wir haben nie raus gekriegt, was Akukweti mit diesen Pflichttermin bezwecken wollte.

o-Iringa---26.jpg17.08.04 Piste nach Tunduru. Geradeaus gen Süden führt sie bis Malawi. Nur noch selten (alle Viertelstunde) Tanklaster mit Benzin und Bier- und Cola-LKWs. Hinter Songea knickt die Piste nach Osten ab, verläuft parallel zum Sambesi und der Grenze zu Mosambik 300 km nach Tunduru und noch mal so weit zum Meer.  Die „Straße“, zu Beginn noch recht breit und gerade geschoben, entwickelte sich immer mehr zu Sand- und Lehmpisten, wurde schmaler, einspurig von Querrillen der letzten Regenzeit durchbrochen und ausgewaschen, und an manchen Stellen konnte man sehen, dass schwere LKWs im Schlamm stecken geblieben und mit Baumstämmen wieder heraus gewuchtet worden waren.

Wie gut, dass es zur Zeit trocken ist! In der Regenzeit müssen sie den Verkehr total einstellen. Es war die schlimmste Straße, die wir je erlebt haben – allerdings Gott-sei-Dank nicht so gefährlich wie die in Bolivien, wo man auch noch seitlich 1000 m abstürzen konnte!

o Iringa - 50Die Fahrt im Schneckentempo durch die Dörfer vermittelt den Eindruck von Ruhe, Gelassenheit. Männer sitzen zusammen auf dem Boden, reden, schlagen die Zeit tot. Zwei liegen daneben auf einer Matte und schlafen.....Ab und zu sieht man sie auf dem Fahrrad Säcke, lange Bretter, Holzkohle transportieren. Der Verkehr zwischen den Dörfern findet bei den Männern mit dem Fahrrad statt, bei den Frauen zu Fuß (barfuss). Sie haben Babies auf den Rücken gebunden, manchmal noch ein kleines Kind an der Hand, weitere Kleine laufen hinter ihnen her, Südtour 1 nach Tunduru - 48Plastikpäckchen oder Wassereimer oder Feuerholz auf dem Kopf. In den Dörfern sieht man sie mit großen Mörsern Mais stampfen für Ugali und an den Wasserstellen stehen, quatschen und warten, bis sie dran sind, vor den Hütten sitzen, kochen, Wäsche waschen oder einfach nur auf die Kinder aufpassen und ausruhen. Es sieht nicht so aus, als würde richtig viel gearbeitet. Und wenn, dann laaangsam! Zur Zeit ist allerdings auch keine Pflanz- oder Erntezeit.

Schrecklich arm die Menschen. Einziger Sonnenschein sind die Frauen in ihren bunten Kleidern, ihr Lächeln und Singen.

Den ganzen Tag sind wir über Holperpiste gefahren mit manchmal metertiefe Löcher, lange Strecken nur im Kriechgang. Mein Kopf fühlt sich an als wollte er vom Hals fallen.

In Matemanga, 30 km vor Tunduru ist der Treffpunkt. Unsere Handys sind ausgefallen, so weit ins Niemandsland reicht das Netz nicht. Am Dorfausgang kommt A`s Fahrer mit seiner Frau hinter uns hergejagt, wir müssen zurück. Empfang mit Kapelle, Akukweti im Menschengewimmel. Besuch eines Entwicklungszentrums von „Deichmann“ (Schuhe). Auf einem großen Areal ein Krankenhaus, Sekundarschule und Ausbildungsstätten für Näherinnen, Zimmerleute und Schweißer. Über 300 junge Leute wohnen hier im Internat. Ein alter deutscher Telefonexperte begrüßt uns. Er baut Notrufverbindungen in die Dörfer und bildet zwei Jungen am riesigen mechanischen Schaltrelais aus. Der Mann ist glücklich, dass seine Kenntnisse gebraucht werden. Mittagessen gibt es in einem großen Saal. Wir thronen mitsamt der Leitung, unserem Freund und seiner Frau auf der Bühne, das "Fußvolk" sitzt unten. Es gibt - was hatten wir erwartet? - Hähnchen mit Soße und Maisbrei.

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post