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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(72) TANSANIA 2004 Südtour nach Tunduru (aus den Reisetagebücher von M&R) VI

3. Januar 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Mtwara Boma20.08. D’Salaam.  Wir sind gerade von unserer Reise durchs südliche Tansania zurück gekehrt, die letzte Etappe von Mtwara aus mit einem kleinen Flugzeug. Wir hatten Tickets, mussten aber trotz telefonischer Rückbestätigung früh da sein. Sie haben keine Computer, der Flughafen gleicht einem kleinen Busbahnhof, wo Tickets verkauft werden. Sind die Karten alle, ist das Flugzeug voll, wird gestartet, manchmal auch eine Stunde eher als auf dem Plan steht.

Die letzte Nacht in Mtwara haben wir in einem wunderbar restaurierten ehemaligen deutschen Fort verbracht. Die Zimmer im sansibarisch-arabischen Stil mit geschnitzten alten Möbeln und mit Blick auf eine traumhafte Bucht. Matwara-Boma-1.jpgDie Rufe des Muezzins verwehten nach Sonnenuntergang über dem Indischen Ozean, es klang so schön exotisch, doch ich musste daran denken, wie nah die Moschee stand und dass ich das Gejodel morgens um halb fünf überhaupt nicht exotisch finden würde.

 

Gestern früh sind wir gegen 9 Uhr gestartet. Wir besuchten noch eine Edelstein-Mine am Fluss. Der Minenbesitzer, ein sehr freundlicher Thailänder, zeigte uns, wie sie aus dem Kies  unter dem Sand im Flussbett Edelsteine heraus waschen. 2004-08-19 08-39-14Der Abschied war kurz, wir würden uns in Dar  es Salaam treffen. Sie fuhren zurück, wir weiter über schier unbefahrbare Sand-, Staub- und Lehmpisten nach Masasi. Die halbwegs asphaltierte Straße, die hier begann, aber schon wieder dem Verfall gewidmet ist, war eine Wohltat. In dieser Gegend lebt der Stamm der Makonde, wo anscheinend die Diskriminierung und Ausbeutung der Frauen nicht so extrem ist. Im Straßenbild macht sich das dadurch bemerkbar, dass man des öfteren Männer sah, die mit ihren Fahrrädern Wasser und Brennholz transportierten, sogar drei Männer mit Feuerholz auf den Schultern haben wir gesehen! Und ein paar Frauen fuhren auf Fahrrädern!

Tanzania 114Die Gegend zwischen Songea und Mtwara ist voller Cashewnüsse, mächtige grüne Bäume. Ich habe Esther gefragt, warum Tansania die Cashewkerne nicht selbst röstet und auf den Markt bringt, sondern alle zur Weiterverarbeitung nach Indien verschifft. Sie erklärte mir, dass man es unter Nyerere in Tansania versucht habe, aber die Verarbeitung sei relativ aufwändig und die Maschinen dafür sehr teuer. Es gebe in Tansania nur eine Ernte Ende Oktober. So hätten die verarbeitenden Betriebe nur einen Monat etwas zu tun, dann stünden die Maschinen wieder still und die Arbeiter müssten entlassen werden. Geschäftstüchtige Händler in Indien, deren Fabriken von der EU subventioniert werden, haben über viele Jahre ein Handelsnetz aufgebaut und importieren das ganze Jahr über Cashewkerne aus den verschiedensten Regionen der Welt. Nach Tansania aus Westafrika, dann Brasilien, Asien, so dass sie immer beschäftigt sind. Und in Konkurrenz mit den Indern ein zu treten, könnte für Tansania nur negativ enden.

Serengeti - 9Die Gegend bei Tunduru ist bekannt für ihre Menschen fressenden Löwen. Esther sagte uns, als wir durch ein Dorf fuhren, dass hier letztes Jahr drei Menschen gefressen worden seien. Eine Person sei angefallen worden, jemand habe „Löwen“ gebrüllt, worauf alle aus ihren Hütten gekommen seien und das große Rudel sich noch zwei Menschen geschnappt hätte. Viele Leute in der Gegend haben sich jetzt Gewehre gekauft, aber die meisten haben kein Geld dafür und außerdem ist es offiziell strafbar, solche eine Waffe zu besitzen. Esther war jedes Mal entsetzt, wenn wir nach Sonnenuntergang noch einzelne Frauen, manche mit Kindern auf dem Rücken von der Feldarbeit in ihre Dörfer zurück kehren sahen.

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Joachim 01/05/2011 10:29



Hallo RE! Das muss abenteuerlich und gefährlich gewesen sein bei den Menschen fressenden Löwen! Habt Ihr beim Besuch der Edelsteinmine auch ein hübsches Souvenir erhalten?


LG Joachim



R.Einloft 01/06/2011 13:11



:) Nee, es gab kein Souvenir, brauchten die alles für sich selbst. Aber reich sah es da nicht aus.


Abenteuerlich war es in der Tat, Löwen haben wir nicht gesehen. Das sind alte Einzelgänger, die von ihrem Rudel ausgestoßen wurden und kaum noch Tiere jagen können, dann greifen sie gerne
Menschen an. Aber es muss einfach sein. Wir sind wahrscheinlich noch zu schnell für die.


Beste Grüße RE



Katharina vom Tanneneck 01/04/2011 00:18



Lieber Reinhold,


es ist schon traurig, dass Menschen keine Waffen besitzen dürfen wenn ihr Leben gefährdet ist.


Die Rufe des Muezzins können schon recht unangenehm sein in aller Herrgottsfrühe. Wir hatten mal in Beirut ein Hotel, da hörten wir jeden Morgen diese Rufe. Allerdings nur in den ersten Tagen,
dann hatten wir uns schon irgendwie daran gewöhnt und auch unseren Rhythmus darauf eingestellt.


Liebe Grüße, Katharina



R.Einloft 01/04/2011 14:10



Genauso ist es, Katharina,


zuerst ist er ungewohnt und stört, der Ruf, dann gewöhnt man sich dran und irgendwann fehlt er einem. Komisch, wir Menschen. Manchmal hätte ich ihn gerne wieder, er ist das Zeichen für diese
andere, afrikanische Welt.


Ja, traurig, dass diese Menschen sich nicht wehren können gegen die Löwen. Es sind alte, vom Rudel aussortierte Einzelgänger. 


Beste Grüße von mir


RE