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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(77) Afrika hat eine lange Geschichte und eine eigene Kultur Teil I

29. Januar 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

 

Noch heute findet sich in Europa eine Auffassung von Afrika, die sich in Hegels Worten spiegelt: "Wir verlassen hiermit Afrika [...] Denn es ist kein geschichtlicher Weltteil."

Da war er falsch informiert, unser Oberphilosoph. Obwohl Heinrich Barth bereits 1853 in Timbuktu, Zwei-Handschriften-uber-Astronomie.jpeg"der ältesten Universität der Welt", die sogenannten Sankoré-Schriften studierte, war in Europa wenig über das kulturelle afrikanische Erbe bekannt. Die im Mittelalter gegründete Universität in Timbuktu war eines der wichtigsten Zentren islamischer Gelehrter und kann heute Tausende Schriften vorweisen, die sich mit Fragen aus allen Bereichen der Wissenschaft und Religion befassen.

(Bei den Handschriften der Universität Sankoré, die bis in das 14.Jahrhundert zurückgehen, handelt es sich keineswegs ausschließlich um Abschriften oder Auslegungen des Korans; mehrheitlich behandeln die Texte Fragen des Rechts, der Mathematik, Astronomie, Biologie, Medizin und weiterer Disziplinen. Auch Chroniken, Huldigungen, Ratgeber und Korrespondenzen finden sich darunter.)

 

Völkerwanderung.

Schon 1862 hatte Wilhelm Beck, ein deutscher Sprachforscher, bei seinen linguistischen Studien festgestellt, dass über 300 afrikanische Sprachen verwandt sind. Sie verwenden den selben Begriff für „Mensch“ (Muntu) und „Menschen“ (Bantu). Alle sind sie verwandt mit der Mutter der zentral- und südafrikanischen Gesellschaft, den Bantu. Schon vor Christi Geburt begann dieses Volk, das Eisen herstellen konnte und landwirtschaftliche Techniken beherrschte, aus Zentralafrika in den Süden abzuwandern. Auslöser war, so nimmt man an, die Austrocknung der Sahara, die die dort lebenden Völker zur Wanderschaft zwang. Der Dominoeffekt stieß andere Bantu-Gruppen an, und diese Besiedlungs-Walze rollte 1600 Jahre lang bis nach Südafrika. Aus archäologischen und linguistischen Arbeiten lässt sich ablesen, dass aus dem Mutterstamm, den „Proto-Banto“ Stämme auf der Wanderschaft nach Westen Richtung Angola und Namibia abbogen und besiedelten, andere nach Osten, nach Uganda, Kenia, Tansania, Mosambik und die letzte Welle schwappte Bantus bis nach Südafrika. Die Bantus mit ihren höheren kulturellen Fertigkeiten  dominierten schnell die einheimischen Jäger- und Sammlerstämme und vermischten sich mit ihnen oder vertrieben sie und lösten damit neue Wirbel und Wanderungen aus. Die Zeit der Besiedlung der Länder war gekennzeichnet von Vertreibungen, Kriegen, Transformationen, die ursprüngliche Volksgruppen aufbrach, umbrach und neu formierte.

Ohne Zweifel existieren Unterschiede zwischen den diversen Stämmen. Sie haben verschiedene soziale Eigenheiten, die sie voneinander abgrenzt, sie haben viele unterschiedliche Sprachen, unterschiedliche Organisation ihrer Gesellschaften die sich unter anderem in der unterschiedlichen Handhabung der Erbschaft ausdrückt und unterschiedlicher Umgang mit den Ahnen und der Vergangenheit. Trotz diesen Differenzierungen haben afrikanische Gesellschaften südlich des Äquators viel Gemeinsames und Verbindendes, entstanden in der langen Zeit der Bantu-Wanderung und Besiedlungen und bis heute geblieben. Ein Phänomen sind die linguistischen Grundlagen. Von den 10 meist gesprochenen afrikanischen Sprachen sind 4 Bantu-Sprachen.

Später haben sich an der Ostküste von Kenia über Tansania bis Mosambik arabischen Händler mit Einheimischen vermischt, den Swahili-Gruppen. In neuerer Zeit sind Inder und Pakistani (nicht viele aber mit einem enormen wirtschaftlichen Einfluss), Europäer und Südafrikaner hinzu gekommen.

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Joachim 01/31/2011 18:04



Trifft denn auf alle afrikanischen Stämme der Oberbegriff "Bantu" zu? Ich glaubte immer, das wäre nur eine bestimmte Gruppe.


LG Joachim



R.Einloft 02/01/2011 10:37



Nein, nicht alle sind Bantu-Ursprungs. Die Bantu haben sich fächerförmig ausgebreitet und auch vermischt. Das bestätigen heute Gen- und Sprachforschungen. Sie sind dominnante Wurzeln mit
ausgebreiteten Vernetzungen, wie bei Pilzen stell ich mir das vor.


Gruß RE



Katharina vom Tanneneck 01/31/2011 00:12



Mir scheint, es wird immer Wanderschaften geben in allen Zeiten. Sicher war das früher extremer aber wenn man sich heute die Unruhen auf der ganzen Welt anschaut, dann gibt das schon zu Denken.
Zum großen Teil werden es wohl eher Flüchtlinge als Wanderer sein. Etwas verändert sich! Ob es besser wird weiß niemand.


Liebe Grüße, Katharina



R.Einloft 02/01/2011 10:41



Ja, das denke ich auch. Heute sind es Armutskatastrophen überwiegend, damals hat die Veränderung der Natur häufig dazu beigetragen. Wir hatten die Völkerwanderung, die in Afrika die
Bantuwanderung und in deren Folge andere. Ich denke auch, da wird geflohen, nicht aus Spaß geandert.


Eine schöne Woche wünsche ich dir


Liebe Grüße Re



Teilzeitberlinerin ;-) 01/30/2011 19:56



Kann heute nicht so viel lesen, aber das neue Design gefällt mir sehr gut und nen schönen Abend wollte ich auch m,al wieder wünschen ;-)


Lg



R.Einloft 02/01/2011 10:46



Na danke! Wenigsten Eine hat es gemerkt. Freut mich.


So viel Arbeit? Wo ich doch über die Zeitlose Zeit gerade geschrieben habe.


Gute Besserung und mehr Zeit wünscht RE