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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(77) Afrika hat eine lange Geschichte und eine eigene Kultur Teil II

31. Januar 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Königreiche

Da ist doch tatsächlich von Königreichen zu erzählen. In Mosambik z.B. gab es ein großes Imperium und kleine Königreiche, die alle die Kolonialzeit nicht überstanden. Monomotapia war das große sagenumwobene Reich in dem später die Goldbergwerke von Salomon vermutet wurden. Gold hatten diese Könige, ja ihre Macht beruhte auf dem Fernhandel mit Gold. Das Königreich entstand um 1400 und erstreckte sich in seiner Hochzeit im 15. Jhdt. zwischen den Flüssen Sambesi und Limpopo in Mosambik und vom Indischen Ozean bis tief nach Simbabwe hinein. Ein Lehensystemen regelte die Abgaben für die Aristokratie, der König hatte einen Palast aus Stein, setzte Gouverneure aus seinem Clan als Provinzregierungen ein, hatte ein stehendes Heer und einen Kronrat aus 9 Männern und 9 Frauen wobei die Frauen manchmal herausragende Rollen spielten. Beim Tod des Königs gab es immer Kämpfe zwischen Rivalen und der neue König musste mit einer verwandten Frau beweisen, dass er sexuell aktiv und von makelloser Statur war. War er krank, musste er sich umbringen oder wurde ermordet. Die Frauen seines Vorgängers und wichtige Mitarbeiter brachte er selbst um, „damit sie diesem bei den Ahnen dienen konnten“. Der Fernhandel mit den Araber funktionierte und brachte Waren aus und in exotischen Ländern. Im 16. Jhdt., als die Portugiesen kamen, war das Reich geteilt, geschwächt am untergehen. Es bestand noch bis ins 18. Jhdt. aber nur als kleines Restreich.

Im 8. Und 9. Jhdt. unserer Zeitrechnung hatte sich ein anderes Königreich im Norden Mosambiks etabliert das bis ins heutige Malawi hinein reichte: die Maravi. Anders als die Könige des Imperiums Monomotapia, die durch Gewalt und Unterdrückung regierten, regelten die Maravi ihre Herrschaft durch geschickte Heiratspolitik. Ihr Reichtum beruhte neben der Landwirtschaft auf der Eisenverarbeitung und dem Handel mit Elfenbein, nach dem eine große Nachfrage in Indien herrschte. Erst Mitte des 18. Jhdts. und mit dem Eindringen portugiesischer Händler versank das Reich.

Zur gleichen Zeit hatte die aggressive Expansionspolitik der König Shaka in Natal, dem heutigen Südafrika, Erfolg. Er gründete das Reich der Zulu und vertrieb brutal lokale Größen. Die wichen nach Norden und Nordosten aus und veränderten grundlegend die politische Landschaft im Südosten von Afrika. Einer gründeten das Reich des heutigen Königs von Swasiland, ein anderer Herrscher wurde der Gründer des modernen Lesoto und des heutigen Botswana. In Süden von Mosambik entstand das Königreich Gaza. In seiner Blüte hatte das Heer des Königs 15 000 Männer unter Waffen und bedrohte die Kolonialherrschaft der Portugiesen in der Hauptstadt die sich nur durch ein Abkommen der Herrschaftsteilung mit dem letzten und berühmten König Gungunhana von Gaza zu helfen wussten. 1895 gewannen die Portugiesen die letzte Schlacht, nahmen Gungunhana fest und schickten ihn auf die Azoren ins Exil.

Die Araber bauen ein Handelsimperium auf

In Europa stritten die Erben Karls des Großen und zogen durch die Gegend auf der Suche nach einer Heimstatt, die Germanen schlachteten ihre Schweine und liebten ansonsten Schlammschlachten und die Wikinger begannen an die nächsten Ufer  zu rudern. Da tauchten - 800 Jahre vor den Europäern - am Horizont Ostafrikas die großen Dhow-Segel der arabischen Handelsschiffe auf und ein fast 1000 Jahre dauernder Fernhandel veränderte die Küste. Städte entstanden und Handelsposten bis ins Innere förderten Gold, Eisengeräte, Elfenbein, Rhinozeros-Hörner, Panzer der Schildkröten und später Züge von Sklaven an die Küste und belieferten die Einwohner mit Waren die aus dem Mittelmeerraum, dem nahen Orient und später bis aus Indien und China kamen. Neue Kulturpflanzen fanden in Afrika ihre Heimat, so die Kokospalme, der bewässerte Reis, Gewürze, das Zuckerrohr und die Zitrusfrucht. Ein komplexes Handelssystem verband die Völker am Indischen Ozean, transportierte Gewürze, Stoffe, Glasperlen, seltene Hölzer im Austausch nach Afrika und ließ eine neue Volksgruppe entstehen, die Swahili. Die Portugiesen nannten sie Moros. In die Mischung aus Persern, Indern und Arabern hatten sich trotz größter Vorsicht auch ein paar Bantu-Gene mit eingeschlichen. Ihre Sprache, das Kiswaheli, entstanden aus all den arabisch-indischen-bantu Dialekten ist in Tansania von Nyerere zur Landessprache erhoben worden und wird noch immer in weiten Teilen Ostafrikas gesprochen. Kleine Reiche mit arabischen Scheichs entlang der ostafrikanischen Küste belieferten 3 große  Handelszentren und Goldmärkte mit Mombasa und Melinda im Norden und Kilwa im heutigen Süd-Tansania gelegen. Kilwa wird bewundernd als Stadt aus Steinen mit Glasfenstern beschrieben.

 

 

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Joachim 02/03/2011 09:57



Tja! Da kann man nur mutmaßen.



R.Einloft 02/04/2011 12:27



Mutmassen, was wäre wenn? Tja, das kann man wohl. Anders wär es schon. Ob besser weiß man nicht. So aber sind sie geworden wie sie sind mit fester Unterstützung der hochentwickelten Länder. Arm
wie eine Kirchenmaus. Und wir? Reich wie Krösos


Gruß RE



Katharina vom Tanneneck 02/02/2011 11:40



Sehr interessant und man lernt auch noch etwas aus der Geschichte. Ja, was wäre wenn? Schauen wir in die Zukunft, da stellt sich die gleiche Frage auch bei uns Europäern.


Liebe Grüße, Katharina



R.Einloft 02/02/2011 13:09



Tja, würdenn wir nur was aus der Geschichte lernen! Der Mensch, scheint mir, neigt zu der Meinung, er müsse das Rad immer neu erfinden. Blöd finde ich, wenn Europäer immer wieder meinen, sie
wären der Nabel der Welt und gar nicht genau hinschauen auf die Geschichte der anderen Welten.


Grüße aus dem nasskalten Hamburg


RE



Joachim 01/31/2011 17:58



Wenn ich das so lese, stelle ich mir die Frage, wie sich Afrika weiter entwickelt hätte, wenn es nicht durch europa kolonialisiert worden wäre. Das gibt viel Gedankenraum für Hypothesen.


LG Joachim



R.Einloft 02/01/2011 10:39



Tja, das ist eine sehr weise Frage. Leider können wir die nicht beantworten. Sehr zuversichtlich, dass daraus eine menschlichere Form des globaleren Zusammenlebens geworden wäre, bin ich nicht.
Es wäre halt nur anders. Wahrscheinlich nicht so verdammt rational (um des schnöden Mammons willen).


Gruß RE