Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(77) Afrika ist anders: Erziehung

8. Februar 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

 

Mag sein, dass der Artikel über die Vorzüge afrikanischer Erziehung gegenüber europäischer und amerikanischer, den ich gelesen habe, etwas überschwänglich, idealisierend ist.  Gefreut aber hat mich, dass Afrikaner nicht nur nach all dem Reichtum im Norden starren, sondern wieder in ihren Lebensformen Reichtümer entdecken. Denn diese nichtmateriellen Güter sind da. Weil sie aber nicht in Heller und Pfennig gemessen, somit nicht für das Bruttosozialprodukt relevant sind, fallen sie aus unserer Wertschätzung raus. (Ja, ich weiß, bei uns fallen nicht-materielle Leistungen genauso aus dem Sozialprodukt heraus).

Der Text über das Erziehungssystem sieht Akukweti&Kinderafrikanische Kinder eingebunden in eine funktionierende Familienstruktur mit Onkeln, Tanten, Omas und Opas, Geschwistern, Neffen und Nichten, Cousins und Cousinen und weiteren Verwandten. Nicht nur einen Vater und eine Mutter hat das Kind in der Regel. Alle Brüder des Vaters sind reguläre weitere Väter, alle Schwestern der Mutter ebenso Mütter. (So kommt es zu den Geschichten in der Weißenkolonie: „der hat doch gerade erst Urlaub gehabt, weil seine Mutter gestorben ist, jetzt kommt er wieder an, seine Mutter sei gestorben"). Noch weiter geht das Eingebunden-sein: alle Kinder der Mutterschwestern sind ebenfalls Geschwister. Sie leben nicht alle zusammen, sie fühlen sich zusammengehörig. Dem Kind fehlt es nirgendwo an Zuwendung und Liebe. Erziehung ist zuerst Introduktion in die Regeln von Gott/Allah und dem Clan. Kinder sind früh füreinander verantwortlich und haben die Älteren zu respektieren. Die „Peer-Groups" (das ist ein Begriff aus dem Norden, entstanden, um die Einflüsse von Bezugs-Gruppen auf die Sozialisation von Kindern zu messen. Bei den Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass Außeneinflüsse der Gruppen, zu denen die Kinder sich hingezogen fühlen, dominant sind. Das geht von der Bestimmung der Kleidung über Verhalten miteinander und anderen gegenüber bis zum Gebrauch von Drogen. Alles von der Peer-Group gesteuert). o-Iringa---41.jpgDie Peer-Groups afrikanischer Kinder dagegen sind die anderen Clan-Kinder. Sie werden überwacht von älteren Jungen (bei der afrikanischen Erziehung weiß ich das nur bei Jungen), die die Reinhaltung des guten Rufes des Clans überwachen und oft wird ein Kleiner von der Mutter hingeschickt als Spion. Alleine mal rauchen, ja Drogen nehmen ist in dieser Konstellation schwer.

Was mir einleuchtet: wenn Zuneigung, Liebe in der Familie wichtig, ja dominant für die Erziehung ist - ich glaube das - dann ist die afrikanische Familie im Vorteil. Letztendlich, so sagt ein Sprichwort, ist das ganze Dorf zuständig für die Erziehung. Da ist jederzeit jemand da.

Schon in einer durchschnittlichen Kleinfamilie bei uns wird dieses Allzeit-Präsent-Sein schwierig. Noch fragiler wird die Bedingung durch die hohen Scheidungsraten. Die liegen in USA bei 60%. Kein Wunder, dass sich Kinder eigene Gruppen suchen!

 

 

Kommentiere diesen Post

Teilzeitberlinerin ;-) 08/02/2011



Da ist wohl was dran, darum sind die Südländer auch so auf Familie bedacht.


Fazit was schon viele wissen.Geld allein macht nicht glücklich, bringt keine Freunde und auch nicht auf Dauer Freude und vorallem kann es keine innere Leere füllen.


Ein Leben ohne Familie und Freunde ist wie Dahinvegetieren.


Wünsche noch ne wunderschöne Woche


lg bianca



Katharina vom Tanneneck 09/02/2011



In so einer großen Familie muß man sich doch wohl fühlen! Ich glaube, die Menschen leben in Afrika ein glücklicheres Leben als wir in Europa. Bei uns muß man immer nur malochen und schauen, dass
man durchkommt. Zumindest müssen das viele Menschen in Deutschland.


Ich denke da an frühere Zeiten, als die Großfamilie noch ganz normal war. Da war das Kind behütet und es war immer jemand da, der auf die Kinder aufpassen konnte. Heute ist das schwierig wenn man
eine Arbeit hat und Kinder. Ein Haus kann sich auch nicht jeder leisten wo vielleicht drei Generationen wohnen.


Eins ist sicher, in Afrika ist niemand einsam! Hier schon!



Joachim 09/02/2011



Hallo RE! In meiner Kindheit hatten wir noch ein Relikt aus früherem, stärkerem Familienzusammenhalt. Meine Großmutter lebte mit und in unserer Familie. Sie hatte bei mir zugleich die Rolle der
Kindergärtnerin ausgeübt und mich überall in die Natur mitgenommen. Sicherlich ist das in Afrika ganz anders, weil die Großfamilie Sicherheit für jedes Mitglied bietet.


LG Joachim 



Diese Seite teilen Facebook Twitter Google+ Pinterest
Folge diesem Blog