Über diesen Blog

  • : Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte
  • Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte
  • : Geschichten, Abenteuer und Alltag aus verschiedenen Welten. Vom Leben in Deutschland, Chile, Ecuador, Rio de Janeiro, Kolumbien, Tansania, Mosambik und heute im Dorf. Plus Gedankenschnipsel & Bilder zu Allerlei.
  • Zurück zur Startseite
  • Kontakt
Tuesday, 8. february 2011 2 08 /02 /Feb. /2011 10:32

von R.Einloft - veröffentlicht in: Von einem der auszog: Afrika

 

Mag sein, dass der Artikel über die Vorzüge afrikanischer Erziehung gegenüber europäischer und amerikanischer, den ich gelesen habe, etwas überschwänglich, idealisierend ist.  Gefreut aber hat mich, dass Afrikaner nicht nur nach all dem Reichtum im Norden starren, sondern wieder in ihren Lebensformen Reichtümer entdecken. Denn diese nichtmateriellen Güter sind da. Weil sie aber nicht in Heller und Pfennig gemessen, somit nicht für das Bruttosozialprodukt relevant sind, fallen sie aus unserer Wertschätzung raus. (Ja, ich weiß, bei uns fallen nicht-materielle Leistungen genauso aus dem Sozialprodukt heraus).

Der Text über das Erziehungssystem sieht Akukweti&Kinderafrikanische Kinder eingebunden in eine funktionierende Familienstruktur mit Onkeln, Tanten, Omas und Opas, Geschwistern, Neffen und Nichten, Cousins und Cousinen und weiteren Verwandten. Nicht nur einen Vater und eine Mutter hat das Kind in der Regel. Alle Brüder des Vaters sind reguläre weitere Väter, alle Schwestern der Mutter ebenso Mütter. (So kommt es zu den Geschichten in der Weißenkolonie: „der hat doch gerade erst Urlaub gehabt, weil seine Mutter gestorben ist, jetzt kommt er wieder an, seine Mutter sei gestorben"). Noch weiter geht das Eingebunden-sein: alle Kinder der Mutterschwestern sind ebenfalls Geschwister. Sie leben nicht alle zusammen, sie fühlen sich zusammengehörig. Dem Kind fehlt es nirgendwo an Zuwendung und Liebe. Erziehung ist zuerst Introduktion in die Regeln von Gott/Allah und dem Clan. Kinder sind früh füreinander verantwortlich und haben die Älteren zu respektieren. Die „Peer-Groups" (das ist ein Begriff aus dem Norden, entstanden, um die Einflüsse von Bezugs-Gruppen auf die Sozialisation von Kindern zu messen. Bei den Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass Außeneinflüsse der Gruppen, zu denen die Kinder sich hingezogen fühlen, dominant sind. Das geht von der Bestimmung der Kleidung über Verhalten miteinander und anderen gegenüber bis zum Gebrauch von Drogen. Alles von der Peer-Group gesteuert). o-Iringa---41.jpgDie Peer-Groups afrikanischer Kinder dagegen sind die anderen Clan-Kinder. Sie werden überwacht von älteren Jungen (bei der afrikanischen Erziehung weiß ich das nur bei Jungen), die die Reinhaltung des guten Rufes des Clans überwachen und oft wird ein Kleiner von der Mutter hingeschickt als Spion. Alleine mal rauchen, ja Drogen nehmen ist in dieser Konstellation schwer.

Was mir einleuchtet: wenn Zuneigung, Liebe in der Familie wichtig, ja dominant für die Erziehung ist - ich glaube das - dann ist die afrikanische Familie im Vorteil. Letztendlich, so sagt ein Sprichwort, ist das ganze Dorf zuständig für die Erziehung. Da ist jederzeit jemand da.

Schon in einer durchschnittlichen Kleinfamilie bei uns wird dieses Allzeit-Präsent-Sein schwierig. Noch fragiler wird die Bedingung durch die hohen Scheidungsraten. Die liegen in USA bei 60%. Kein Wunder, dass sich Kinder eigene Gruppen suchen!

 

 

Kommentar hinzufügen - Kommentare (3)ansehen
Zurück zur Startseite
Erstellen Sie einen Blog auf OverBlog - Kontakt - Nutzungsbedingungen - Werbung - Missbrauch melden - Impressum - Artikel mit den meisten Kommentaren