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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(77) Afrika ist anders: Ich habe mal wieder eine ältere Freundin

19. Februar 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Ich habe mal wieder eine ältere Freundin. Nach orientalischer Sitte kenne ich sie nicht. Aber das ist nicht nur eine orientalische Sitte, in Ecuador hatte ich auch eine Freundin, die Matriarchin einer Sippe ehemaliger afrikanischer Sklaven, noch immer in einem Dorf im Hochland lebend mit Rundhütten und alten Gebräuchen. Ecuador---19.jpgIn Ecuador war sie die Großmutter eines Freundes. In Tansania die Mutter meines Fahrers. Shamte erzählt mir von ihr. Weil sie so alt ist wie meine Mutter oder ungefähr so alt - so genau weiß das keiner - und noch immer auf der Shamba, der kleinen Farm der Familie lebt, dort wo Shamte geboren wurde, interessiert sie mich sehr. Ich schicke ihr Grüße, auch mal ein Foto von ihrem Sohn, das wir gemacht haben und neuerdings schickt sie Grüße zurück. Dann hat sie mir von der Reisernte ein Säckchen geschickt und manchmal taucht sie in Dar es Salaam bei Shamte auf, wenn Feiertage sind oder wenn es nicht so viel zu tun gibt auf der Farm. Öfters passiert es, dass sie sagt, sie bleibe bis zum Wochenende, aber schon vorher wieder zurück fährt. Sie bearbeitet das Land nicht mehr alleine, da wohnen Arbeiter drauf. Und sie hat 2004-08-20A 093ein Haus so traditionell wie Afrikaner auf dem Land es haben mit Wänden aus Adobe (Lehm), Palmblätterdach, 2 Räume, eine Ecke zum Kochen auf dem Boden.

Eines Tages, als wir über seine Mutter sprachen, hatte ich ein ganz großes Herz und fragte Shamte, was ich ihr denn Gutes tun könne. Das wolle er seine Mutter erst fragen, sagte er und kam am nächsten Morgen schon mit der Antwort: Ein Haus aus Ziegeln und mit Blechdach. Da hatte ich Gutmensch mein Fett. Was nun? Shamte erkundigte sich und das sollte "nur" 1500 Dollar kosten. Gut, das Geld war nicht ganz das Problem. Wir hatten ja auch Asha (unserer Haushaltshilfe) und ihrer Familie ein Haus gekauft und das war viel teurer. Mein Problem war die Mannschaft im Büro. Wenn ich einem so viel Geld gebe, dann kann ich die anderen nicht ohne alles zurück lassen. Das ist ungerecht. Wir verteilen zwar viel und da ist auch das Garten-Projekt im Büro bei dem wir den Gärtner bezahlen und die Produkte an alle verteilt werden. Es sind 3 bis 4 Ernten mit Mais, Bananen, Old Lady Fingers (Okra) und Spinat. Der Garten, vorher ungenutzt, ist recht groß und ergiebig. Trotzdem war ein zu großes Missverhältnis. Shamte kriegt sowieso für wenige Privatfahrten noch von uns ein Mindestgehalt als topping up zu seinem Bürogehalt.  Weil er sonst Schwierigkeiten hat, seine Kinder auf die Secundary School zu schicken (Shamte ist Muslim, seine Tochter aber soll selbstverständlich studieren). Jedenfalls hab ich erst mal eine Auszeit genommen um zu überlegen. Das kann man hier machen. Es wird einfach eine Zeitlang nicht darüber geredet. Jetzt hab ich ihm 500 angeboten. Und den anderen Mitarbeitern die ähnliche Lohngruppen haben, will ich je 100 zu Weihnachten geben. Einer Mitarbeiterin hab ich schon 300 „geliehen“, auch für den Hausbau (das ist für sie viel und sie ist sehr dankbar).  Jedenfalls wollte Shamte damit erst mal das Dach decken weil er sonst jedes Jahr ein Teil des traditionellen Daches ausbessern muss. Am nächsten Tag kam er breit grinsend ins Büro. Nix da, hat die Mutter gesagt, wenn wir Geld haben, fangen wir unten an und bauen die Mauern so weit wir kommen und dann sehen wir weiter. Und so musste Shamte und die Familie am Wochenende Blocks herstellen aus Lehm gepresst und in der Sonne getrocknet. Und dann wird ein Fundi, ein so genannter Fachmann anfangen, der Mutter ein Haus zu bauen. Vielleicht laden sie mich zum Richtfest ein. 

 

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Joachim 02/21/2011 13:17



Hallo RE! Da seid Ihr ja großzügig mit den Geldgeschenken umgegangen. Finde ich großherzig. Alle werden sich gefreut haben. So ist das wohl in den Ländern der Dritten Welt. Gebaut wird, solange
das Geld reicht. Wenn wieder etwas da ist, wird weiter gebaut. Gut die Einstellung "man muss nicht alles sofort haben".


Liebe Grüße und eine schöne Woche!


Joachim



R.Einloft 02/21/2011 13:32



Exaktemeng. Die Haltung, alles was man will ist möglich und muss sofort sein ist ein Baustein zum Untergang des Abendlandes. Na ja, so weit wird´s nicht kommen, aber den Luxus, den wir haben (und
den viele auf Pump haben), den kann sich unsere Gesellschaft nicht mehr lange leisten. Glaub ich nicht dran. Und dann kommt Heulen und Zähneklappern und dann kommt Gewöhnung an auch etwas weniger
kann gut, vielleicht sogar besser sein.


Ja, in den Ländern, in denen wir waren, sind Sozialsysteme nicht so eng geknüpft wie bei uns. Da müssen die ran, die was haben. Ich finde das richtig. Wir hatten immer noch genug und geben ist
seliger denn nehmen. Sagt die Bibel. Die hat auch manchmal recht.


Bestens und eine volle, lebendige Woche mit viel schönen Sachen wünscht


RE



Katharina vom Tanneneck 02/21/2011 00:44



Die Hütten sehen aber hübsch aus. Ich verstehe die Frau mit ihrem Wunsch und ich verstehe auch, dass es unten angefangen werden muß. Sonst wird es ja nie was! Denke mal, das ist typisch Frau!
Männer ticken da etwas anders. Für 500 Dollar hat sie ja schon ein Drittel. Hoffentlich bekommt sie die fehlenden zwei Drittel auch noch. Ich wünsche es ihr. Dann wird es sicher auch ein schönes
Richtfest geben. Natürlich mit dem Spender der Grundausstattung!


Liebe Grüße, Katharina



R.Einloft 02/21/2011 13:21



Hat leider nicht mehr geklappt, das mit dem Richtfest, aber die Mannschaft, die nicht so viel verdient, die bekommt immer noch Weihnachten eine Gratifikation von uns. Es sind liebe Menschen.
Auch, wenn wir versucht haben, ihnen mehr Gehalt zu geben, musste das von der Botschaft als ortsüblich anerkannt werden und die haben bei zu viel einen Riegel vorgeschoben. Ortsüblich für einen
Wächter ist 30-40 Euro, bei uns haben sie das Doppelte verdient. Aber immer noch sehr wengi. Shamte als Fahrer schon einiges mehr.


Das Haus wir fertig sein, ich hab gar nicht mehr gefragt. Werde ich mal machen.


Liebe Grüße und eine schöne Woche wünsche ich Dir


RE