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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(77) Afrika ist anders: M über Beschneidung

17. Februar 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Dörig Claire Justice RhamadaniFESMehr Besuch: Es war schon seltsam, unsere Gäste, er ein hohes Tier, Bundesverwaltungsrichter und seine Frau, in einem Ministerium in Thüringen tätig, kannten wir nur dienstlich, R hatte mit ihm Veranstaltungen in Erfurt gemacht. Es war wie immer: auch wir profitieren von unseren Besuchern: Sie waren zwar im Urlaub in Tansania, er hatte aber schon Kontakte aufgenommen, wollte Richter und Gerichte sehen. Und R hat einen Abend mit wichtigen Vertretern von Menschenrechtsgruppen organisiert. Was die zu erzählen hatten, war hochinteressant, besonders das Problem der FGM (Female Genital Mutilation – Beschneidung). Obwohl es gesetzlich verboten ist, wird sie nach wie vor vollzogen, nun anstatt bei halbwüchsigen Mädchen mehr bei neu geborenen Säuglingen. „Man will uns unsere Kultur, unsere Sitten und Gebräuche wegnehmen“, sagen die Maasai. Dazu sollen sie jetzt auch noch verpflichtet werden, ihre Kinder, auch die Mädchen zur Schule zu schicken – sie sind schon arm dran, die Maasai! Ihre schöne „Kultur“!

Und ohne diesen Besuch hätte ich Helen, die Frau, die mir am meisten imponiert hat, nie kennen gelernt. Es gibt so viel Potenzial hie, an intelligenten, engagierten und aufrichtigen Mensche, und es wäre ihnen so zu gönnen, dass sich die Lebensverhältnisse bessern.

Masai-Frauen.jpgEs passte wie bestellt. Über meine „Lieblings“feinde, die Maasai stand gestern ein langer Artikel in der Zeitung. Ein 12-jähriges Mädchen wurde tot geprügelt. Mädchen müssen im Alter von 9 bis ca. 12 den „Kriegern“ des Stammes (also jungen Männern zwischen 14 bis über 30 Jahren) für Sex zur Verfügung stehen. In dieser Zeit ist ihnen in sexueller Hinsicht so ziemlich alles erlaubt. Danach werden die Mädchen sexuell verstümmelt, d.h. beschnitten und dann an meist ältere Männer verkauft (die haben mehr Rinder). Das nennt sich verheiratet. Dieses Mädchen war mit 12  beschnitten worden aber noch Jungfrau. Ihr 37 Jahre alter Ehemann war darüber verstimmt, dass sie noch keine sexuelle Erfahrung hatte und hat sie misshandelt. Sie ist zu ihrem Stiefvater geflohen. Der hätte aber bei Auflösung der Ehe das Vieh, das er für sie erhalten hatte, zurück geben müssen. So hat er zugestimmt, der Ehemann und sein Kumpel könnten sie so lange verprügeln, bis sie „Vernunft“ annimmt und nicht mehr „stur“ ist.

Ein Maasai-Mann meinte dazu, dass das auch der Grund sei, warum man Mädchen nicht zur Schule schicken sollte. „Es lohnt das Geld nicht, hinterher werden sie stur und sind dem Mann nicht mehr gehorsam“. Und eine 35-jährige Frau sagte: „Ich weiß gar nicht, warum sich alle so darüber aufregen, das ist doch unsere Kultur, so wird das immer gemacht. Nur weil sie jetzt an den Prügeln gestorben ist, macht man so ein Aufhebens von der Sache. Frauen müssen lernen, Kinder groß zu ziehen und dem Mann zu dienen“. Wenn ich mir das Leben der Maasai-Mädchen vorstelle, könnte ich nur noch heulen.

Maasai (Wikipedia u.a.):

MaasaiDie Maasai  (auch Massai).. sind eine ostafrikanische Volksgruppe, die in den weiten Ebenen im Süden Kenias sowie im Norden Tansanias beheimatet ist. Trotz ihres vergleichsweise kleinen Bevölkerungsanteils sind die Massai wegen ihrer weitgehend beibehaltenen halbnomadischen Lebensweise, ihrer auffallenden Kleidung und ihres Wohngebietes nahe den Nationalparks die vermutlich bekannteste Volksgruppe Ostafrikas. Obwohl sie einerseits an alten Lebensweisen festhalten, verstehen sie es andererseits, ihre Kultur zu vermarkten. Für viele Touristen sind sie die hochgewachsenen schlanken Krieger ein pittoreskes Fotomotiv und mehr (siehe „Die weiße Maasai“ von Corinna Hofmann).

Die Massai sind als Krieger (morani) und Viehhirten (Rinder) berühmt. Ihre nomadische Lebensweise wird immer stärker durch Ansiedlungen und Naturparks behindert. Ihre Kultur dreht sich um das Rind. Ein „guter“ Massai hat nicht weniger als 50 Rinder. Engai, der Gott der Massai, der auf dem Gipfel des Ol Doinyo Lengaiin Tansania thront, hat ihnen, nach dem Glauben der Massai, alle Rinder dieser Erde überlassen, woraus folgt, dass alle anderen Rinderbesitzer Viehdiebe sein müssen. Daraus leiten die Massai das Recht ab, anderen Völkern ihre Rinder gewaltsam abnehmen zu können

Bei Männern und Frauen wird die Beschneidung praktiziert.

Die Männer teilen sich in 5 Altersgruppen auf, die jeweils bestimmte Aufgaben zu übernehmen haben: die Altersgruppe der Kinder hütet das Kleinvieh, die Junior-Krieger und Senior-Krieger sind für die Verteidigung des Massai-Volkes und ihrer Vieherden verantwortlich. Verbreitet werden Überfälle auf Nachbarvölker ausgeführt, mit dem Ziel, Vieh zu stehlen, um die eigenen Herden zu vergrößern. Die Senior-Krieger dürfen heiraten und sich niederlassen. Außerdem übernehmen sie die Funktion der Dorfwehr. Aus den Altersgruppen der Junior-Ältesten und Senior-Ältesten setzen sich die Ältestenräte zusammen. Mit etwa 35 Jahren wechseln die morani in einem großen Zeremoniell in die Altersklasse der Senioren über. Früher mussten sie zum Beweis ihrer Fähigkeiten einen Löwen mit Pfeil und Bogen erlegen. Das soll noch heute in entfernteren Gebieten vorkommen (ich habe einen Löwenzahn von ihnen um den Hals hängen, der aber wird nicht original sein, sie verkaufen viel Schund an Touristen).

Bei der Hochzeit wird vom Bräutigam erwartet den Eltern der Braut einen Brautpreis zu entrichten. Die Höhe ist dabei auf 25 Rinder festgelegt (23 Kühe und 2 Stiere). Der Bräutigam sucht sich die Braut aus, wobei beide Elternpaare ein Mitspracherecht beim Zustandekommen der Hochzeit haben. Ein Einverständnis der Braut ist nicht notwendig. Es ist den Massai erlaubt, polygam zu leben. Ein Mann kann daher so viele Frauen haben, wie es die Anzahl seiner Rinder erlaubt. Üblich sind jedoch 1-2 Frauen, bis zu fünf Frauen sind nicht ungewöhnlich, wobei einzelne Männer auch bis zu 30 Frauen haben können. Jede Frau lebt zusammen mit ihren Kindern in einem eigenen Haus. Jeden Abend entscheidet sich der Massai-Mann, bei welcher seiner Frauen er übernachten will. Das Prestige eines Mannes ergibt sich aus der Anzahl seiner Rinder und Frauen.

 

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Katharina vom Tanneneck 02/18/2011 02:11



Hmm, für mich ein etwas schauriger Bericht! Geht es heute tatsächlich noch so dort zu? Wir leben doch im 20. Jahrhundert! Es müßte sich doch schon bis Afrika rumgesprochen haben, wie andere
Völker leben!


Mir tun die Frauen sehr leid! Ich kann und will mir gar nicht vorstellen, mit einem fremden Mann verheiratet zu werden und dann hat der auch noch das Recht, mit mir tun und lassen zu können was
er will! Nein! Das muß sich einfach ändern!


Die Beschneidung ist verboten aber sie ist trotzdem an der Tagesordnung!? Da muß auf jeden Fall etwas geschehen!


Liebe Grüße, Katharina



R.Einloft 02/18/2011 14:10



Liebe Katharina, Du hast recht, das ist gruselig, sowohl die Behandlung der Frauen als auch die Beschneidung. Auch die jungen Männer werden ohne Betäubung beschnitten, dürfen keinen Muchs von
sich geben, sonst ist die Ehre der Familie hin. Die jungen Frauen dürfen schreien bei der Beschneidung aber nicht bei der Geburt. Das ist noch alles genau so wie beschrieben. Das Einzige, was man
den Maasai zu Gute halten kann ist, dass auch die jungen Leute, die als Wächter in der Stadt ihre "Bewährungsprobe" heute abliefern, immer wieder zurück kehren in ihre Kltur, ganz selten sich in
die moderne Welt eingliedern wollen. Tansania tut viel um diese urzeitlichen Gebräuche zu ändern, ganz langsam gibt es hier und da Einsichten.


Ich will ja nicht nur von den positiven Seiten Afrikas berichten. Es gibt noch viel negatives.


Liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünscht


RE