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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(77) Afrika ist anders: wo die Frauen den Namen vererben

10. Februar 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

 

Diozese-Pemba-Tagung-der-Missionar-innen----2.jpgEs war in Mosambik, oben in Pemba Wir waren zu einem Seminar katholischer Missionare geladen, eines der Aktivitäten unseres Bischofs, dem wir seine Organisation verbessern sollten. Verwundert vernahmen wir die Berichte von den Widerständen besonders bei den Gruppen, in denen noch das Matriarchat vorherrsche. Sie erzählten, dass die Frau im Heimatort wohnen bliebe und große Autonomie und Freiheit vom Ehemann habe. Die Scheidung – das schien sie am  meisten zu erschüttern - sei sehr häufig weil das Verfahren einfach. Wenn die Frau Gründe habe und die Alten diese würdigten, könne die Frau ihren Mann verlassen und mit einem Anderen zusammen leben. Schon jeder Versuch, die Frau für sich zu behalten und einzusperren, könne zur Trennung führen Diese Art der Freiheit, so ihre Meinung, stehe nun mal im strengen Gegensatz zu den Normen des Christentum, eine Basis die sie mit der islamischen Lebensform gemein hatten. Das führte mich dazu, etwas genauer hin zu schauen und siehe da, das kam heraus:

Traditionelle Gesellschaften in Afrika sind matrilinear oder patrilinear organisiert.

Bei den matrilinearen Ordnungen gehören die Kinder immer zum Clan der Frau, die Namen, aber auch die Rechtsverhältnisse vererben sich über die Frau. Ehemänner müssen ihren Stamm verlassen und in dem Clan der Frau beitreten. Als Beispiel: Im Norden Mosambiks bei den Makua, dem größten Volksstamm, ist die Matriarchin die zentrale Figur und ihre Kinder, Enkel und Urenkel, alle ihre Abkommen werden durch die weibliche Linie definiert. Um diese zentrale Gruppierung herum ist die gesamte Lebensweise der Makua organisiert. Um es nicht zu übertreiben mit der Vorherrschaft der Frauen muss gesagt werden, dass der Bruder der Mutter (Oheim) letztendlich für die Erziehung und Initiation der Kinder verantwortlich ist.

In einigen traditionellen Gesellschaften gehören die Menschen durch ihre Geburt zu Clans und deren Mitglieder betrachten sich alle als Geschwister. Aus diesem Grund ist eine Heirat untereinander im Clan verboten. Alle sexuelle Kontakte werden als inzestuös betrachtet und bestraft. Deshalb muss der Mann seine Frau außerhalb des Clans suchen. Wenn sie heiraten, muss der Mann im Dorf und Clan der Frau leben. Er nimmt die Position eines Gastes ein. Nichtsdestotrotz bleibt der Mann mit seinem Clan verbunden und wird zu allen großen Familienfesten eingeladen. Die Frauen werden als Bewahrerinnen der Traditionen der Ahnenreihe angesehen. Die Kinder sind ihre und ihr Reichtum für die Zukunft, besonders als Alterssicherung im Alter. Und weil die Mutter im Clan ihrer Familie bleibt, muss der Mann auch keine Ablösesumme für die Frau bezahlen.

Es lässt sich nicht genau feststellen, wie verbreitet die matriarchale Gesellschaftsform war. Einige sagen, sie sei die ursprüngliche Ordnung in Afrika, geändert in Patriarchat erst durch das Eindringen des Islams, des Christentums und der kolonialen Eroberung. (http://africaunbound.com/index.php?option=com_content&task=view&id=98). Andere sagen, geändert habe sich das als man feststellte, dass nicht die Götter sondern der Samen des Mannes Kinder zeugt. Erst da sei die Herkunftslinie über den Mann entstanden. Andere sagen, diese Form sei nur rudimentär vorhanden. In jedem Fall ist heute diese Art des Matriarchats auf dem Rückzug, insbesondere dort, wo sie sich mit den arabisch stämmigen Völkern vermischt haben. Die sind ja bekanntlich nicht gerade große Freunde der Frauenpower.

In den meisten Stämmen sind die afrikanischen Gesellschaften heute partilinear organisiert, das heißt, Kinder aus einer Partnerschaft werden dabei der Familie des Mannes zugerechnet. Das Heiraten ist traditionell am Ort des Mannes, wo die Familie lebt und die Verbindung des Mannes mit dem Rest der Familie seiner Frau gründet sich auf Respekt.  

In vielen kulturellen Bereichen Afrikas kann der Mann mehrere Frauen haben, entsprechend seinem Reichtum. In manchen Gesellschaften wohnen die Frauen zusammen; bei den Makuas z.B. leben die Frauen in ihren Clans und der Mann muss seine Zeit zwischen ihnen aufteilen. Es ist die Hauptfrau, in der Regel die erste, die bestimmt, wann der Mann die anderen besuchen darf. Dabei darf keine bevorzugt werden.

Die Arbeitsteilung ist in traditionellen Gesellschaften grundsätzlich geregelt.

Dem Mann fällt zu: Bau und Reparatur des Hauses, Beschaffung und Reparatur der Arbeitsgeräte, Roden des Urwalds für das Feld, Kleidung und Schmuck für die Frauen zu besorgen, die Familie in Notzeiten zu versorgen und der Frau bei der Arbeit auf dem Feld zu helfen. Früher haben diese Arbeiten dem Mann sehr viel Zeit für andere Aktivitäten gelassen, insbesondere für die Jagd und den Handel, aber die Kolonialzeit hat diese Freiheit der Männer beschnitten, der Mann musste in den Minen, auf den Plantagen und in der Stadt arbeiten. So ist das vielerorts bis heute geblieben.

2004-08-18 11-02-54Die prinzipielle Mission der Frau ist die Vermehrung. Der Respekt, der ihr zukommt, vergrößert sich mit ihrem Alter und der Zahl ihrer Nachkommen. Ihre anderen Funktionen in der traditionellen Familie sind Ausbildung und Erziehung der Kinder vor der Initiation, Haushaltsführung, Suchen und Transportieren von Wasser und Holz, Feldarbeit, Herstellen von Tontöpfen, Körben und Matten.

Wir konnten unsere Missionare nur bedingt trösten bei ihren Bemühungen der Missionierung, denn wir waren dagegen. Obwohl wir zugestehen müssen, dass viele von ihnen sich auf soziale Aufgaben konzentrieren und darin ihre Mission sehen.

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Katharina vom Tanneneck 02/11/2011 01:54



Das ist ein sehr interessanter Bericht. Wer weiß schon, dass es tatsächlich so etwas gab oder gibt? Ich gebe zu, ich wußte das auch nicht.


Ich könnte mir vorstellen, dass es auch recht gut funktioniert hat. Klare Regeln und alle halten sich daran. Gut, ich bin auch eine Frau aber das war oder ist doch bestimmt nicht schlecht!


Liebe Grüße, Katharina



R.Einloft 02/11/2011 10:51



Es scheint sogar, dass diese Form der Frauen-Power friedlicher war (und ist). Wär ja auch kein Zufall. Kaum sind Männer dran, fangen die Machtspielchen an.


Ein schönes Wochenende wünsche ich (hier ist alles grau in grau, ich glaub, ich mach die Jalousien zu)


Liebe Grüße RE