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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(78) TANSANIA: Die Krähenplage in Dar es Salaam

23. Februar 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Vor 100 Jahren hat ein Perser die Krähen nach Dar es Salaam gebracht. Er hatte beobachtet, dass sie Müll fressen. Bis heute fressen sie den. Und da der Müll zunimmt, nehmen auch die Krähen zu.  (M) Der Müll nimmt zu, weil es keine funktionierende Müllabfuhr gibt! Man trennt den Müll, pflanzliche Sachen kommen auf den Kompost, Essenreste kriegen die Tiere, Flaschen und Papier holen die armen Leute ab, der Rest wird in eine Ecke des Gartens geworfen und verbrannt oder vergraben! Neuerdings gibt es Müllabfuhrunternehmer mit alten, klapprigen Lastwagen. Sie kommen aber nicht regelmäßig und kippen ihn irgendwo hin.

Sie fressen allen Unrat, die Krähen, aber auch die Brut von anderen Vögeln, Essenreste vom Tisch, einfach alles, was sie erwischen können. Dabei haben sie sich stark vermehrt. Schwarze, krächzende Wolken dieser Viecher dominieren heute den Himmel über Dar es Salaam. Und dort wo sie sind, wagt sich kaum ein anderer Vogel hin. Er wird umgehend vertrieben. Sogar viel größere Vögel greifen sie an und jagen sie zumeist im Pulk mit aufeinander abgestimmten Flugmanövern. Nur die Spatzen, die machen sich nichts daraus. Und dann dieses Gekrächze. Sie sitzen auf ihren Bäumen und schnarren und krächzen vor sich hin, ja sogar im Fliegen bringen sie es fertig, sich des durchdringenden Misstones zu bedienen. Morgens vor Sonnenaufgang fangen sie an und abends kurz vor Sonnenuntergang hören sie auf und fliegen über unser Haus heim. Irgendwo auf der Halbinsel gibt es Bäume, auf denen sie übernachten. Danach kommen die Flughunde in der Gegenrichtung. Die sind leise und eine Wohltat.

Wir haben beschlossen, eine krähenfreie Zone um unsere Wohnung zu schaffen. M hatte begonnen, mit Steinen zu werfen, das aber veranlasst sie nur beim ersten oder zweiten Mal wegzufliegen - um fünf Minuten danach wieder auf demselben Ast zu sitzen. Bei jedem folgenden Wurf hopsen sie allenfalls zum nächsten Ast, oder sie schauen dem Stein zu, wie er vorbeifliegt. Sie wissen genau, wie weit wir werfen können. Sie sind nicht dumm, die Viecher. Sogar Sprachen lernen sie ohne Hilfe, hab ich gelesen. 

(Wikipedia: Einer wissenschaftlichen Untersuchung zufolge sind Raben und Krähen die Vögel mit der größten Intelligenz. Beispielsweise zeigen sie in Experimenten die Fähigkeit, komplexe Handlungen im Voraus zu planen. Beim Verstecken von Futter zeigen sie sowohl große Merkleistungen, als auch die Fähigkeit, sich in andere hinein zu versetzen. Ein Rabe scheint zu wissen, dass ein Futterversteck nur dann sicher ist, wenn er beim Verstecken nicht beobachtet wird. Zudem legen sie ein erstaunliches Lernverhalten an den Tag (z. B. Herstellung von Werkzeug, Nutzen des Straßenverkehrs zum Knacken von Nüssen und Früchten). Weiterhin wurden sie dabei beobachtet und gefilmt, wie sie auf stark befahrenen Straßen auf das Grünsignal der Ampel warteten, bis sie die so bearbeitete Nahrung von der Straße holten. Kurz nachdem das Verhalten bei einem Individuum festgestellt worden war, wurde es auch in einem Radius von mehreren Kilometern um den Entdeckungsort herum beobachtet. Dies wird als Beweis für ein bisher ungeahnt schnelles Lernvermögen interpretiert.)

Old but Gold Kipepeo - 3Wir haben uns eine professionelle Schleuder gekauft. Sie schießt sicherlich 50 m weit. Beim ersten Mal machen sie sich wirklich davon wenn der Stein vorbei zischt, flattern aufgeregt auf Bäume außerhalb unseres Gartens und schimpfen wie Rohrspatzen. Und dann zwitschere ich ihnen noch eins nach. Dann kannst du was erleben. Einmal haben sie Verstärkung geholt und einen Scheinangriff auf mich geflogen! Marianne bella - 6M macht das auch und deshalb sind immer dann, wenn wir auf dem Balkon zu sehen sind, keine Krähen da. Und wenn eine ihr Terrain (denn das meinen sie, ist alles ihres) wieder erkunden will, brauchen wir nur die Schleuder in die Hand zu nehmen und sie haut schimpfend ab. Nur morgens, wenn wir noch schlaftrunken im Bett liegen und uns nicht wehren können, rächen sie sich mit schrägen Konzerten auf dem Baum neben unserem Schlafzimmer.

Die alte Krähentante, die ihre Speisen - igitt, was da manchmal dabei ist - erst in den Pool wirft um sie dann zu futtern, die ist wirklich dreist. Ich renne ihr nach, ein, zwei Meter weit hupft sie flatternd vor mir her, erhebt sich hoch auf die Markise, ich Arme schwenkend darunter, sie fliegt niedrig, 2-3 m über mir im Kreis bis ich erschöpft aufgebe. Der Nachbar, der unten neben dem Pool wohnt, hat jetzt Krähenkopfgeld ausgesetzt. Und den Hausbesitzer angerufen, dass die indischen Krähen ihr Essen in den Pool werfen bevor sie es verzehren. Was man da tun könne. Der Hausbesitzer hat verstanden, dass der neu eingezogene Inder sein Essen in den Pool wirft und gesagt, um Gottes Willen, da muss ich aber mit ihm reden. Es hat noch aufgeklärt werden können, aber bald hätte es schlimme Verstimmungen gegeben und ich trau den Mistviechern zu, dass sie das beabsichtigen.

 

 

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Wilfried 01/23/2015 18:44

Bravo Marianne, mach die Viecher fertig!

Katharina vom Tanneneck 02/24/2011 00:49



Wir hatten letztes Jahr auch ein paar Krähen hier und die waren wirklich sehr schnell mit dem Lernen. Das sind schlaue Tiere aber ich mag sie auch nicht. Allein schon die Geräusche die sie von
sich geben und dazu sind sie noch sehr frech. Da hattet ihr ja eine schöne Plage! Trotzdem mußte ich an manchen Stellen schmunzeln.


Liebe Grüße, Katharina



R.Einloft 02/24/2011 13:49



Frech wie Oskar sind die. War ja auch manchmal lustig, was wir mit denen erlebt haben. Wie ein Kampf gegen Windmühlenflügel scheint mir. Heute sind es Geschichten über die auch wir lachen können.


Bestens RE



Teilzeitberlinerin ;-) 02/23/2011 20:49



Also ein breites Schmunzeln konnte ich mir jetzt wirklich nicht verkneifen, obwohl es wirklich grausam gewesen sein muss...hihihi



R.Einloft 02/24/2011 13:44



Lächle nur, es hatte manchmal was lächerliches. Die aber waren wir. Was die Vögel wohl über uns gedacht haben? Wahrscheinlich waren ihr Gackern und Kreischen pure Lachsalven - über uns.


Bestens RE



Joachim 02/23/2011 17:09



Hallo RE! Das muss aber eine ständige, aufregende Krähenjagd bei euch gewesen sein. Da hättet Ihr eine zweiten Horrorfilm mit dem Titel "Die Vögel" drehen können. Lach!


LG Joachim