Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(79) TANSANIA 2004: unerwartete Besucher auf dem Balkon

15. April 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

TAN-Kleine-Vogel-nisten-auf-dem-Balkon.jpgEinem Pärchen kleiner Vögel, sie sind viel kleiner als Spatzen, haben wir geholfen, ihre Familie aufzuziehen. Sie hatten in der großen Topfpflanze auf dem Balkon ein Nest gebaut und das haben die Krähen auseinander genommen, an als wir an einem Wochenende nicht da waren. Doch die werdenden Eltern haben nicht aufgegeben und das nächste Nest mitten rein in die kleine vielblättrigen Pflanze gebaut, so versteckt, dass wir es erst gesehen haben als die Eltern, die wechselseitig auf den Eier saßen, rein und raus geflogen sind. Es ist kugelförmig mit einem Eingang schräg unten. Jetzt sind die Kleinen da. Sieben bis zehn Stück, wir können sie kaum zählen, sie flattern durcheinander. Abends kommen sie angeschwirrt und verschwinden einer nach dem anderen in der Pflanze. Dann hört man sie noch eine Weile rumstreiten, nein, geh weg, das ist mein Platz, nimm dein Gefieder aus meinem Gesicht, ruckel nicht so und so Sachen und dann sagt der Vater, Ruhe ist, ich mach jetzt das Licht aus und dann geht die Sonne unter und es ist Ruhe im Nest. Und auch die Krähen schlafen.

 

Kipepeo-Besucher---09.jpg(M) Heute früh kam ich in R´s Zimmer, und wer stand mir gegenüber und war mindestens so erschrocken wie ich? Ein ziemlich großer Affe! Er kam über den Balkon und warf einen Blick in jedes Zimmer. Sein Gebiss mit den langen Eckzähnen sah schreckenerregend aus, anscheinend hatte er Hunger. Ich legte ihm Bananen und Obst in eine Ecke, die Banane schälte er elegant und stopfte sie sich in den Mund,  das Obst verschmähte er.

Von da an kam er täglich eine Woche lang. Schon von weitem konnten wir hören, dass er kommt. Die Krähen machten einen Mords Lärm, und flatterten um ihn herum, Angriffe fliegend. Er aber ließ sich nicht beirren, aß seine Banane, spazierte auf dem Balkon herum, leistete uns eine Zeitlang Gesellschaft und verschwand wieder durch die Bäume in den Nachbargärten. Irgend wann kam er nicht mehr. Ob er krank war und Gesellschaft brauchte? Wie der Seehund auf Galapagos, der sich in ein Bett in unserem Hotel verkroch? Auch er verschwand erst nach Tagen.  

 

HüpferEin Tag lang war ein freundlicher älterer Herr Hupfer auf dem Balkon. Er ging dann wieder derweilen er andere Verpflichtungen hatte. Ich hab ihm noch einen Stock geliehen. (M: Es war kein ER, es war eine Gottesanbeterin!)

 

Wenn wir Krähen schießen mit unserer Schleuder, dann gibt’s auch Besuch. Sie flattern im Geschwader über uns und fliegen Angriffe wie Sturzkampfflieger. Dann verziehen wir uns besser. Abends, bei Kerzenschein, schwirren fast lautlos die Flughunde über den Balkon ohne irgendwo anzudotzen. Ein wenig unheimlich ist das.

 

Kipepeo Besucher - 12Und dann sind da noch die lustigen Geckos, die an der Wand hoch und unter der Decke laufen. Die lieben wir. Sie fressen gerne Fliegen und Mücken. Gar nicht beliebt sind die Moskitos der Gattung Anopheles, sie übertragen gerne Malaria. Vor ihnen muss man sich schützen. Wir können, da wir lange in den Tropen leben, keine längerfristige Gegenmittel einnehmen (schädigt Leber und andere Organe). Deshalb müssen wir uns schützen. In Wikipedia gefunden: Der wirksamste Schutz ist der Verzicht auf Reisen in Gebiete, in denen Malaria übertragen wird. Ha! Weiße Kleidung, lange Ärmel und Beine, Insektenschutzmittel müssen helfen. Moskitonetze sind ein Muss. Die aber müssen imprägniert sein und kein Körperteil darf nachts in die Nähe des Netzes kommen. Moskitos warten Nächte lang auf frisches Fleisch und erwischen es - wutsch - auch von außerhalb durch das Netz. Auf Reisen haben wir natürlich Medikamente für die Stand-by-Therapie dabei. Das Risiko ist zu hoch. Und dann trinken wir gerne, wie die kolonialerfahrenen Engländer, Gin-Tonic. Weil in Tonicwasser Chinin ist. Das hilft. Aber nur in größeren Mengen. Viel trinken soll man ja. Sogar die Queen-Mum hat - offenbar erfolgreich - mit diesem Trink Malaria bekämpft.

Anmerkung: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben weltweit jährlich knapp eine Million Menschen an Malaria, etwa die Hälfte von ihnen sind Kinder unter fünf Jahren. 90 % der Erkrankten leben auf dem afrikanischen Kontinent. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen wird auf 300–500 Millionen Fälle geschätzt. Sie ist eine Armutskrankheit. Norbert Blühm schreibt dazu (SZ vom 7. Oktober 2003): „Die Pharmaindustrie gibt weltweit doppelt so viel Forschungsmittel im Kampf gegen Haarausfall und Erektionsschwächen aus wie gegen Malaria, Gelbfieber und Bilharzose. Das ist marktwirtschaftlich konsequent, denn die Kunden mit Erektionsschwächen und Haarausfall haben in der Regel mehr Kaufkraft als die Malaria- und Gelbfieberkranken.“  Andererseits ist es fraglich, ob gerade für Regionen, in denen die Malaria wie die Armut verbreitet sind, die Bekämpfung der Malaria durch Entwicklung eines Impfstoffes im Vordergrund stehen sollte. Parasitologeen weisen darauf hin, dass Erwachsene in Malariagebieten durch ständige Reinfektion überwiegend immun gegen die Krankheit sind, wenn sie das Kindheitsalter überlebt haben. Vorrang hätte die Hebung der allgemeinen Gesundheitsfürsorge und Lebensumstände.

 

 

 

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post

Joachim 04/20/2011 18:49



Hallo RE! Ich wünsche Euch eine schöne Osterwoche!


LG Joachim



R.Einloft 04/24/2011 15:36



Danke, lieber Joachim! Das wünsche ich dir auch: schöne Ostertage (und wie es aussieht, haben wir die ja)


Und eine angenehme Woche. Gruß RE



Hanne 04/17/2011 10:26



die Schlangen kamen erst in Deutschland dazu!



R.Einloft 04/18/2011 13:44



Richtig. Hatte ich ja schon mal hier http://www.andere-welten.net/article-31927739.html


Schöne Woche


R



Katharina vom Tanneneck 04/17/2011 00:02



Das sind ja nette Geschichten! Bis auf die letzte natürlich. Es ist schon ein Unding, dass die Pharma Industrie sich nicht auf das wesentliche konzentriert. Der schnöde Mammon ist wichtiger als
Menschenleben. Das ist traurig!


Liebe Grüße, Katharina



R.Einloft 04/18/2011 13:46



Ja, wir hatten nette Besucher. Manchmal. Der Affe war nicht ungefährlich, der hatte Hauer wie ein Wildschwein. Was mehr getan werden müsste gegen die Malaria, ist die Lebensgewohnheiten der Mücke
eingrenzen. Einiges wird gemacht. Bill Gates spendet viel Geld in diese Forschung. Mehr aber ist dringend vonnöten.


Eine schöne Woche wünsche ich dir mit viel Sonne und der Ruhe, sie zu genießen


Mit Grüßen aus Hommertshausen


Re



Joachim 04/15/2011 21:35



Hallo RE! Das ist eben das Schöne, wenn man in den Tropen lebt. Da kommen die Geschöpfe bis in die Wohnung. Das waren ja alles angenehme Besucher. Wären es Schlangen oder Skorpione gewesen, wäre
wohl der Bericht schauriger ausgefallen.


LG und ein schönes Wochenende


Joachim



R.Einloft 04/18/2011 13:50



Der Affe war nicht ungefährlich, der hatte Hauer wie ein Widlschwein und hat sie gefletscht wenn wir zu nahe kamen. Aber angriffslustig war er nicht. Suchte wohl Gesellschaft. Vielleicht war er
krank.


Schlangen, tja, die hatten wir erst in Deutschland. Schau mal hier: http://www.andere-welten.net/article-31927739.html


Schöne Woche und beste Grüße


RE