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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(79) TANSANIA 2006: Toria ist da und ich kriege eine Sepsis (M berichtet)

29. Juli 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

M 31.10.06
Mein Schwesterlein ist hier und wir sind sofort nach ihrer Ankunft nach Sansibar gefahren, wo R eine wichtige Veranstaltung hatte. Wir genossen das stilvolle Sansibar-Tempo-Hotel.jpg„Tembo-Hotel“, absolvierten das „Damenprogramm“ mit Gewürztour, wie es die Begleiterinnen der Politiker auch immer tun. Am nächsten Tag fuhren wir an die Ostküste nach Paje, wo ich ein „sehr romantisches intimes kleines Hotel“ per Email und Telefon bei einem gewissen Ali gebucht hatte. Aber Ali hatte es sich zwischenzeitlich anders überlegt. Bei ihm war nichts mehr frei, aber er hatte freundlicherweise „entschieden“, wo wir unterkommen könnten. Nach anfänglicher Wut, die einem ja nix nützt, sind wir also dann in einer eher bescheidenen Unterkunft gelandet. Wir hatten auch keine große Lust mehr zu suchen, da es schon dunkel wurde. Alkohol gibt es ja normalerweise nicht, aber der Manager hatte doch etwas Bacardi da, sodass wir unseren Frust mit Cuba Libre begossen. Auf Abendessen waren sie anscheinend auch nicht so richtig eingestellt, denn es dauerte und war äußerst bescheiden. Am nächsten Morgen bekamen wir alle ein hart gekochtes Ei gebracht. Toria traute sich zu fragen, ob sie auch Spiegeleier hätten, worauf ihr ziemlich bestimmt beschieden wurde, heute gäbe es hart gekochte Eier!
Paje blendend weißer StrandDer Strand war traumhaft, so weit das Auge reicht weißer Sand und kaum Menschen, das Wasser warm und helltürkis, am Horizont ein Riff.....

 Es war nur für zwei Nächte, wir fanden uns ab. Bei Toria brach das Fenster aus der Verankerung und fiel raus, als sie versuchte, es zu öffnen, die Badewannen waren mit viel rostbrauner Ölfarbe gestrichen (da sieht man den Dreck nicht so), und am nächsten Morgen wurden wir gefragt, was für Eier wir wollten. R wollte gekocht, Toria und ich wollten Spiegeleier – wir alle bekamen ein Omelett.
Sansibar Fähre nach DSalaam

Die Rückfahrt auf der Fähre am Nachmittag ist immer etwas stürmisch, und ein Angestellter der Schifffahrtslinie verteilte schon vorher großzügig Kotztüten, aber wenn man sich ganz doll auf den Fernseher konzentrierte und nicht auf den schwankenden Horizont sah, war es zu meistern. Etwas flau im Magen aber glücklich kamen wir gestern Abend wieder in Dar es Salaam an und Shamte holte uns freudestrahlend ab.

Heute regnet es wie aus Eimern, alle Leute sind glücklich (außer den Touristen), aber für Torias Sonnenbrand ist so eine kleine Auszeit nicht verkehrt!

M: 10.11.
Manchmal, wenn etwas schief gehen soll, wenn der Wurm drin ist, dann kann man einfach nichts machen. Dann muss es eben daneben gehen: Toria ging es sehr schlecht, als sie hier ankam. Sie wird im Dienst gemobbt, was zu Schlafstörungen, Depressionen und Panikattacken geführt hat. Deshalb wollte ich es hier so schön wie möglich machen. Unwetter kommt KipepeoDas mit Sansibar hat ja noch halbwegs geklappt und sie wurde ein bisschen lockerer. Aber dann setzte der große Regen ein: Dauerregen, Tropenregen, Gewitter, Unwetter, tagelang.

Am darauffolgenden Wochenende wollten wir zum Mikumi-Nationalpark, zu zweit, aber am Mittwoch davor klagte R. über starke Kreuzschmerzen, nahm ein Korsett und rieb mit Voltaren ein. Nützte natürlich rein gar nix, denn am darauf folgenden Tag bekam er Schüttelfrost und hohes Fieber und als ich ihn zur Klinik brachte, legten sie ihn sofort auf ein Bett, gaben ihm fiebersenkende Mittel und hängten ihn an eine Infusionsflasche. Es war eine aufsteigende Harnwegsinfektion mit Sepsis, also ziemlich bedrohlich. Wären wir in Sansibar am Oststrand geblieben, hätte es keine Behandlungsmöglichkeit gegeben. Er musste die ganze Nach am Tropf hängen und ich konnte ihn erst am nächsten Tag abholen. Er nimmt immer noch sehr starke Antibiotika und muss ständig zur Kontrolle. Wir konnten ihn natürlich nicht allein lassen, außerdem hätten wir bei dem Wetter sowieso keine Tiere gesehen und in so einem Park im Schlamm stecken zu bleiben, ist auch nicht witzig. So schauten wir uns vom Balkon aus den Regen an. Am Montag am Südstrand, erwischten wir sogar ein „Zwischenhoch“ von einigen Stunden, aber so richtig toll war es nicht. Toria hatte aber gute Laune, bis dann eine Email von ihrem Mann kam, der ihr einen Brief von der Personalabteilung ankündigte, der zu Hause für sie gekommen sei. Da musste sie wieder weinen, konnte wieder nicht schlafen.....  Beim zweiten Mal Südstrand wurden wir von schwarzen Regenwolken vertrieben...und beim Gedanken an Nürnberg ging es ihr gestern wieder richtig schlecht.
Heute früh habe ich sie zum Flugplatz gebracht. Schade, ich hatte es mir so schön vorgestellt!

Aus Deutschland erfahren wir, dass unser Haus im August frei wird, d.h. renovieren, neue Mieter suchen, eingelagerte Möbel eingelagert lassen. Im Februar wollte ich nach Spanien, schnell mich vorstellen, Schulen und Städte begutachten und möglichst gleich eine Wohnung finden und anmieten, denn im April sind wir hier weg, und wohin dann?
Wir denken nach und wissen noch nicht, was dabei rauskommt: vielleicht wäre es doch eine gute Idee, unser wunderschönes Haus selbst zu bewohnen? Auf der Veranda sitzen, im Garten Tomaten zu ziehen und Erdbeeren, in die Sauna gehen, die Familie einladen. Und reisen, wenn wir Lust darauf haben. Und Familie und Freunde besuchen, nicht nur einmal im Jahr? Und die Möbel dahin stellen, wo sie hin gehören?


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Katharina vom Tanneneck 07/29/2011 22:46



Es kommt im Leben leider anders als man denkt. Manchmal ist es gut und manchmal könnte man die Wände hochgehen. 


Es war wohl nicht verkehrt, die Möbel dahin stellen, wo sie hingehören. Und der Garten hat ja auch schon einiges hervorgebracht.


Hier haben wir momentan Dauerregen und heute Abend sogar die Heizung angestellt. Das habe ich Juli noch nie erlebt.


Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende! Hoffentlich habt ihr wenigstens etwas Sonne. 


Liebe Grüße, Katharina



R.Einloft 07/31/2011 13:04



Ja, hatte auch was Gutes, nach Hause zu kommen. Obwohl, obwohl, manchmal ist es strark, das Fernweh.


Danke für den netten Wunsch, der leider keine Wirklichkeit geworden ist. Grau in grau ist vorrangig und wird Farbe des Monats.


Alles Gute, es kann nur besser werden


RE