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Tuesday, 3. may 2011 2 03 /05 /Mai /2011 12:22

Stonetown Sansibar - 23Dar es Salaam April 2005


Tansania ist ein Hort der Sicherheit in Afrika, Sansibar dagegen ist als quasi-autonome Insel gesondert zu beurteilen. 
Während der Übergang zur Selbständigkeit auf dem Festland – erkämpft unter Dr. Julius Nyerere 1961 – friedfertig verlief, war die Bevölkerung auf Sansibar zur selben Zeit polarisiert und die Situation gespannt. Die Polarisierung ist bis heute geblieben, die Herrschaftsschicht hat gewechselt.

Die Sultanherrschaft verschwindet und die Revolution kommt

Über zwei Jahrhunderte herrschten die Sultane aus Oman in Sansibar, das sie den Portugiesen abgenommen hatten. Die Inselgruppe war ein Schmelztopf an indischen, persischen, arabischen und afrikanischen Einwanderern und eine Quelle des Reichtums wegen ihrer strategischen Lage für den Handel mit dem nahen Orient und Indien, wegen der Gewürzproduktion, des Elfenbeins und wegen der exorbitanten Gewinne aus dem Sklavenhandel. 1828 verlegte der Sultan von Oman, Said al-Busaidi, seine Residenz nach Sansibar. Er förderte die GewürznelkeErzeugung von Gewürznelken und Palmöl und betrieb Sklavenhandel mit dem Festland. Als der Sklavenhandel schließlich Ende des 19. Jahrhunderts abgeschafft wurde, behielten die Araber die ökonomische Kontrolle. Die Insel wurde, wie Tansania, nach dem WK I britisches Protektorat. Die Nachfahren der afrikanischen und persischen Bevölkerung, die Shirazi, bildeten die Mehrheit der Sansibaris und arbeiteten in den Plantagen der arabischen Herrscher. Muslimisch waren alle Gruppen, denn der Islam hatte schon 800 Jahre nach Christus begonnen, die afrikanische Küste zu missionieren. Während die Sansibaris afrikanischer und persischer Abstammung Anhänger der 1957 gegründeten Afro Shirazi Party (ASP) wurden, gruppierten sich die arabisch geprägten Sansibaris um die Zanzibar Nationalist Party (ZNP).


Im Dezember 1963 gewährten die Briten Sansibar die Unabhängigkeit und überließen den Arabern die Regierung, obwohl 1961 und 1963 Afro Shirazi Party die (knappe) Mehrheit gewonnen hatten. Am 12. Januar 1964 putschte die Opposition. Ihr Führer Abeid Amani Karume wurde der erste Präsident der Inselgruppe. Die Phase der Revolution 1964 ist gewaltvoll gelaufen, gezielt hat der erster Präsident die bis dahin regierende Oberschicht der Sultane beseitigte und ein diktatorisches Revolutionsregime installierte. Mehr als 100 Tote (inoffiziell wird von tausend gesprochen), tausende arabische Flüchtlinge und die Ersetzung der Sultan-Oberschicht waren die Folge. Die Volksrepublik wurde ausgerufen. Der Sultan des ehemaligen britischen Protektorats flüchtete nach England.


Die Revolution auf Sansibar wurde als sozialistisch deklariert und durch die UdSSR und die DDR unterstützt. Doch für die USA war ein zweites Kuba vor Afrika unannehmbar. Eine Vereinigung mit dem afrikanisch-sozialistischen aber westlich offenerem Festland musste her. So wurde 1964 aus Tanganjika Tansania. Sansibar lieh dem Gebilde zwar ein Teil seines Namens, blieb aber formal weithin selbständig mit eigenem Parlament, eigenem Präsidenten und selbständigen Regierungsaufgaben. Nyerere forcierte die Einheitspartei und aus der Sansibarischen ASP und der Tanganjikanischen TANU wird 1977 die Partei der Revolution Chama Cha Mapinduzi (CCM).


In den 90er Jahren änderte sich das Panorama wiederum. Tansania erhielt 1993 das Mehrparteiensystem zurück und Sansibar die Civic United Front CUF als Oppositionspartei. Das alte Spannungsverhältnis von vor der Revolution war wieder hergestellt. In den Wahlen von 1995, 2000 und 2005 gewann in Sansibar die CCM haarscharf. Jedesmal warf die Opposition der Regierungspartei Wahlbetrug vor und hatte sicher auch manchmal Recht.



Gewaltsame Auseinandersetzungen bei Wahlen sind nicht neu

Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der Machtgruppen sind allerdings nicht neu. Seit den ersten freien Wahlen 1957 finden alle Wahlveranstaltungen in Sansibar großen Zulauf und unter hoher emotionaler Beteiligung statt. Bei den Wahlen 1961 verzeichnet die offizielle Zählung 68 Tote, 400 Verletzte und über 1000 Verhaftete. Die Revolution 1964 hatte zwischen 100 und 1000 Tote zur Folge. Bei der Wahl 2000 wurden mindestens 30 Menschen getötet und 2000 flohen nach Kenia.


Sansibar besteht aus den beiden großen Hauptinseln Pemba und Unguja (mit Stonetown). Pemba ist fast zu 100% CUF dominiert, aus Unguja kommen die CCM-Wähler. In Pemba vermutet man die "harten" islamischen Strategen, die aus dem Hintergrund CUF dirigieren und einen islamischen Staat anstreben. Evident ist, dass beide Parteien mit harten Bandagen um Macht und Einfluss kämpfen.



Sansibar ist eine durch den Islam geprägte Männergesellschaft.
Hafengebiet Stonetown Sansibar97 Prozent der Bevölkerung, rund 420.000 Menschen, sind muslimisch und mit der liberalen Regierungslinie des Festland-Tansania nicht immer einverstanden. Gewaltsam aufgelöste Demonstrationen richteten sich auch gegen den wachsenden westlichen Einfluss und gegen die weitere Entwicklung des Tourismus, der nur Alkoholismus und Prostitution bringe.
Seit April 2004 gelten strenge Strafen für gleichgeschlechtlichen sexuellen Verkehr - 25 Jahre Haft für Männer, sieben für Frauen. Sie sollen das Land "vor zunehmender Akzeptanz eines besorgniserregenden Verhaltens" schützen, das homosexuelle Touristen mitbrächten.
Im Kampf gegen die verfemte westliche Dekadenz scheint man zu immer schärferen Mitteln zu greifen. Im muslimischen Fastenmonat Ramadan 2004 wurde das Essen und Trinken in der Öffentlichkeit auch für Touristen untersagt. Miniröcke in der Öffentlichkeit zu tragen ist nicht empfehlenswert. Die "Löwen Gottes", islamistische Splittergruppen der JUMIKA ("Vereinigung für Erweckung und muslimischen Unterricht"), haben schon einheimische Frauen zusammengeschlagen, die kein Kopftuch und unislamische Kleidung trugen - das offizielle Sansibar zeigte sich distanziert.


Ausblick?

1999 hatte es eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit zwischen den beiden großen Parteien in Sansibar gegeben, die nicht viel brachte. Erst bei der Wahl 2010 haben beide Parteien eine gemeinsame Regierung gebildet, die einzig sinnvolle Folgerung aus der seit Jahrzehnten bestehenden Pattsituation bei Wahlen. Dieser wunderschönen Insel ist eine friedvolle Entwicklung zu wünschen. Tourismus und internationale Hilfe hängen ab von der Konfliktbewältigung auf einem Eiland, das immer noch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen neigt. Denn Frieden kommt erst dann, wenn Eliten Frieden sagen.

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