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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(85) Kurgast im Hotel zur lockeren Schraube (2. Aufenthalt) Teil IV

24. Juni 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Burn Out - Tinnitus u.a. Krankheiten

Datum: 17. Juli 2005 19:07:22 MESZ
Betreff: Aw: Antwort
Zurück in Ahrweiler
Hallo, meine liebe M! Es war sehr schön mit meinen Geschwistern und mit Jörg und Marga in Boppard. Mit dem Boot waren wir in Koblenz, haben das Bild wiederholt, das Klaus und Marga vor 30 Jahren vor dem potthässlichen Denkmal da gemacht haben und abends sind wir in einem sehr guten Restaurant essen gewesen. Nach 10 Tagen der erste Wein (hab ich kräftig gemerkt, hatte ja auch einen kräftigen Schluck) und die erste Pfeife. Letztere hat leider nicht so gut geschmeckt. Und danach haben wir in einem Weinlokal rumgeblödelt und anschließend war Feuerwerk. Wg. Sommerfest. Ich dachte, dass nach Rio kein Feuerwerk mein Interesse wecken könnte, aber falsch gedacht. Ich mag dieses Gezische und Geknallte und diese Explosionen, besonders am Schluss. Der Himmel war voller noch nie gesehener Sterne, die langsam verloschen.
Marksburg.jpegHeute die Marksburg besucht. Es ist die einzig vollständig erhaltene Burg seit dem Mittelalter. Sie sind dabei, die Außenwände original zu verputzen. Das wird bunter. Die haben gar nicht so grau gebaut wie wir das heute so sehen. Aber mit den Herrschaften da tauschen, das wollte ich nicht. Die Führerin hat die Herkunft von ein paar Sprichwörtern erklärt.
„Leg mal einen Zahn zu“ 
kommt von dem sägeartigen Gehänge über dem offenen Kamin. Den Topf einen Zahn nach unten, näher ans Feuer zu hängen bedeutete, schneller zu kochen.
Oder die berühmte „Gardinenpredigt
“. Die kriegte der Mann hinter der Gardine des Bettes. Und die brauchte man um die Wärme besser zu halten. Auch gelernt:
Der heute weltweit gebräuchliche militärische Gruß
kommt von der Bewegung der Ritter, den Helm aufzuklappen. Rechte Hand ans Gesichtsgitter und nach oben geschoben.
....Heute Abend bin ich wieder müder. Mag sein, dass die Reise doch anstrengend war. Das ärgert mich.
....Ich verabschiede mich. Es ist noch immer heiß hier, wie bei uns in Dar es Salaam aber ohne die hohe Luftfeuchtigkeit. Mir gefällts. Andere schwitzen sehr, besonders die Beleibten. So sparen sie Sauna. Hier gibt es viele Beleibte. Aber wenig Beliebte. Behaupte ich mal so. Sie haben sich mir noch nicht vorgestellt.

Datum: 18. Juli 2005 18:43:35 MESZ
An: Stefan&Mirjam / Mnero-Tansania
Betreff: Aw: Re: Bericht aus dem Hotel zur lockeren Schraube Teil II
...Ich komme am 22.8. nach Dar es Salaam zurück. Aber am 24. muss ich schon wieder nach Arusha weiter. Da ist ein großes regionales Seminar mit allen relevanten Parteiführern. Das hatte ich schon vor meinem Abflug organisiert. ... Natürlich will ich Euch noch mal sehen vor eurer Rückreise nach Deutschland.....
Besonderen Gruß an die Kinder und einen dicken Abrazo an Euch

Von:  Carina
Datum:   18.07.2005 23:41
Betreff: AW: Bericht aus dem Hotel zur lockeren Schraube Teil II
Guten Abend mein lieber Onkel,
ich sauge gerade deine Berichte auf - vielleicht solltest du mir immer
Zusammenfassungen schreiben, die ich für meine Leben und mich verwenden
kann. Meine Lebensgeister sind nicht mehr so ausgeprägt, wie sie einst waren -
hat sich aber schon lange vor diesem Jahr angekündigt. Die Welt scheint
nicht mehr einfach so bunt zu werden, mein Blick genügt nicht mehr -
weder mir noch anderen. Und sollte er einmal ausreichen, bin ich nicht
mehr zufrieden....

Datum: 20. Juli 2005 18:51:11 MESZ
An: Carina

Betreff: Aw: AW: Bericht aus dem Hotel zur lockeren Schraube Teil II
Liebste Carina!
....Alles, was ich von dir höre, zeigt nach meiner Laienkenntnis erschreckende Symptome von Depression. Letzteres ist eine Krankheit und keinesfalls mit der mittlerweile volkstümlichen Bezeichnung des temporären Schlechtgehens zu verwechseln. Schlecht gehen tut’s jedem mal. Depressionen unterscheiden sich davon durch typische Krankheitsverläufe bedingt durch reale Veränderungen im Gehirn. ....Mit Depressionen soll man nicht spaßen, sie können lebensbedrohlich sein und haben eine hohe Mortalitätsrate. Das Dumme ist, bei Krankheiten wie Lungenentzündung, Unterschenkelbruch, Bauchspeicheldrüsendefekt oder was auch immer gehen wir treu und brav und vor allem selbstverständlich zum Arzt. Und legen uns ins Bett und lassen und krank schreiben und jeder hält das für normal. Bei Depressionen nicht. Man schämt sich ihrer. Das war der kritische Punkt überhaupt, anzuerkennen, dass ich krank bin.
Was bei Depressionen im Gehirn abläuft und weswegen man Pillen braucht, hab ich auch gelernt. Eine Hypothese sagt, die Neurotransmitter (Botenstoffe) Noradrenalin und Serotin sind reduziert. Die sind mit anderen zuständig für den Transport von Nachrichten an die Nervenenden, die Synapsen. Noradrenalin ist für Energie, Motivation und Antrieb zuständig und Serotonin für Impuls, Sex und Appetit. Wenn die fehlen, reduzieren sich naturgegeben auch alle oder einige der Informationen und Gefühle und Stimmungen gehen runter und die Angst steigt. Tabletten versuchen, da einen Ausgleich durch Erhalt und Neuschaffung von Botenstoffen hin zu kriegen. Das ist künstlich und muss durch Behandlungen auf natürliche Art wieder repariert werden.(Die Abläufe sind noch komplizierter, da steht, man muss sich das als Mobilen Zustand vorstellen, der instabil geworden ist).

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