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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(85) Kurgast im Hotel zur lockeren Schraube (2. Aufenthalt) Teil VI

28. Juni 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Burn Out - Tinnitus u.a. Krankheiten

Datum: 24. Juli 2005 10:46:06 MESZ
Betreff: Aw: Allein
Liebste M!
Gestern war nicht gut, heute geht es bergauf. Diese Phasen mag ich gar nicht. Hab’s aufgeschrieben.
Gegen 16.00 Stimmung auf 2 abgesackt. Trotzdem BB! Alles sagen, soll mich zum Sport quälen wenn notwendig, weil bestes Heilmittel. Nun ja. Zerrung im Oberschenkel nimmt zu. Alter! Ich mag das Altern definitiv nicht, das ist jetzt schon mal klar.
Unangenehm das Gefühl, in so ein Loch zu rutschen, dem Weinen näher zu sein als dem Lachen, ohne genau zu wissen warum. Ich weiß, dass ich da wieder raus komme, aber es kommt mir vor wie verlorenes Leben. Keine Energie zu nix. Und immer das Gefühl, das Rettungsboot entfernt sich. Ich glaube, ich geh heute Abende einen trinken.
21.00 Wieder zu Hause. 3 Schoppen, mehr ging nicht. Hab im Hof der Weinschänke gesessen und gelesen. Mag diese Traurigkeit nicht, mag nicht. Dann kommen die Gedanken, alles sei schon gewesen. Gut gewesen, ja. Nicht viel sei mehr zu erwarten. Nur Seitenstechen und Ischias. ...Ich möchte heim.
23.00 Bin sauer. Glaubt doch keiner, in was für Löcher ich rutsch. Kann sein, dass die Abwärtsfahrt beim Schuh anziehen begann. Seitdem humple ich. Das Alter trifft mich bitterlich.
Ich schreib dir diese Dokumentation, weil ich möchte dass du auch das weißt (gerade merke ich, auch deshalb, um mit jemanden darüber zu reden).
Das war gestern Abend. Heute geht es besser. Machs gut, meine Liebe, ich umarme dich fest. Ach noch was: wo meine Heimat ist, weiß ich nicht so genau. Doch eins ist klar: Bei dir hab ch eine.

Datum: 25. Juli 2005 19:11:57 MESZ
Betreff: Aw: gestern und heute
Du meinst, ich soll die schlechten Tage einfach vorbeiziehen lassen wie schlechtes Wetter und basta? Die Psychologin tendiert auch zu so einer Strategie (und wer hat jetzt noch Mitleid mit mir und meinem armen Seelchen???). Und dann dreht sie die Betrachtungsweise rum. Ich sage, das älter werden macht mir Schwierigkeiten. Warum fragt sie?. Ich sage nun ja, zwengs der Wehwehchen die zunehmen, zwengs der Falten und anderer hässlichen Veränderungen und sonstigem Trallala. Und dann sagt sie: was verändert sich denn nicht. Und arbeitet raus: das immense Wissen (sie unterscheidet zwischen Alltagswissen und dem Wissenskern. Ersteres kann zurückgehen und man wird vergesslicher. Letzteres ist ein Kern von Wissen und Kenntnissen der nicht flöten gehe). Andere beraten und Vorbild sein, kommt raus. Gebraucht werden und so. Dann sagt sie was Interessantes, dass nämlich vieles im Gegensatz zu jungen Leuten im Alter leichter ist. Ich wisse, dass ich ein guter Vater sei. Ich brauche keine Entscheidung in der Partnerschaft, habe im Gegenteil ein tiefes Vertrauen in die Beziehung etc. etc. Das Spiel macht sie dauernd. Sie macht mich aufmerksam, dass die andere Seite meiner Konfliktscheuheit die diplomatische Form sei, mit denen ich Menschen begegne. Meine Angst vor Konflikten verhindere, unmenschlich zu sein, anderen auf den Füßen herumzutrampeln.

Der Mond ist aus Eisen, 3476 Km im Durchmesser und fast alle Deutschen glauben, dass er einen Einfluss auf uns hat. Glaub ich auch. Da sitzen die meisten Deutschen in Afrika auf ihren Balkons rum und trinken was.

Tafelspitz gab es. Ich bin lieber spitz an der Tafel. Der Spitz schmecke, sagen die Anderen, vorzüglich mit der Pfifferlingssoße.

Datum: 26. Juli 2005 19:28:03 MESZ
Betreff: Aw: ich an dich
Noch 3 Wochen!! In 3 Wochen hoffe ich, so Gott will, bei dir zu sein, liebste M!
Kannst du dir das vorstellen? Ich noch nicht.

Heute über japanische Management - Philosophien gelesen. 1 Manager wurde nach Holland geschickt um die (mittlerweile japanische) Fa. dort zu leiten. Getreu dem Prinzip, dass Manager die Sprache können müssen und sich den kulturellen Gewohnheiten anzupassen haben, lernte der Mann japanfleißig Holländisch. Nach Monaten hielt er seine erste Rede. Ein holländischer Arbeiter wird zitiert, der soll zu seinem Nachbarn gesagt haben: Donnerwetter, Japanisch klingt ja fast so wie Holländisch.

Aus dem Raucherraum schallt wieder Gelächter. Dort sitzen Leute und spielen, reden, schauen fern und meist sind sie freundlich gestimmt. Den Aufenthaltsraum der Nichtraucher dagegen beherrscht eine trübe Stimmung.

Gerade hab ich auf meiner Mailbox vom Handy 2 Anrufe eines erregten Vaters. Er will seine Tochter sprechen. Ich hab sie wirklich nicht. Hoffentlich kommt der nicht selbst vorbei.

Von: mayre/ Dar es Salaam

Datum:
26. Juli 2005 20:56:49 MESZ
Betreff: Nach der Sitzung
....Guck mal unter deinem Bett oder im Kleiderschrank, ob du die Tochter nicht doch irgendwo hast!
....Ich fahr mit Martin&Petra nach Sansibar
Sansibar mit M - 3
Datum: 27. Juli 2005 19:13:59 MESZ
Betreff: Aw: Tschüs
 
...Zwengs meiner ungebremsten Lust auf Süßigkeiten hatte ich mir als Alternative Lakritze überlegt und ein Kg davon gekauft. Die ess ich  gerne. Und außerdem, so hatte ich im Kopf, sind die nicht so gehaltvoll. Gleich der erste Abend ist in einer Lakritze-Fressorgie gelandet. Ich muss fast die Hälfte davon gegessen haben. Aber mindestens 300 Gramm. Am nächsten Tag sehen ich in der Energietabelle, dass ich über 1000 Kalorien verputzt hatte. Als Trost stand da: Fett: 0%. Ach wie gut.

Ich wünsche euch viel Glück in Sansibar, viele schöne Männer und ertragreiche Tauchgründe.
In Liebe und Verehrung

Sansibar

 

Datum: 29. Juli 2005 18:42:25 MESZ
Betreff: Freitag ohne M (wie lange noch???)
Liebste M - wo du auch sein magst, welche Arme, Beine, Brust und Schultern du auch bewundern magst, welche Fische du auch streicheln magst: ich grüße dich!


Datum: 1. August 2005 18:45:02 MESZ
An: mayre/Dar es Salaam
Betreff: Montag ohne M
Heute war ich sicher, eine Nachricht von dir zu finden. Aber nu bist du wohl noch am Strand von Sansibar. Dann bist du auch schön braun geworden und hast viele Geschichten.

Körperlich geht’s nicht gut, seelisch prima. Besser so rum. Bin müde. Voller Tag wieder. Nach Frühstück Englisch, 9.30 Salutogenese (wat en Wort!), 11.00 Psychologin, 12..00 Mittagessen, kurz schlafen danach. 13.15 Sport, 14.45 Vorbesprechung Abenteuerurlaub - nee, das ist eine Erfahrungstherapie. Wird großer Wert drauf gelegt. Dann BB, Abendessen, jetzt schreibe ich und lese will ich ja auch noch. In meinem Tagebuch steht: hoffe dass M wieder da ist. Ist sie nicht. Sansibart noch ein bisschen.

Salutogenese ist die Entstehung, sind die Bedingungen der Gesundheit. Bei der Definition, was Gesundheit ist, wurde mir klar, dass ich nicht mehr krank bin! Ich habe wieder Lebenslust, kann genießen, hab kaum Durchhänger, kann selbstbewusst auftreten, hab soziale Kontakte, finanzielle Absicherung und sonst noch einiges. Übrigens: eine eindeutige Definition von Gesundheit gibt es nicht. Das ist bei jedem Menschen anders, mag sein, ein wenig, aber different. Man kann das eher auf einem Balken eintragen von (links) krank zu (rechts) gesund. Ja, sagt die Psychologin, das wäre eine wichtige Erkenntnis. Da wären noch Nachhänger von der Depression, noch Ecken und Kanten, an denen zu arbeiten wäre, aber generell sei mein Eindruck sicher richtig. Gut. Jetzt muss es nur noch auf der freien Wildbahn hinhauen.
So, jetzt verabschiede ich mich, liebste M. Morgen bin ich auf Wanderschaft, der therapeutischen. Mittwoch, so Gott will, wieder zurück. Gehab dich wohl, lass es dir gut gehen, pass auf dich auf und bleib mir gewogen
In Liebe und Verehrung

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