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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

93) TANSANIA 2006: Parteienkooperation CCM-SPD Teil II

26. August 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

16.10. 2006. Herta schreibt und dankt für die Idee der neuen (alten) Freundschaft zwischen „unseren“ Parteien. Ihr Brief freut mich. Sie ist vom SPD-Geschäftsführer zur Beauftragten für den politischen Kontakt mit Tansania ausersehen worden. HERTA-BEI-DEN-SOLDATEN2.jpgIm Februar will sie wieder kommen. Ich schicke ihr eine Zeitungsglosse über Entwicklung in Tansania. Da wird die Geschichte von einem Wissenschaftler erzählt, der einen Stamm untersucht und ihn als unterentwickelt definiert. Später stellt sich heraus, dass diese Menschen sehr wohl in der Lage sind, sich selbst zu ernähren, sozial ausgerichtet sind, Kinder gemeinsam erziehen, friedlich mit den Nachbarn leben, alles Werte, die mit wachsendem ökonomischem Reichtum eher abgespeckt werden. Da fällt dann auch die Beobachtung hinein, dass die Frauen keine Waschmaschinen haben. Und deswegen hat mich Herta als Chauvi enttarnt. Ich hatte gewagt zu widersprechen, als sie behauptete, Waschmaschinen seien zur Frauenemanzipation notwendig. Weil sie überall überaus kompetent mitreden kann, hab ich sie gefragt, welcher Bereich ihr denn nicht liege. Haushalt, ihre Antwort.

Donnerstag den 19.10. 2006. Die Bayern kommen. Eine Delegation von 20 Leuten unter der Führung des Leiters der Staatskanzlei hat sich angesagt. Der Polizeipräsident ist dabei, Abgeordnete auch, Vertreter der Kirchen, sogar ein Führungsorgan des FC Bayern und Vertreter von Entwicklungshilfegruppen, sogenannte NGOs. Sonntag in 8 Tagen kommen sie mit einem gecharterten Jet aus Südafrika, landen abends um 5.00 in Arusha und fliegen am nächsten Tag um 5.00 von Dar es Salaam aus weiter nach Moçambique. Dazwischen wollen sie Entwicklungspolitik sehen, belehren und machen. Wir, die Deutsche Entwicklungspolitik - Kommune sind als Verfügungsmasse gebeten, zwischendrin mal zu erzählen, was hier so läuft. Die Botschaft ist ratlos, muss aber ein Programm basteln. Sie wissen nicht was sie wollen, sie wissen auch nicht was sie tun. Sie reisen in Entwicklungspolitik. Ich geh nicht hin. (Letzte Nachricht: sie bleiben in Arusha)

Freitag den 17.11.06  Bundestags Vizepräsidentin Frau Kastner muss betreut werden. Termine bei Freund Akukweti um 12.00 Uhr und um 2.00 bei der Parteileitung. Dazwischen Mittagessen. Kikwete ParlametMorgens schon hatte sie ein Gespräch mit dem Präsidenten. Der war, so Frau K. ganz angetan von der Idee, die Parteienfreundschaft wieder zu beleben. Akukweti hielt mich, wie es die Tradition unter Freunden gebietet, bei der Verabschiedung auf dem Hof an der Hand und K. hat sich nicht mehr eingekriegt: die FES hält Händchen!  Dann zum Hauptquartier der CCM. Ach, was ein Unterschied zum Flaggschiff der SPD in Berlin. Schmal, eng, 3 Stockwerke über eine Hintertreppe zu erreichen, Sicht auf verfallene Hinterhöfe in denen die Stadtmenschen, die einfachen, leben. Simple Büros, Sitzungsraum, an der Wand groß der geliebte erste Präsident Julius Nyerere und klein der aktuelle. Die FES wird gelobt für die Zusammenarbeit mit der CCM, sogar für welche, die wir gar nicht gemacht haben. Aber die Ausrüstung der Nyerere Bibliothek durch die Ebert Stiftung in 1974, die wird nie vergessen. Wir wollen nun auf zwei Ebenen die Zusammenarbeit verbessern. Einmal sollen SPD und CCM auf Parteienebene was tun, sich einladen, fördern, zuhören. Und die FES wird auf der 2. Ebene direkt mit der CCM Projekte durchführen. Eingekreist haben wir die Unterstützung bereits auf Frauen- und Jugendförderung. Es läuft wohl auf die Verbesserung von politischer Kompetenz hinaus, auf Führungskräfte und Managementqualitäten. Bis 2010, hat der Präsident Frau K gesagt, will Tansania 50% Frauenanteil im Parlament erreicht haben. Es nutzt ja nichts, wenn die nur da sitzen.

Heute Abend gehn wir nicht auf den Empfang. Das wird mir noch zu viel. Und Empfänge, na ja. Meist sagen wir, wir mögen sie nicht und bleiben dann so lange, dass wir bei den Letzten sind.   

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