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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(94) Tansania 2005: Hanne & Jörg in Afrika Teil III

1. September 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Osten. Angela ist zu uns gestoßen, sie ist Mitarbeiterin von R und für Frauenprogramme zuständig. Zum Glück gibt es im Jeep eine dritte Sitzreihe hinten! Angela hat eine afrikanische Figur. Jetzt wird es landschaftlich interessant. Schon am Vortag haben wir unterschiedliche Gegenden gesehen: Erst die Außenbezirke von Dar es Salaam, viele armselige Hütten, zersiedelte Landschaft, jedes Fleckchen Grün ist bei genauerem Hinsehen ein Stück bewirtschaftetes Land. Dann kommen über weite Strecken Sisalplantagen, sie wurden ursprünglich von den Deutschen in der Kolonialzeit angelegt. Später dann die Usambaraberge. Wir streifen sie nur. Sie sollen eine ganz eigene Vegetation haben, ein Viertel der Pflanzen sind endemisch, d.h. es gibt sie nur dort (natürlich bis auf das gleichnamige Veilchen, das gibt es auf jedem Fensterbrett, zumindest in Deutschland). Jetzt also, nachdem wir Arusha hinter uns gelassen haben, (den Kilimanjaro sehen wir auf der Hinfahrt nicht, er ist leider meistens in Wolken) beginnt die Maasai – Steppe. Ein weites Grasland, das sich bis  nach Kenia hineinzieht. Jetzt, am Ende der Trockenzeit, ist alles verdorrt, teilweise schaut die blanke Erde heraus. Hier ist die Heimat dar Maasai, sie sind wohl der bekannteste Stamm in Ostafrika. Man begegnet ihnen bis in die Städte hinein, aber hier sind sie zu Hause. Sie sind eines der wenigen Nomadenvölker die ihre alte Lebensweise weitestgehend beibehalten haben. Ihr Reichtum sind ihre Viehherden. Sie ernähren sich hauptsächlich von halb rohem Ziegenfleisch und trinken ab und an Milch ihrer Kühe, vermischt mit Blut. Sie sind unverkennbar: Maasai.jpgSehr große Menschen, ganz ganz dünn, mit traditioneller Kleidung, Umhang und langem Hirtenstock (auch in Dar es Salaam, hier aber häufig auch noch mit verspiegelter Sonnenbrille  und Nike-Turnschuhen). Sie sind sehr stolz und – in unseren Augen – unglaublich arrogant. Jedenfalls lassen sie sich auf keinen Fall fotografieren, es sei denn, man bezahlt dafür. R sagt, sie sind teilweise sehr reich, weil ihre Herden einen großen Wert darstellen. Der geldwerte Reichtum aber interessiert sie nicht, nur ihre Stellung innerhalb der Tribu (des Stammes) und da gilt: je mehr Rinder um so angesehener. Ihre Lebensweise ist inzwischen ökologisch nicht ganz unproblematisch, da es durch Überweidung zu Erosion kommt und das Ökosystem zerstört wird.
Mit H&J in Kathesh (FES)& Arusha - 31Wir stoppen, weil eine Herde über die Strasse getrieben wird und können relativ unbemerkt - ein paar Fotos machen. Überall sehen wir plötzlich die Herden im Dunst auftauchen. Wir fühlen uns wieder wie in einer anderen Welt.

Nach 5 Stunden Fahrt, davon 3 Stunden Schotterpiste, sind wir – kräftig durchgerüttelt -in Katesh angekommen. Wir werden von Mary herzlich begrüßt, sie warten schon seit Stunden auf uns. Mit-H-J-in-Kathesh--FES---Arusha---21.jpgDer Ort ist ein echtes Kontrastprogramm zum Rivertrees. Staubige Strassen, trostlose Hütten und Häuser. Unsere Unterkunft: First Class in Katesh – na ja, man kann nicht alle Tage im Rivertrees nächtigen!

Aber wir treffen hier interessante Menschen. Allen voran Mary, die Leiterin der Gruppe, die wir besuchen wollen. Sie ist über 60, eine Frau, die nur so vor Energie und Tatkraft sprüht. Sie arbeitet unter armseligen Bedingungen. Wir besichtigen ihr Büro (ein hoch gegriffener Begriff, eher ein Verschlag) und dann sehen wir eine Aufführung ihrer Theatergruppe. Wir sitzen im Freien, aufgereiht wie die Hühner auf der Stange. Mary sitzt nebMit-H-J-in-Kathesh--FES---Arusha---5.jpgen mir und dolmetscht mir ins Ohr, was die jungen Darsteller auf Kisuaheli vorführen. Es geht um Aids- Aufklärung. Ein sehr wichtiges Thema! Wir erleben, wie mit sehr viel Engagement untermalt von wunderbar melodischem Chorgesang , die Thematik den Dorfbewohnern nahe gebracht wird. Und tatsächlich – ohne Einladung oder vorherige Bekanntmachung kommen die Leute – erst die Kinder, dann Erwachsene hinterher. Alle sind hingerissen.

Mit-H-J-in-Kathesh.pngDann hält R eine Rede und überreicht Geschenke. Alle Darsteller werden zu einem gemeinsamen Abendessen mit uns eingeladen. Jörg hat einen Film von der Aufführung gedreht, abends zeigen wir ihn den jungen Leuten. Wir versprechen, Abzüge von den Bildern zu schicken.
Mary erzählt, dass sie gerne in viel mehr Dörfern auftreten würden, aber nicht das Geld für die Fahrten und mal eine Flasche Wasser (!) hätten, um sich nach der Aufführung den Staub aus der Kehle zu spülen! Mary fasziniert mich. Am nächsten Tag lädt sie uns ein in ihr Haus. Ich bin bestürzt, wie man so leben kann! Für unsere Maßstäbe unglaublich arm. Aber sie ist wohlhabend, verglichen mit den meisten. Sie erzählt mir, dass sie Lehrerin war, später Schulinspektorin. Ihr Mann ist Tierarzt. Sie haben 10 Kinder, alle inzwischen erwachsen. Alle haben eine akademische Ausbildung. Und dann ihr soziales Engagement. Wie macht sie das nur? Eine echte Powerfrau! Zum Abschied drückt und herzt sie mich. Wir werden gelobt, weil wir den Regen mit aus Deutschland gebracht haben, das ist eine besondere Auszeichnung (am zweiten Tag sehen wir eine weitere Aufführung in einem anderen Dorf, und es gibt einen kräftigen Regenguss, der aufs Wellblechdach prasselt. Die Freude ist riesig.).

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