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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Ägyptologen unter sich

31. Juli 2012 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Andere Welten - andere Probleme

Du Parc Gardasee Montag, 23. Juli 12:43, 31 Grad im WoMo, bewölkt zeitweise, abends Gewitter. (Da konnte ich noch mit allen Fingern tippen.)

3000 Jahre war der Schlüssel verloren, die ägyptische Hochkultur nur in Sagen und Märchen konserviert. An den großen Grabmäler der Pharaonen versuchte sich der Wüstensand, doch nur einige wenige konnte er bedecken. Nur die Grabräuber kannten ihre geheimen Gänge und realen Reichtümer in langer Familientradition. Geheimnisvolle Götter regten Phantasien an, ganze Opern wurden Isis und Osiris geweiht. Sogar Mozart und Schikaneder haben sie in der Zauberflöte verbraten, Freimaurer in ihren Rieten verehrt. Doch Genaues wusste man nicht (mehr). Den ersten großen wissenschaftlichen Ansatz hat Napoleon initiiert. Er nahm auf seinem Feldzug in Ägypten Fachleute der unterschiedlichsten Sparten mit, lies Zeichner Denkmäler naturgetreu abbilden, ließ graben und erforschen was lange im Dunst der Geschichte verweht worden war. Doch die Zeichen an den Wänden mit ihrer Bildersprache verbargen weiter die wahre Geschichte. Bis Champollion sie entschlüsselte. Die Ergebnisse der napoleonischen Expedition, in Ausstellungen und Veröffentlichungen in ganz Europa hatten einen Run auf die Geheimnisse ausgelöst. Und das Interesse an Kunstschätzen der Pharaonen immens gesteigert. Die Ägyptologie als Wissenschaft begann ernsthaft zu forschen, das Interesse von Snobs, Mäzene und Museen ließen die Preise für Kunstschätze explodieren. Grabräuber hatten Hochkontur, legale und illegale Exporte historischer Schätze machten Zwischenhändler reich.

Von dieser Zeit und einem überragenden Gelehrten verspricht das Buch von Christian Jacq, einem renommierten Ägyptologen der heutigen Zeit zu berichten. Das Buch heißt: „Der lange Weg nach Ägypten“ und hält leider nicht, was es verspricht. Champollion interessiert mich sehr, er, der die Hieroglyphen entschlüsselte, alleine, eine gigantische Arbeit die noch heute einzigartig da steht. Ägypten sehen und die alten Welten der Pharaonen erforschen war sein Traum, der 1828/29 in Erfüllung ging. Diese Reise nachvollziehen, dachte ich, sei eine gute Gelegenheit in die Welt des alten großartigen Reiches einzutauchen. Ja, die Reise wird beschrieben, quasi als Nebenprodukt einer Geschichte von Intrigen zwischen Aufklärern der alten Kultur und Räubern ihrer Schätze - besonders auch europäischer Ganoven in feinem Gewande und hervorgehobener Stellung des damaligen von Türken besetzten Landes (noch immer verwundert es mich, welch kosmopolitische Bedeutung im gesamten Orient die Türkei hatte, sie beherrschte den vorderen Orient bis Nordafrika - eine globale Stellung eines Landes, das heute nur am Rande der Weltpolitik agiert und wahrgenommen wird.) Auch das war von Interesse, wie haben die das gemacht, die Türken, ihre enormen Eroberungen zu verwalten. Doch leider wird die erzählte Geschichte diesen Fragen nur peripher gerecht. Es wimmelt vor Stereotypen, die so nie gelebt haben können. Angefangen von den sich als Muselmane verkleideten Wissenschaftler, der in kürzester Zeit arabisch wie Einheimische zu sprechen in der Lage gewesen sein sollen, doch wahrscheinlicher als Vogelscheuchen herumsprang, über den Einheimische sich vor Lachen ausschütteten. So jedenfalls der erzählte Champollion. In der größten Hitze hätte er lachend gearbeitet, jeder Gefahr aufrecht getrotzt, immer nur seine Wissenschaft vor Augen. So Menschen gibt es nicht. So pittoresk und bizarr gelingt es selbst Filmen kaum, Ägypten Mitte des 19. Jahrhunderts darzustellen. Es ist alles überspannt und keinem Jugendroman würdig. Einem, der verspricht, historische Wahrheiten nachzuzeichnen schon gar nicht. Ich hab aufgehört zu lesen. Schade. 

Agypten---42.jpg

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