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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Als Senior-Experten in Iasi: was wir so machen und wie wir wohnen

28. April 2014 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Andere Welten - andere Probleme

Sonntag, 27. April 2014 12:34
Nachher werden wir von Mircea & Liliana abgeholt und irgendwo auf dem Land zum Essen ausgeführt. Sie kümmern sich rührend, teils weil sie freundlich sind teils weil wir hier im Internat am Wochenende nicht verköstigt werden. Die Schüler sind nach Hause gefahren und das Küchenpersonal hat frei.

Essen und Schlafen tun wir in einer Landwirtschaftsschule am Rand von Iasi, rundum Felder, Gärtnerei, ein Weinberg, Spalierobst, die Schüler lernen praktisch. Und leben hier. Und weil Liliana kein Internat mehr hat - manche Gebäude sind nicht mehr sicher - hat ihre Freundin Rektorin einen Platz in ihre Schule zur Verfügung gestellt. Wenn die Schüler im Internat sind, ist abends Discomusik und Geschäker und Türenknallen angesagt, aber um halb zehn ist Schluss. Das Zimmer ist klein, erinnert an unser Wohnmobil. Rumanien_Iassi-1003.jpgWir sind es gewohnt, dass einer nur sich anziehen kann, der andere muss sich verdünnisieren. Oder nur einer am Schreibtisch sitzen kann, der andere auf dem Bett liegt und was macht. Mein Bett hat seine Eigenarten. Nicht das Bett, sondern das Bettuch. Es folgt jeder meiner Bewegungen und hat sich in der Nacht irgendwann unweigerlich zu einem Klumpen unter mir verdickt sodass ich auf der Matratze liege. Dann muss ich aufstehen und alles wieder feststecken. Leider nutzt das nicht sehr lange. Das Bad ist OK, Wasser gibt es nur in Maßen, manchmal tröpfelt es, einmal kam gar nichts. Auch das sind wir gewohnt und haben Wasser in Flaschen, falls die Dusche beim Shamponieren ihren Geist aufgibt. Sie droht alleweil mit dünnem Strahl.

Morgens um 1/2 8 Uhr gibts Frühstück mit einer Tasse Kaffee und einer Kanne süßem Pfefferminztee. Dazu Weißbrot mit was Wurstigem, auch kleingepackte Marmelade (die Unsitte hat auch hier schon Einzug gehalten). Mittagessen ist von 2:00 bis 4:00 und Abendessen von 6:00 bis 8:00 Uhr. Auffallend oft gibt es Polenta, scheint ein Nationalgericht. Freitag Abends gabs Bohneneintopf mit Hähnchen und anderen Resten voP1090946.jpgn der Woche.

 

Um 8:00 Uhr morgens steht Liliana mit ihrem kleinen Wagen vor dem Tor, um 1/2 9:00 sind wir in Holboca, einem östlich gelegenen Vorort. Hinter der Stadt sieht man die Rückseite des rumänischen Erfolgs. Kaputte Fabriken, verrostete Rohrleitungen, ärmliche Häuser, Straßen mit tiefen Löchern, Zigeunerfrauen (schön bunt) und graue Landschaft. Oben auf dem Hügel liegt die technische Schule, ein Teil der Bauwerke in beklagenswertem Zustand. Dächer mit Löchern, Wände schief, Fenster starren einen wie die leeren Augen von Zombis an. Das Hauptgebäude ist renoviert, hier sind die Büros und Klassenräume. Die Werkstatt etwas weiter weg kann nur auf eigene Gefahr betreten werden, es hat es durch die Dächer geregnet und unter den Decken große  Platten durchweicht und abgeblättert. Es sieht eher aus wie in einer seit Jahren verlassenen Werkstatt mit verrosteten alten, zusammengewürfelten Werkzeugen und Ersatzteilen. Zwei Motoren stehen in der Ecke, die sehen ganz gut aus, sind geölt und dienen als Anschauung. So also sieht ein Motor von innen aus. Systematische Ausbildung ist hier nicht möglich, auch im Ausbildungssystem nicht unbedingt erforderlich. Die Schule vermittelt allgemeinbildende und technische Kenntnisse der Klassen IX bis XII. Letzteres per Anschauen wie mir scheint. Abendschulen und Meisterkurse habe sie auch.

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