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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Bei dem System kann man nur krank werden

26. März 2013 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Unsere Welten - unsere Probleme

26. März 2013 10:49 -. Im Tal vereister Schnee, 0 Grad, der Himmel sieht nach blau und Frühling aus. Irgendwo dahinter muss er lauern. Oder hat Bruno recht, dass der liebe Gott es dem Menschen zeigt, was er von Erderwärmung hält?
Dar es Salaam 13:00, 27 Grad, bewölkt, Rio de Janeiro 7:00, 24 Grad, bewölkt

M-krank.jpgUm nicht weiter Ping Pong zu spielen (du steckst mich an, ich steck dich an), sagt der Arzt, müssten wir beide Antibiotika nehmen. M lag zuerst um und hat mich animiert, es ihr gleich zu tun. Angenehm, so ohne schlechtem Gewissen den ganzen Tag im Bett zu liegen. Und nur abends auf zu stehen um ein wenig zu kochen und vom Bullerofen geheizt auf dem Sofa fern zu sehen. Manchmal nicht lang, das schöne Bett ruft. Wir strengen uns an, zu Ostern wollen wir fitt sein.

Michael Moore: Kapitalismus, eine Liebesgeschichte, gedreht nach dem großen Wirtschaftscrash 2007. 
Noch immer aufgewühlt. Dass es eine Veränderung im kapitalistischen System zum Raubtierkapitalismus gab, angefangen mit Reagan, dem sich Thatcher, Kohl, die Japaner und langsam alle  Industrienationen anschlossen, das war mir bewusst. Dass dies eine gezielte Strategie der Reichen in Amerika war, die ihre führenden Leute in die Schlüsselstellungen der Finanzpolitik unter Reagan einschleusten, ja sogar, dass Reagan einfach nur der Strohmann ihrer Strategie war, dem sie sagten, was zu machen sei, das war mir in der Klarheit und Deutlichkeit nicht bewusst. Das muss man sich vorstellen: Eine Clique von Leuten sieht die Möglichkeit, ungeheuer reich zu werden auf Kosten der Mehrheit, ja der ganzen Welt und dann tut sie es. Sie tut es einfach und hat Erfolg.

Vor der Wandlung zum Raubtierkapitalismus (oder muss man sagen: zur Rückkehr? Denn der Manchesterkapitalismus Mitte des 19. Jahrhunderts war nichts anderes, nur auf einem anderen, niedrigeren Niveau) vor der Rückkehr also des Raubtierkapitalismus war Amerika ein Traumland mit einer breiten Mittelklasse, Vollbeschäftigung, einem funktionierenden Gewerkschaftssystem, freiem Zugang zum Gesundheitssystem (in jedem Fall bezahlbar), gesicherter Altersversorgung, die meisten Leute hatten ein Haus, jedes 2. Jahr ein neues Auto, Arbeiter hatten 1 Monat Urlaub pro Jahr, man ging zur Kirche, hatte seine politischen Vorlieben und war sich bewusst, das beste System auf der Welt zu haben. Und die Reichen in den USA bezahlten in den 50er Jahren 90% ihrer Einkünfte über 200 000 $ an Steuern! (Ehrlich, das haben die gemacht und noch immer ging es ihnen gut
In Deutschland war es ähnlich. Wir hatten Vollbeschäftigung, Gewerkschaften, die dafür sorgten, dass von Zeit zu Zeit die Löhne an die Produktivitätssteigerung angeglichen wurden, immer größere Autos wurden vor den Eigenheimen gepflegt und Auslandsurlaube wurden selbstverständlich. Man nannte das die „Soziale Marktwirtschaft“ und leben und leben lassen war die Vereinbarung zwischen Kapital und Arbeit.

Das alles ist weg. In den USA, wie immer führendes Land, radikaler. Die Gewerkschaften wurden entmachtet, die Banken erhielten Freibriefe zur Ausbeutung, Gesetze zur Überwachung wurden entschärft, das ganze System so zugeschnitten, dass 1% der reichsten Leute letztendlich mehr besaßen als 95% von allen. Und ihr Reichtum ist unermesslich, kaum vorstellbar. (Ein Regierungsmitglied aus der Reagan und Bush-Ära hat die Fusion zur (damals) größten Bank der Welt (City Group) bewerkstelligt, gewechselt und verdient nun 175 Millionen US$ pro Jahr). Wer noch ein paar Daten braucht, was sich alles geändert hat in den USA, hier: http://michaelmoore.com/books-films/facts/capitalism-love-story

Und dann haben diese Hyänen der Gier das System gegen die Wand gefahren (2007). Und die ganze Welt mit in den Strudel der Bankenkrise gerissen. Und nach der Bankenkrise kam die Wirtschaftskrise. Arbeitsplätze gingen verloren, Löhne wurden gekappt, eine ganze Schicht wurde arm. Aber die Reichen bluteten dafür am wenigsten.

Im Film besucht Moore Menschen, die gerade ihr Zuhause verlieren, weil raffgierige Banker ihnen Kredite mit niedrigen Zinsen aufgeschwatzt haben, die immer weiter stiegen und die sie nach der Krise endgültig nicht bezahlen konnten. Sogar schon abbezahlten Häusern wurden durch Hypotheken neu belastet und zu Geld gemacht (neue Goldquelle genannt) und irgendwann Eigentum der Banken.

In Washington, D.C. deckt er auf, wie die Banken die Abgeordneten unter Druck setzten, als es im Oktober 2008 um die Verabschiedung eines 700-Milliarden-Dollar-schweren Konjunkturpakets („Bail Out“) ging (Moore sagt, da seien die Banken einfach mal beim Finanzministerium vorbei gefahren um sich das Geld abzuholen). Und er wagt sich in die Höhle des Löwen, sprich: an die Wall Street, um die Schuldigen an der ganzen Misere persönlich zur Rede zu stellen… Hilft natürlich nichts, ist klar. Geld ist geil.

Jede 7 1/2 Sekunden (2008) wurde in den USA ein Haus gepfändet. Unter Obama weniger. Die Mittelschicht ist massiv dezimiert, die Löhne reichen oft nicht aus und müssen durch 2. und 3. Jobs aufgebessert werden, wer ernsthaft krank wird ist zumeist pleite, Studenten müssen 100 000 Dollar Kredit aufnehmen und lebenslang zurückzahlen (es sei denn, die gehen an die Wall Street), kurz, das Leben in den USA ist für viele härter, brutaler geworden. Wann ändern sie etwas? Einzelne haben in ihrer Wut angefangen sich zu wehren, doch die große Masse, sagt Moore, glaubt noch immer an den (US) amerikanischen Traum, einmal genau so reich zu werden wie die Reichen. Und dann will sie in Ruhe ihren Reichtum genießen und sich nicht stören lassen durch aufmüpfige, missgünstige Arme.

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