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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Benicasim: Garp und wie er die Welt sah

8. Februar 2013 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Unsere Welten - unsere Probleme

 

8. Februar 2013 10:49 - 9 Grad. Heute Nacht 4 Grad. Aber in H - 3 Grad! Da frier ich ja schon beim  Zusehen.
Nachts Gasheizung an und Sparen abgestellt (hier in Spanien gibt es unser Gasflaschen zum Austausch nicht und Gas brauchen wir zum Kochen und dürfen nicht heizen). Wenn aber die Temperatur unter 8 Grad fällt, dann geht das Sicherheitsventil im Boiler auf und all das schöne Wasser fließt raus. Kann man nachfüllen, ja, aber mit dem Eimer ist das Lauferei.

Lese „John Irving: My Movie Business“. Mühselig ist offenbar, fertige Romane in Drehbücher um zu wandeln. Verfilmt wurden bisher: „Garp und wie er die Welt sah“; Das Hotel New Hampshire“ und „Gottes Werk und Teufels Beitrag“. Die Plot der Bücher muss erhalten bleiben, doch die Handlungsabfolge im Film hat anderen Regeln zu folgen. Und dann bietet er Einblicke in die Entstehungsgeschichten seiner Geschichten. Wer hat da Pate bei was gestanden (bei Dr. Larch in „Gottes Werk...“ sein Großvater). Nur Irving, scheint mir, bringt es fertig, diese trockene Materie spannend zu schreiben.

Benicasim PlayaDie gesamte Küste herunter kann man sie sehen, die Bettenburgen. Und grässliche Gebilde krönen wie Krähennester die Bergesrücken. Bis tief ins Innenland hinein verschandeln sie die Landschaft. Eine hinter der anderen, verschachtelt, gestaffelt, um den Blick auf Sonne und Meer buhlend.  Sonnenhungrige aller Welt vereinigt euch (ja, ja, wir gehören auch dazu).

 

Angefangen hat es in den 20er Jahren des letzten Jhdts. Hier am Strand zeugen noch ein paar wunderschöne Gründerzeit-Villen davon. Es waren zuerst die Reichen, die ins Wasser gingen. Die Regeln stehen noch da: Nur morgens zwischen 9-10.00 Uhr ist es gesund und nur für 5 Minuten. Und dann muss eine bestimmte Diät eingehalten werden, ansonsten bekommt das Baden einem schlecht. Im ganzen Land, in allen Zeitungen wurden die Ratschläge veröffentlicht, der Boom begann. Irgendwann kamen die Ausländer dazu und irgendwann wurde Sonnentourismus gesellschaftsfähig, irgendwann konnte auch der kleine Mann samt Frau sich den Urlaub in Spanien leisten und irgendwann auch den Traum, in diesen sonnigen Gefilden zu bleiben. Und irgendwann war es das große Geschäft mit immerwährend steigenden Preisen für Banken, Unternehmen und den Staat. Und wie das so im Kapilismus ist, wenn Geld gemacht werden kann, wird weiter gemacht, in diesem Fall gebaut. Irrsinnige Kapazitäten sind erstanden und jeder der Investoren war der Meinung, er ist nicht der Letzte, den die Hunde beißen. Und irgendwann, erst vor Kurzem, war dann doch das Ende der Hühnerleiter erreicht. Es ging nicht nur nicht weiter, sie platzte grandios, die Blase. Und die einzige Instanz, die Grenzen hätte ziehen können, der Spanische Staat nämlich, sei er sozialistisch, anarchistisch (ja, gut, die waren früher), royalistisch oder konservativ angehaucht, hat ebenso grandios versagt. Der Boom generierte Einkommen und Steuern und Krisen gab es nicht in ihrer bürgerlichen Theorie vom immerwährenden Wachstum. Die Dumpfbacken. Wenn dauernd auf einen großen Haufen (anonymen Markt nennen sie das) produziert wird in der Hoffnung, dass genügend Nachfrage da sei, dann ist die irgendwann gesättigt oder gestört. Das ist so. Schon immer. Und niemand lernt daraus.


Es waren nicht nur die sonnenhungrige Touristen, die den Boom anschürten. "Viele spanische Familien haben neben einer Wohnung in der Stadt ein Wochenendhaus auf dem Land oder am Meer. Nach Zahlen der Banco de España gab es Ende 2005 in Spanien ca. 23,7 Mio. Wohnungen (spanisch Piso) und 15,39 Mio. Haushalte. Damit kommen auf einen spanischen Haushalt 1,54 Wohnungen, die höchste Rate der Welt. 85 % der spanischen Wohnungen werden von ihren Eigentümern bewohnt, 15 % vermietet." (Wikipedia). In einer Wirtschaftskrise können Kredite nicht mehr zurück gezahlt werden, wenn die Arbeit knapp wird. Die Zweitwohnungen standen als erstes zum Verkauf, die Preise purzelten. Und die Banken saßen auf gigantischen faulen Krediten (sie hatten auch Leute animiert auf Abstottern zu kaufen, die sich das kaum leisten konnten). Jetzt stehn sie da, die Bettenburgen und warten auf Bewohner. Na ja, sind noch genug da.

 

PS: Hier im Ort scheinen uns die Immobilienangebote noch immer hoch und zum Verkauf steht wenig. 




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artemisia 02/08/2013 16:03


Hieß das nicht mal Costa dentista?

R.Einloft 02/08/2013 16:18



Nee, den ausdruck kenne ich noch nicht.  Trifft sicherlich einen historichen Aspekt. Wobei ich den Eindruck habe, dass auch ganz "normale" Bürger sich da eingekauft haben. Aber eine
Abschreibungsquelle war es auch.


Gruß RE