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Monday, 27. september 2010 1 27 /09 /Sept. /2010 14:37

Leute, packt eure Sticker mit der gelben Sonne wieder aus, los gehts. Mal sehn, wer hier wem zuletzt die Meinung geigt und die Zunge zeigt. Denn sie belügen uns nach Strich und Faden in Kooperation mit den großen Oligopolen der Stromerstellung.

Lüge Nr. 1: Ohne Atom gibt es eine Lücke in der Stromversorgung

Aha. Und warum exportieren wir dann Strom? Nochmals: Deutschland hat keine Stromlücke, sondern exportiert Strom ins Ausland. Energiepolitik ist besonders langfristig angelegt. 1999-2000, beim Aussteige-Kompromiss der Regierung Schröder, war für 2010 ein Anteil der erneuerbaren Energie von 12,5% anvisiert. Heute haben wir 40% mehr dieses Stroms, nämlich 17,9%. Der alternative Sektor wächst rasant und schneller als angenommen. Und wird auch so weiter wachsen. Windparkprojekte in der Nordsee mit einer Leistung von 20 Atomkraftwerken sind in der Planung und könnten in spätestens 20 Jahren fertig sein. Jährlich werden Solaranlagen mit einer Leistung von 3000 Megawatt installiert. Gaskraftwerke der Kommunen kommen hinzu. Nach der Stromkapazität gerechnet, könnten die Meiler früher vom Netz , nicht später

Lüge Nr. 2: Wir brauchen Atomstrom als Brücke zu der alternativen Energie

Genau andersherum wird ein Schuh draus: Atomstrom verstopft die Leitungen und zwingt die Windräder zum Abschalten. Wind und Sonne schwanken, ihre Energielieferung ebenso. Will man das Maximale an alternativer Energie nutzen, müssten sich die Atommeiler an die Schwankungen anpassen. Das können sie aber nicht, sie sind entweder an- oder ausgeschaltet. Stattdessen werden bei Stromüberschuss die Rotorblätter aus dem Wind gedreht. Je mehr der Wind weht, um so häufiger. Es ist schlicht eine Machtfrage: richtet sich das Netz nach den technischen Erfordernissen der Atomkraftwerke oder nach den Möglichkeiten alternativer Energiegewinnung? Die Oligopole der Stromerzeugung haben wenige große Stromerzeuger und danach ihre Leitungen und Masten  ausgelegt. Erneuerbare Energien aber sind dezentral, liefern durch unzählige kleine Anlagen.

Die Schwankungen in Erzeugung und Nachfrage von Strom können nicht, wie gesagt, durch Atomstrom und Kohlekraftwerke ausgeglichen werden. Dazu sollten die Gaskraftwerke beitragen, die Strom durch Kraft-Wärme-Koppelung und gleichzeitig Heizwärme erzeugen. Viele Stadtwerke haben den Bau solcher Anlagen geplant. Die Verlängerung der Atomlaufzeiten ändern plötzlich die Geschäftsgrundlage. Längere Laufzeiten bedeuten längere verstopfte Netze. Schon jetzt werden die Planungen neu überdacht und gestrichen. Die durch Atomstrom verstopften Leitungen verhindern erst einmal das Wachsen alternativer Energien.

Im Know-how für Wind- und Solarstrom gehört Deutschland weltweit zur Spitzengruppe. Weiterhin Atomstrom erzeugen nimmt Forschung, Entwicklung und Investition in alternative Energien einen Teil ihrer Attraktivität. Und das wäre für die zukünftige Wirtschaftsentwicklung in Deutschland fatal.

 Lüge Nr. 3: Der Strompreis wird mit alternativer Energie teurer

Richtig ist, dass der Umbau auf alternative Energieversorgung Unsummen kosten wird. Neue Anlagen und vor allem neue Leitungsnetze müssten her. Unsummen aber haben Kohlekraftwerke und Atommeiler auch gekostet - mit massiver Unterstützung durch die Steuerzahler. Jetzt heißt es, wir brauchen den Atomstrom, um den Strompreis zu halten. Verschiedene Institutionen haben berechnet, dass längere Laufzeiten den Strompreis um höchsten 5% reduzieren. Der erste, der den Strompreis regulieren könnte, ist der Staat, der erhebt erhebliche Steuern auf Strom. Und der zweite sind die Stromkonzerne selbst. Sie verdienen sich dumm und dämlich. RWE z.B. hatte im letzten Jahr eine Umsatzrendite von 12%! Siemens und BASF dagegen nur die Hälfte. Müssen die so viel Rendite machen oder gings auch mal unterhalb Ackermannscher Profitmaximierung? (Obwohl, der visiert bekanntlich 25% für seine Deutsche Bank an). Der Strompreis könnte ordentlich gesenkt werden auch ohne Atomreaktoren.    

Lüge Nr. 4: Unsere Atomanlagen sind die modernsten und sichersten der Welt

Wie bitte? Der deutsche Atomkraftwerkspark ist der drittälteste der Welt! Neckarwestheim 2, das jüngste AKW, ging vor 21 Jahren ans Netz, das älteste Kraftwerk ist 36 Jahre alt. Betriebszeiten von 50 Jahren und mehr wurden bisher noch nirgends ausprobiert. Würden für diese Anlagen heute zum Bau beantragt, der TÜV dürfte sie nicht zulassen. Es fehlen überall Sicherheitsstandards der modernen Atomanlagen. Schon heute weiß man, je älter eine Anlage um so störanfälliger. Deutschland lag schon letztes Jahr auf dem drittschlechtesten Platz, was die "ungeplante Abschaltung von Atomanlagen" anging.

Eigentlich hätten die Anlagen schon längst nachgerüstet werden müssen. Doch im Atom-Kompromiss 2000 wurden den Konzernen die teuren Investitionen erlassen. Das war ein Teil des Deals. Weil man dachte, es wäre nur für kurze Zeit. Denkste. Merkel und Co verzichten lässig auf Sicherheit.

Ich gestehe, ich habe bis heute Angst, dass so ein Ding hoch geht. Wahrscheinlichkeitsberechnungen sagen nichts aus über den Zeitpunkt, wann ein GAU passiert. Nur eins ist sicher: was passieren kann, passiert auch.

Lüge Nr 5: Die Entsorgung ist gesichert

Nun ja, so weit geht noch nicht einmal die Atomlobby. Denn bis heute gibt es auf der Welt kein Endlager für Atommüll! Alles was sie haben, sind unsichere Versuche. Und doch machen sie weiter als wäre nichts besonderes. Mir bleibt die Spucke weg bei der Chuzpe.

Noch eine Anmerkung zum demokratischen Verfahren:

Demokratie war gedacht: die Bundesregierung macht Vorschläge zu neuen Gesetzen, das Parlament stimmt darüber ab. Nächtliche Verhandlungen mit Nutznießern und Konzernbossen kommt in dem Verfahren nicht vor. Anscheinend doch bei Merkel & Co, den super Wirtschafts-Lobbyisten.

 

(viele Ideen habe ich aus dem Stern Nr 39, einiges wusste ich selbst, wie auch nicht bei einer Technologie, vor der ich Angst habe)

 

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