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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Die Westerwelle II

21. Februar 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Unsere Welten - unsere Probleme

Er wütet weiter, unser Außenminister, der Guido. Ja ja, Außenminister ist er auch noch, profilieren tut er sich als innenpolitischer Schreihals. Jetzt hat er die Sozialschmarotzer im Visier, die nur Geld vom Staat nehmen und nichts arbeiten wollen. Nein, Guido meint nicht die Reichen und die Schönen, er meint die Arbeitslosen, die Hartz IV Empfänger. Sie würden nicht genügend sanktioniert, würden angebotene Arbeit verweigern. Da ist sie wieder, seine Peitsche. Und wieder arbeitet er mit doppeltem Boden.

Aber freilich, sagen wir, wenn das so ist, dass die lieber auf der Fensterbank lehnen und den anderen beim Arbeiten zugucken, dann muss da Druck her. Darüber regen sich die Stammtische schon lange auf, ich auch. Aber ist das so?

Schon immer hat es sie gegeben, die Arbeitsverweigerer. Ich erinnere mich an das Studienfach Arbeitswissenschaft, da haben wir gelernt, dass sogar in den 60er, 70er Jahren bei Vollbeschäftigung ein Grundsatz von Menschen geregelte Arbeit verweigert haben. Das waren damals so ca. 60 Tausen.  Heute mögen es mehr sein. Stress, schlechte Arbeits- und Verdienstbedingungen sind nicht gerade animierend. Es bleibt nach wie vor, das es eine Randgruppe im großen Pool der Arbeitssuchenden ist. Die Statistik beweist es: überall, wo genügend Arbeit ist, sinkt die Zahl der Antragsteller auf Hartz IV. Genau da liegt der Hase im Pfeffer: es ist nicht genügend Arbeit da für über 3 Mio Arbeitslose. Und die Anreize, in den Niedriglohnsektor zu wechseln sind gering, die Steuer schlägt sofort zu und drückt Einkommen bis unterhalb Hartz IV. Und trotzdem arbeiten sie, die Kellner, Fensterputzer, Friseusen, Fahrradboten. Hut ab. Ungerecht finde ich auch, dass Familien mit Hartz IV ähnliche Einkommen haben können wie die Nachbarn, die arbeiten. Genau da müsste eine seriöse Diskussion ansetzen, Mindestlohn und steuerliche Förderung des Niedriglohnsektors verbessern, wie es Nachbarn schon längst tun. Holland hat höhere Arbeitslosenunterstützung, aber weniger Arbeitslose. Der Mensch verwirklicht sich durchweg in der Arbeit, will arbeiten, nur einige haben andere Prioritäten.

Wenn Menschen arbeiten wollen und nicht können, wenn es nur eine kleine Gruppe ist, die Arbeit verweigert, warum hat Guido sich gerade die ausgesucht zum draufhauen? Zwei Ziele verfolgt er meiner Ansicht nach: er speist Stammtischparolen, will Bauern fangen, macht Wahlkampf und lenkt ab von seiner Klientel, den Reichen und den Schönen.

Sind nicht eigentlich unter denen die Sozialschmarotzer zu suchen? Bei den Bankern, die Jahrelang Guidos neoliberale Wirtschaftstheorie ausgelebt haben, die Märkte unreguliert wollten, die Ich-Gesellschaft propagierten und sich schamlos bereicherten? Jetzt, wo sie den Karren gegen die Wand gefahren haben, da kriegen sie Steuergelder in Milliardenhöhe - und machen weiter als sei nichts gewesen. Sind nicht eigentlich die hochverdienenden Sozialschmarotzer, die an unserem Sozialstaat partizipieren, ihre Einkommen verschieben in die Schweiz oder sonst wohin und sich vor der gerechten Steuer drücken? Das ist unserm Guido seine Klientel, davon lenkt er ab, sie bedient er weiter. Der Schluri.

Wie sagt Seehofer so schön: Gott sei Dank ist es nur eine Westerwelle, kein Tsunami.

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träumerin 02/21/2010 21:06


Es ist wieder herrlich zu lesen, aber eigentlich ists ja garnicht lustig ....
Schönen Abend und nen guten Start in die Woche
Gruss B.


R.Einloft 02/22/2010 12:34


Da hast du recht, langsam wird´s unapettitlich, dieses nicht aufhörende Biertischgeschrei gegen alle Vernunft und Fakten. Und nun steigt auch noch die Zustimmung. Es macht mich fertig.
Eine schöne Woche wünsche ich dir
Gruß RE