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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Donaudelta mit Liliana, Mircea & Freunden Teil II

6. Mai 2014 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Andere Welten - andere Probleme

(Die Bilder zum Vergrößern anklicken)

  Donaudelta-Panorama

2. Mai Donaudelta Sonne


Babadag, sagt Irina, ist eine türkische Gründung. Wie überhaupt die Orte hier noch immer türkisch scheinen mit ihren Minaretten und Nachfahren, die anders aussehen. Diese ganze Ecke, sagt Irina, war ein wichtiger Handelsplatz und Schmelztiegel. Bulgaren, Tataren, Mongolen, Türken, Griechen, Ungarn, Roma, Menschen aus dem nahen und fernen Osten haben hier gelebt, gekämpft, geherrscht, sind überrannt worden, haben sich festgesetzt. Noch immer sprechen sie einen Dialekt mit Worten aus all diesen Sprachen. Wir sehen türkische Schilder mit kyrillischen Buchstaben geschrieben. Und über der Stadt alte Säulen, sie zeugen von römischer Geschichte. In der Nähe hat Ovid gedichtet. Reste menschlichen Lebens vor 100 000 Jahren v.Chr. hat man hier ausgegraben.

Das Delta ist mit 5 800 qkm mehr als doppelt so groß wie das Saarland. Eng miteinander verbundene Lebensräume von Schilfdickichten, schwimmenden Inseln, Altarmen, Seen und Auwäldern mit extremen Trockengebieten in den Dünen bilden ein einzigartiges Netzwerk, sind Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten (für H&J: man hat sie gezählt, bisher enthält der Katalog über 5000 davon. Das wär was für Euch!). Das Schilfrohrgebiet, lerne ich, ist weltweit das größte zusammenhängende. M sagt, ich glaubs nicht, hier gibt es Pelikane. Es ist die größte, in Europa vorkommende Kolonie (lerne ich: aus Wikipedia natürlich. Wer mehr wissen will, sollte da mal nachschauen).

Boris ist jung. Bootsführer müssen Erfahrung haben, das Delta verändert sich, Kanäle, Querrinnen, Fahrstraßen können morgen anders verlaufen. Auf dem Fluss dreht Boris den Motor hoch, der Bug hebt sich, wir kommen gut voran. Es ist der untere Mündungsfluss den wir befahren.  Mit einem weiten Bogen biegen wir in einen Kanal. Rechts und links dichter Baumbestand, schwer zu durchdringender Wald umschließt das Boot. Fühle mich zurückversetzt zu den Fahrten durch die Mangroven nach Ricaurte im Norden Ecuadors. Juan liebte es, plötzlich in den Blätterwald einzutauchen, Abkürzungen zu nehmen. Das hier ist ruhiger. Große Weiden stehen im Wasser, haben Inseln zwischen den Kanälen erobert. Schilf, Büsche, Disteln, Farne, am Rande ein Verhau der nicht zum Eindringen einlädt. Ich versuche es auch nicht. Die Kanäle und Wasserstraßen, mit Durchbrüchen verbunden, führen  durch Wälder, vorbei an Wiesen mit Kühen, die durch die Kanäle schwimmen, Donautelta-Boot--1-von-1-.jpgöffnen sich zu Seen, führen zu Schilfinseln, mal geht der Ausblick weit über das flache Delta, mal strecken sich die Arme großer Bäume über den Fluss, bilden Tunnels, mal stehen Bäume im Wasser, schwimmende Inseln von knospenden Seerosen lassen prachtvolle Blüten erahnen, mal tuckert das Boot langsam über seichte Stellen, mal schießt es im Bogen in die nächste Öffnung.

Fischessen Donautal - 3Natürlich gibt es Fisch um 4:00 zu Mittag. Und Schnaps. Und Rotwein. Taramosalat, und Fischsuppe mit ganzen Fischen auf einem Extrateller. Als Vorgericht. Und gebratenen Fisch als Hauptgericht. Palinca Mit Palinca natürlich. Und Polenta. Natürlich. Und Knoblauchpaste, die löffelweise aufgetragen wird. Mircea und Nico achten strengstens darauf, dass M immer genug Palinca im Glas hat, Wechsel sich ab im Nachschütten. Nein, kein Fisch als Nachtisch. Dafür Espresso mit Palinca. Wir übernachten im Hotel Esplanade in Tulcea. Mit Blick auf die Flussschleife und den Hafen. Schön eine Dusche zu haben, aus der Wasser kommt und ein breites Bett. 

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