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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Entwicklung

21. August 2012 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Andere Welten - andere Probleme

Dienstag, den 11. Juli 2012; 13:24 Uhr - Noch Sommer im Tal. Der Himmel bedeckt, mit Schleierwolken durchzogen, 26 Grad.Schwül-heiß, es soll gewittern. Dar es Salaam 29 Grad, Sonne, leicht bedeckt; Rio 22 Grad Sonne.

Bei Diamond in „Arm und Reich“ eine erschütternde These gelesen. Danach muss ich meine Einstellung zum Fortschritt in Afrika ändern. Er sagt, dass nur die Länder zu technischen Innovationen, Weiterentwicklungen, Teilnahme am globalen Handeln in der Lage sind, die seit 1000enden von Jahren mit den Machtzentren verbunden waren oder von denen besiedelt wurden, die intensive Landwirtschaft betrieben und weiterentwickelt haben. Nur deren Bevölkerung habe eine Tradition in der Handhabung vor Schrift, von Maschinen und sei vertraut mit zentralisierter politischer Macht. Zu diesen Ländern gehöre China mit seinem Einfluss auf Japan, Korea, Malaysia, Europa und die überseeischen Staaten wie USA, Australien, Brasilien, Südafrika. „Die Bewohner Afrikas südlich der Sahara, die australischen Aborigenes und die amerikanischen Indianer brauchen sich keine großen Hoffnungen zu machen...“ Entwicklungen, so seine Aussage, die sich seit 1000enden von Jahren abspielt und prägend waren, kann man nicht in einem großen Sprung nachholen.

Ich vermute, der Mann hat Recht. An der Unfähigkeit der ländlichen Bevölkerung zu Entwicklungssprüngen ist schon Nyerere in Tansania gescheitert. Und alle Entwicklungsbemühungen in Afrika scheitern daran. Auch im Hochland der Anden. Und anderswo. Das würde heissen, dass die moderne Elite dieser Länder, die sich mehrheitlich zusammensetzt aus westlich geprägten Intellektuellen, Zuwanderern und Investoren, die Adressaten für Entwicklung wären. Bei Senghaas habe ich das schon vor Jahren im Studium gelernt. In seiner Dependenztheorie ist es nur eine kleine Elite der EL, nur ein kleines Kreissegment der Bevölkerung, die am Entwicklungsprozess teilnimmt, die kommuniziert, interagiert und handelt mit der weit größeren Elite in den Ländern der Ersten Welt. Bei uns macht das Kreissegment der zu Eliten gehörenden so 2/3 der Bevölkerung aus, wir gehören fast alle zu den Gewinnern aus dieser Verbindung. Aber in den EL gibt es keine Verbindung von der winzigen Elitegruppe zu der Mehrheit. Senghaas meint sogar, Entwicklung aus Unterentwicklung sei nur möglich durch zeitweise Abschottung vom Weltmarkt. Zu der Meinung neige ich auch.

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Joachim 08/21/2012 17:57


Fortschritt ist relativ und hier wieder einmal aus der Sicht der kapitalistischen Gesellschaft abgehandelt. Politischer und gesellschaftlicher Fortschritt sollte endlich einmal sein, wenn die
Völker und ethnischen Gruppen, die nicht nach kapitalistischen Normen leben wollen, in Ruhe gelassen werden, damit sie nach ihrer Facon selig werden können. Heute allerdings reine
Utopie.


Herzl. Gruß


Joachim

R.Einloft 08/23/2012 13:11



Dem Fortschritt mistraue ich auch immer mehr. Das mit dem in Ruhe gelassen werden, habe ich auch lange gedacht. Geht heute nicht mehr, die Welt ist verknüpft und verwoben in alle möglichen Netze.
Ich hatte mal gedacht, ich wüsste was, jetzt weiß ich es besser. Keine Ahnung, wie das weiter gehen soll. Ob die zu kurz gekommenen irgend wann mal rebellieren? Marx allerdings hat dem
Lumpenproletariat kein Veränderungspotential zugeraut. Das gibt Hoffnung.


Beste Grüße RE