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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Gegen den Rinderfurz

23. Oktober 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Unsere Welten - unsere Probleme

Was wir essen hat mit der Klimaveränderung zu tun. Tierhaltung und damit Fleischkonsum ist zu mindestens 18% an der CO2-Emmision und damit am Klimawandel beteiligt. Weitaus mehr, als der weltweite Transportverkehr, denn alle Auto, Bahnen, Schiffe und Flugzeuge haben einen Anteil von 13% am CO2-Ausstoß. Das sind die Zahlen, die die FAO, die Food and Agriculture Organization of the United Nations 2006 veröffentlicht hat. Schockierend geradezu sind die neuesten Ergebnisse vom Worldwatch Institute (WWI) in Washington /USA, die im November/Dezember 2009 einen Artikel veröffentlicht haben mit der Aussage, dass die Produktion von Fleisch und Lebensmitteln tierischen Ursprungs weltweit deutlich mehr Treibhausgasemissionen verursacht, nämlich 51 Prozent. In deren Berechnung werden auch die Rinderfürze berücksichtigt, die aus Methan bestehen, einem Gas 25 mal schädlicher als Kohlendioxid (CO2). Die furzen uns noch das Klima kaputt wenn es so weitergeht.
Die bislang eher vernachlässigte Viehzucht - und damit der Fleischkonsum – ist also einer der größten Verursacher von CO2- Treibhausgasen. Selbst wenn alle fossilen Energieträger - Erdöl, Erdgas und Kohle - durch erneuerbare Energien aus Sonne, Wind und Wasser ersetzt werden können, verursacht die Viehzucht kontinuierlich und in stetig wachsendem Ausmaß Treibhausgase und klimawirksame  Boden- und Wasserschäden.
Dabei ist die ebenso rasant steigende Milchproduktion noch nicht einmal berücksichtigt. Sie verschlingt ebenfalls riesige Flächen an Weideland und beansprucht noch mehr Ackerflächen, um Futtermittel für die Massentierhaltung zu produzieren. Denn um 1 Gramm tierisches Eiweiß zu produzieren sind 16 Gramm Pflanzeneiweiß notwendig! Perverse Abhängigkeiten werden da geschaffen: Afrikaner produzieren nicht mehr für die Eigenversorgung sondern Futter für europäische Viecher.
Eine vollautomatische Agrarindustrie mit Fleischproduktion in Massen und am Fließband versorgt uns heute. Tierzucht findet kaum noch in ländlicher Umgebung und kleinen Einheiten statt, sondern in riesigen Ställen und Zuchtbetrieben. Die Intensivmast vor allem von Schweinen und Geflügel bringt schnelles Geld und minderwertiges Fleisch. 
Industrielle Massentierhaltung verdrängt die traditionelle Landwirtschaft - das ist besonders tragisch für die Entwicklungsländer - und führt zu konzentrierter lokaler Umweltverschmutzung durch Unmengen von Gülle. Vom globalen Raubbau an (Regen-)Wäldern zugunsten von Flächen für den Futtermittelanbau ganz abgesehen.
Unsere Ernährungsgewohnheiten haben einen wesentlich größeren Einfluss auf das globale Klima als bisher angenommen. Verändern lässt er sich durch eine deutlich bewusstere Ernährung. Das können wir selber tun und mindestens 1 Mal die Woche fleischlos essen. Und ansonsten Fleisch und Wurst vom Metzger kaufen, der seine Sachen vom kleinen Bauern erhält. Wenn Fleisch, dann möglichst aus ökologischer Landwirtschaft, die bis zu 30 Prozent weniger Treibhausgase verursacht als konventionelle. Denn sie kommt ohne künstlichen Dünger und Pflanzenschutzmittel aus, die in der Herstellung besonders viel Energie verbrauchen.
In Bremen hat ein Projekt begonnen, dass alle Bürger jeden Donnerstag vegetarisch essen sollen, alle Reataurants und Kantinen und Schulen mitmachen. Sie nennen es "Veggyday". Wenn das alle Bürger tun, würden sie der Atmosphäre jährlich die CO2 Belastung von 40 000 Autos ersparen. Das ist doch was, oder? Denn Bohnenauflauf mit Bratkartoffeln, mit Käse überbacken oder Gemüsepizza oder Eier mit Blattspinat oder Reis mit Bohnenmus (mexikanisch scharf), Avocado und Spiegelei (unser Dienstagsessen) sind gut für Magen und Klima. Übrigens machen sie das schon im belgischen Gent seit über 1 Jahr und eine Reihe von Städten haben angefragt, wie es geht. Lasst uns das auch machen.
14 ARGUMENTE aus dem Bremer Projekt, warum ein regelmäßiger Veggiday so wichtig ist

1. Klimawandel

Der Klimawandel wird wesentlich vom CO2-Ausstoß verursacht und unsere Ernährung hat darauf einen bislang zu wenig beachteten Einfluss. Die FAO empfiehlt auch in ihrem Jahresbericht 2009 wieder, den Fleischkonsum zu regulieren.

2. Gesundheit

Eine ausgewogene Ernährung sieht einen Fleischkonsum zwei bis dreimal pro Woche vor. Fleisch schadet Herz und Kreislauf, verursacht Krankheitskosten und wir konsumieren unfreiwillig Hormone, Antibiotika und Medikamente der Tiermast.

3. Wasserverbrauch

Um 1 kg Rindfleisch zu erzeugen, werden 15.000 Liter Wasser benötigt, und Süßwasser wird ein immer knapperes Gut auf der Erde, insbesondere in den unterentwickelten, armen Ländern, verursacht durch uns!

4. Regenwald-Vernichtung

Die Regenwälder der Welt sind ein wichtiger Klimafaktor und werden seit Jahrzehnten systematisch abgeholzt für Rinderherden, Futtermittel und Bio-Sprit, zur Zeit pro Jahr ca. 40% der Fläche der BRD.

5. Massentierhaltung

Weniger Fleisch zu essen, bedeutet  weniger Massentierhaltung in viel zu kleinen Käfigen und Ställen, mehr artgerechte Aufzucht statt Tierquälerei und weniger verbaute Landschaft.

6. Regionale Förderung

Wenn wir uns saisonal und regional angepasst ernähren und Produkte aus unserer Umgebung kaufen, dann hilft das auch den Bauern in unserer Region, die unsere Landschaft prägen und pflegen.

7. Bio-Produkte

Weniger Fleisch zu konsumieren, spart Geld und ermöglicht es, zwar seltener, dafür aber um so hochwertigere Bio-Produkte bzw. Fleisch aus artgerechter Haltung zu kaufen.

8. Krankheiten

Viele Krankheiten werden durch Tiere bzw. deren Fleisch auf Menschen übertragen, man denke an Vogelgrippe, BSE, Rinderwahn, Gammel- und Ekelfleisch, Salmonellenvergiftung und Schweinegrippe.

9. Ernährung genießen

Eine nachhaltige Esskultur wird vielfältiger, wenn wir unsere Mahlzeiten mit viel Gemüse und Obst abwechslungsreicher gestalten, statt immer nur Schnitzel, Kartoffeln und Salat zu essen.

10. Kinder lernen zu essen

Unsere Kinder müssen es nicht den Amerikanern nachmachen, die sich am liebsten von Hamburgern, Steaks und Pommes ernähren. Das macht dick und auf Dauer krank. In einigen Regionen sind 45% der Amerikaner übergewichtig.

11. Hunger in der Welt

1 Milliarde Menschen auf der Welt hungern u.a. weil die Tiere, die wir importieren, Weideland brauchen oder Soja für Futtermittel der Massentierhaltung angebaut wird. Statt Viehfutter sollte Getreide für die Menschen angebaut werden.

12. Lebensqualität

Wir Menschen müssen möglichst schnell mit unserer Erde sorgfältiger umgehen und uns entscheiden, ob wir Auto fahren und täglich Fleisch/Fisch essen oder ob wir uns auf ein ausgewogeneres Konsumverhalten umstellen.

13. Wachstum der Bevölkerung

Die Weltbevölkerung hat sich in den letzten 100 Jahren auf 6,9 Mrd. vervierfacht, der Fleischkonsum in den Industrienationen noch stärker. Die Bedürfnisse der Entwicklungsländer nähern sich unserem Konsumstandard. Wer Fleisch isst, ist wohlhabend.

14. Gutes Beispiel

Die Industrienationen sind seit Jahrzehnten die größten Verursacher der Treibhausgase. Sie sollten endlich mit gutem Beispiel vorangehen. Weniger Fleischkonsum wäre ein Anfang, denn Fleischkonsum schadet nicht nur dem Regenwald.

Unumkehrbare Entwicklung

Klimaveränderungen beginnen zuerst relativ langsam, aber sie wirken langfristig und sind ab einem bestimmten Punkt nicht mehr umkehrbar. Diesen Schwellenwert zu erreichen, wäre der GAU (Größte Anzunehmende Unfall) für unseren Planeten. Wir sind auf dem Weg dahin.

 

Quelle: www.veggiday.de und Hinterländer Anzeiger vom 21.10.2010 (Beilage) sowie FAO und WWI

 

 

 

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Joachim 10/24/2010 10:09



Hallo RE! Eine gute Argumentation für diejenigen, die massenhaft Fleisch essen. Und das sind bestimmt nicht wenige! Ich habe zum allergrößten Teil pflanzliche Speisen auf meinem Plan. Also - ein
Rind für mich kann leben bleiben und für mich nach Herzenslust furzen!!


Liebe Grüße und einen schönen Sonntag!


Joachim



R.Einloft 10/24/2010 10:32



Da hast du recht. Es müssen nur noch mehr werden, die genau so leben. Gänzlich ohne möchte ich nicht, aber so wie früher, als etwas Besonderes, das gefällt mir. Im Lnk, den ich am Ende des
Artikels angegeben habe gibt es prima Rezepte.


Einen schönen Sonntag wünsche ich


Gruß RE