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Donnerstag, 22. oktober 2009 4 22 /10 /2009 10:00
Impressionen RE: 1. Rad-Tag (9.10.)
Der dicke Hamburger hat sein Rad ein Stück vom Müllwagen mitnehmen lassen, die Annäherung war einfach, wir sind alle mit Müllmänner-Sicherheitswesten ausgestattet zwengs Abschreckung der rasenden Römer. Ging aber auch steil die Direttissima hoch! und das gleich bei der ersten Etappe nach Castel Dingsda, dort wo der Papst seine Sommerresidenz hat. Er war nicht da, der Papst, segnete gerade woanders. War auch ohne ihn hübsch. Was heißt hier ohne ihn, er hing an jeder Ecke und blickte heilig.
Vorne hat sich ein Pulk gebildet mit zähen Rentnern samt Frauen, der verschwindet, eisern strampelnd, in der Ferne. Wir dahinter, aufgefächert, auseinander gezogen, eine Gruppe normal strampelnder, dann bricht die Schlussgruppe ab, Max, der Lumpensammler begleitet sie. Rasant die Abfahrt von Castel Gandolfo und dem Albaner See runter zur Küste, an der entlang, nach 30 Km wartet der Bus mit dem Mittagessen. Die Schlussgruppe kommt eine halbe Stunde später an, der dicke Hamburger als letzter. Er ist fix und fertig, droht aus den Latschen zu kippen, erholt sich nur langsaqm mit kleinen Schlückchen aus der Wasserflasche. Ob er weiter durchhält? Die letzte Strecke bis zum Hotel zumindest fährt er mit dem Bus, andere schließen sich an.

Tagebuch M
9.10. Da hab ich wohl gestern das Maul ziemlich voll genommen: es sind Leute dabei, die sind zehn Jahre älter als wir, einer sogar 78 Jahre alt, aber die sind dermaßen fitt, die radeln uns davon. Ich kam heute kaum mit, hielt mich immer in der Schlussgruppe. R. war sehr lieb, er bot mir seinen Windschatten an, aber den verlor ich nach 50 Metern wieder. Ich konnte nicht so schnell und bin am Schluss auch noch mitten auf einer Kreuzung gefallen, weil meine Bremse so stark bremst, und ich Angst habe, im Pulk zu fahren. Morgen fahren wir nach Napoli und ich hoffe, es läuft besser.

10.10. Heute hatte ich Glück: wir starteten kurz nach acht Uhr, da regnete und donnerte es schon. Zu Anfang lief es prima, ich kam gut mit und nass wurden ja alle. Dann hatte ich einen Platten und alle mussten im strömenden Regen warten, bis er repariert war. Unsere Begleiter sind ein eingespieltes Team und sie  machten das in Rekordzeit. Die Strecke war flach, die Straße war bestanden mit wunderbaren großen Pinien und wir fuhren nicht allzu schnell. Einmal hielt der Bus und der Fahrer bot uns an, einzusteigen, aber das wollte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Aber dann wurde der Himmel immer dunkler und es goss wie aus Kübeln. Wir hatten keinen trockenen Faden mehr am Leib, meine Windjacke ist wirklich nur eine Wind- und keine Regenjacke. Als der Bus dann 15 Kilometer weiter da stand, nahm ich das Angebot dankbar an. Einige von uns wollten noch weiter fahren aber nach einer endlosen Diskussion entschieden sich alle, im Bus mitzufahren. Als alle drin saßen, kam die Sonne heraus und strahlte, was das Zeug hielt. Wir machten unser Picknick bis halb drei mit deutschen Würstchen und französischem Rotwein. Von dort waren es noch zweieinhalb Stunden bis Neapel, wo wir jetzt frisch geduscht im Bett sitzen und das Fußballspiel Deutschland-Russland sehen. Und später gibt es wieder eins dieser köstlichen italienischen Abendessen, die du meinst, nach all dem Sport verdient zu haben.  Morgen kommt der schwierigste Tag -  die Amalfiküste von Sorrent nach Salerno mit vielen Steigungen und noch mehr Verkehr.

Impressionen RE: 2. Fahrtag (10.10.)
Schlusslichter heute bei strömendem Regen. Die langsamste Gruppe von gestern ist heute gar nicht angetreten, nun sind wir hinten. Und vorne saußt sie wieder davon, die Rentner Gang. So wie die fahren sehen wir alt aus. Langsam kommen wir dahinter, all da vorne sind eiserne Radfahrer, trainieren seit ewigen Zeiten regelmäßig, fahren wenn sie können kleine, größere und große Touren mit ihren eleganten Rädern, den Wunderwerken der Technik. Ich liebe Räder, komme auf meine Kosten, staune, was es alles gibt. Der große Bayer fährt ein Carbon-Rad, mit einem Finger anhebbar, kaum zu glauben, dass es diesen kräftigen Burschen aushält. Jo mai, sagt er, i fahr domit no Muinchen nei, zur Orbeit, sechzige Kilometer so. Unsere Räder sind klobig dagegen. Flotte Radler haben flotte Räder.
Wie aus Kübeln hat es geschüttet, schön warm war der Regen. Gedanken schießen durch den Kopf, lenken ab vom Gewitter. Die afrikanische Hure am Wegesrand dauert mich mit ihrem Schirm, sie sieht so traurig aus, tut mir leid, stell mir vor, sie auf Swaheli anzusprechen, ihr eine Freude machen. Wahrscheinlich würde sie mich für deppert halten. Ewig lange, schnurgerade Pinienalleen, rasende Römer dazwischen, manchmal war ihr Hupen ein Gruß an die verrückten Radler. Vorne hatte die Rentnergang wieder das Tempo angezogen, war in der Regenwand verschwunden, manchmal fühlte ich mich wohl, von der samtigen Nässe warm umschlungen, manchmal fühlte ich mich abgehängt, alleine. Anstrengend wurde es ab 40Km, da fing die Holperstraße an, weh zu tun.
Früh schon am Morgen schon der Ruf nach vorne, Reinhold, zurück, zurück. Die Nackenhaare sträupten sich, Erinnerung kam auf, wo ich zurück musste und sie fand unter der Steinwand, doch diesmal hatte M nur einen Platten. Gut und schnell arbeiteten wir Fachleute, ich durfte die Werkzeuge anreichen und den Reifen aufpumpen.
Nach 47 Km der Bus, eigentlich sollten es über 60 Km werden, doch die Verhältnisse, sie waren nicht so. Eher dürster-verregnet. Nach Neapel hat uns der Bus gebracht, da schien die Sonne wieder, der Vesuv war mit Nebel umwoben. Unser Hotel lag an seinem Fuß, da soll es billiger sein. Um 17 Uhr sitzen wir frisch geduscht im Bett und sehen Deutschland : Russland. Gutes Spiel!
Zufrieden mit der Tour? Ach, na ja, ein wenig mehr fahren wollte ich und nicht bei den Letzten sein.
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  • Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte
  • : Erlebnisse, Geschichten, Abenteuer aus verschiedenen Welten. Vom Leben in Deutschland, Chile, Ecuador, Rio de Janeiro, Kolumbien, Tansania, Mosambik und heute im Dorf. Plus Bilder, Reflektionen, Ideen zu Wirtschaft und Gesellschaft, mit Witzigem und Brauchbaren.

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