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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Hommertshausen, Februar 2011

18. Februar 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Meine Welten heute

Grau-diesig und kalt im Tal nach wie vor. Nachts 0 Grad. Nachmittags Sonne hinter dem Dunst.
Terzani (Noch eine Runde auf dem Karussell) spricht mir viel zu oft aus der Seele. Asiatische Weisheit gegen westlichte Rationalität bringt mich durcheinander, beschäftigt mich immer öfter. Natürlich hat unsere auf Rationalität, Vernunft und Aufklärung gegründete moderne Welt auch seine Vorteile. Menschen haben noch nie so komfortabel gelebt, unser Gesundheitssystem verlängert Leben, überall auf der Erde sehnen sie sich nach unserer Welt, möchten an ihr teil haben. Wen wundert´s dass sie kommen? Und doch gibt es die Kehrseite, den Stress, die Hetze, das Streben nach mehr. Sinnvoll? Terzani kritisiert radikal: "Vernunft ist die Basis jener unwiderstehlichen Effizienz, die zunehmend das Menschliche aus unserem Alltag tilgt und die Grundlage unserer Lebens, die Erde nämlich, zerstört. Vernunft steckt hinter der Entwicklung jener Waffensysteme, die wir in immer größeren Mengen in alle Welt exportieren, um uns gleichzeitig zu fragen, warum es bloß so viele Kriege gibt,, in denen so viele unschuldige Kinder sterben müssen. Vernünftiges Kalkül steckt hinter der zynischen Grausamkeit der Ökonomie, die den Armen vorgaukelt, es selbst einmal zu Reichtum bringen zu können, während sich in Wahrheit die Kluft zwischen Arm und Reich auf der Welt ständig vergrößert." Dabei hat er die verheerenden Weltkriege, die Atombombe und den Holocaust noch nicht einmal erwähnt. Wo bleibt da das Menschliche im Menschen? Privat können wir es noch versuchen aber im System steckt der Wurm, schon da ist der Mensch des Menschen Feind oder wie Marx es so schön ausdrückt: bei "Strafe des Untergangs" muss jeder Unternehmer versuchen, den anderen vom Markt zu drängen. Und jeder Arbeitnehmer hetzen, um sein Einkommen zu halten. Human? Asiatische Philosophie und Religion stellt sie in den Vordergrund, die Frage nach dem Sinn des Lebens. Und sieht die Kontemplation, das Innenhalten, Nachspüren, Loslassen als eine Antwort. Gut wäre schon, wenn wir wenigstens das mehr Haben, mehr Machen einstellen könnten.
Es gibt nicht per se einen Sinn im Leben, jeder muss ihn suchen gehen. Walden_Thoreau.jpegThoreau hat sich ein Holzhaus im Wald gebaut und 2 Jahre einfach gelebt um das raus zu kriegen. Wer aber kann das schon in unserer Welt. Bau mal ein Haus im Wald, gleich kommt das Bauamt und will die Genehmigung sehen, die sie nie geben werden. So wie bei Alex, der sich sein kleines Gartenhäuschen aufstellte, das den Nachbarn störte. Nu hat er das Amt und den Nachbarn am Hals. Von wegen "Walden oder leben in den Wäldern" nachleben! Gestern hatte er uns eingeladen in sein kleines Holzhaus, kuschelig da drin. Der großen Fernseher zeigt die Filme fast wie im Kino. Der Film war lustig, die Geschichte nicht. Warum müssen amerikanische Männer vor der Hochzeit ungebremst noch mal auf die Pauke hauen, Unsinn machen? Ist das Leben nach der Hochzeit aus?
Immer, wenn ich auf den Balkon gehe, frische Luft schnappen vom Bloggen, Lesen, Suchen, Studieren starren sie mich an, die Kraken da unten. Wir hatten niedrig wachsende Obstbäume gewählt, jetzt sind sie geschossen mit wilden Trieben. Auch im Winter wachsen sie, scheint mir. Die soll ich, sagt M, beschneiden. Ich, der ich Gartenarbeit gar nicht mag. Terzani erzählt von den Indern als Weltmeister im alles sein lassen so wie es ist und Hemingway hat seinen Gärtner auf Kuba rausgeschmissen, als der anfing, im Garten rum zu schnipseln. Prima. Doch ich bring sie nicht hin, die nicht-Eingreif-Haltung. Und seh den Tag kommen, da ich zur Schere greife. 
Ich hasse das Wort "walken", aber laufen kann ich auch nicht mehr. Deshalb gehn wir laufen. Heute schrillten die Rufe von balzenden Habichten durchs Tal. Das Weibchen kann sich nicht entscheiden, sagt M. Nimm sie beide, mein Rat.
Der Gedanke lässt mich nicht los. Vielleicht ist Leben Akzeptieren? So wie es ist, ist es gut. So wie es kommt auch. Im Ansatz gelernt habe ich das bei gekochten Eiern. Damals in Bonn in der WG von N. Einer behauptete, er brauche keine Eieruhr, er höre es knacken, wenn das Ei gut sei. Manchmal waren die Eier hart, manchmal weich und jedes mal sagte er: genau so wollte ich es. Seit der Zeit habe ich nie mehr falsch gekochte Eier gegessen. 

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Joachim 02/19/2011 13:38



Ei! Das ist ja ein ganzes Kapitel kluger Lebensphilosophie mit vielen Fragen! Was die Vernunft anbelangt, so denke ich, gibt es nicht nur eine schlechthin, denn sie hängt von der jeweiligen
individuellen Lebensauffasung ab. Wer reich werden will, stellt sie darauf ab. Wer die Erde so genießen und erleben möchte, wie sie sich von Natur aus bietet, wird wenig Gedanken ans Raffen
vergeuden. Wer im Berufleben Karriere machen will, muss wohl oder übel in der Regel die "Vernunft" seiner Chefs akzeptieren. Wirklich frei ist wohl nur der echte Aussteiger. Ach - der Rentner hat
auch eine chance! Lach!


Ein schönes Wochendende wünsche ich im trauten Tal!


LG Joachim



R.Einloft 02/19/2011 14:04



Da spricht ein gereifter Lebensphilosoph, scheint mir. Ich hab so ein wenig die unselige Tendenz zum Missionieren. Die Menschen sein lassen wie sie sind ist bestimmt gesünder. Wer raffen will
soll raffen und wer klettern will soll klettern. Muss man unbedingt aussteigen um anders zu leben? Menschlicher zu sein? Kann sein. Zumindest neigt unsere Gesellschaft dazu, Tretmühle zu sein.
Wer anders ist wird ausgesondert. Wenns denn die Rentner können, dann bin ich gut dran. Also ran an den Speck der eigenen Illusionen.


Schönes Wochenende wünscht


RE



hanne 02/19/2011 09:35



verwechselst Du da nicht was? Das hat doch Papa immer gesagt! (jedenfalls zu mir). Er war so einer, hat das akzeptiert was war. Manchmal find ich es gut, manchmal nicht. Für ihn hätte ich mir ein
besseres Leben gewünscht.


Was ist mit unseren Visionen, Wünschen, Träumen? Ich kann nicht immer so tun als hätte ich die nicht. Ich denke schon, dass man sich in Richtung seiner Träume bewegen muss


"I learned this, at least, by my experiment; that if one advances confidently in the direction of his dreams, and endeavors to live the life which he has imagined, he will meet with a success
unexpected in common hours"


Henry David Thoreau


Walden


Wenn Du den Traum vom unberührten wildwachsenden Garten hast, lass wachsen. Wenn Du aber den Traum von Äpfeln und Birnen hast, musst Du schneiden



R.Einloft 02/19/2011 13:26



Liebste Schwestr, heute kann ich nicht so klar denken, die Nacht gestern war lang und feucht und wir haben mal wieder diskutiert wie die bekloppten. Diesmal Gott sei Dank friedlich. Es war schön,
nur ihr habt gefehlt (doch alle haben gut verstanden, warum Du nicht kommen konntest)


Natürlich hätten wir alle Vater ein besseres Leben gewünscht. Aber vielleicht lag seine Kunst gerade darin, zufrieden zu sein mit dem wie es war. Mit Opa zu leben, war nicht einfach, aber er hat
offenbar das Beste daraus gemacht. Hätte ich nur so ein großes, zufriedenes Herz wie er!


Ei freilich haben wir alle unsere Wünsche und Träume. Was ich gerade lerne ist, von hinten zu schauen, Thoreau hat das ja auch gemacht: wenn ich mal sterbe, will ich mir nicht sagen müssen, was
hast du da für ein Unsinn zusammen gelebt. Und danach meine Visionen für heute und die nächste Zukunft basteln.


Ach ja, der Garten, zwei Seelen leben halt in meiner Brust. Ich bräuchte einen Gärtner, den würde ich nicht feuern wie Hemingway, wenn er zu schnipseln anfängt. Meine wilden Wiesen allerdings
würde ich ihn nicht antasten lassen. Da hab ich doch schon mal was Wildes, gelle.


Ruh Dich gut aus und freu Dich Deines Tages - so wie Pit das in seinem Kommentar geschrieben hat.


Abrazo, Dein Bruder



Katharina vom Tanneneck 02/19/2011 01:02



Ja, das Leben ist nicht einfach! Machen wir doch einfach das Beste daraus. Ich habe gerade den Kommentar von Pit gelesen und er hat recht! Eigentlich machen wir uns viel zu viele Gedanken was man
verbessern könnte. Aber können wir das? Alle zusammen können etwas bewirken, der Einzelne nicht.


Genieße, die Tage und die Nächte, erfreue Dich an der Natur. Wir alle leben nur einmal, glaube ich. Ich schreibe jetzt Dinge, die ich selbst nicht einhalte.  


Allerdings versuche ich auch dem Leben die schönsten Seiten abzugewinnen. Ich möchte kritisch sein und dann auch wieder das Leben genießen. Aus meiner Haut kann ich nicht. Vielleicht brauche ich
das einfach um glücklich zu sein. Ich habe immer ein schlechtes Gewissen wenn ich weiß, wieviele Menschen unglücklich sind, hungern und leiden. Manchmal glaube ich auch, die Gelder sind einfach
ungerecht verteilt. Es gibt soviele Milliardäre, das muß man sich einmal vorstellen, die könnten gutes tun, helfen! Aber sie raffen noch mehr, um noch reicher zu werden. Sterben müssen sie
auch!   


Liebe Grüße, Katharina



R.Einloft 02/19/2011 13:13



Liebe Katharina, da hast Du wieder mal Recht, der Reichtum ist ungerecht verteilt. Bei uns sind es die Milliardäre, die weiter scheffeln ohne Sinn und Verstand (können sie niemals ausgeben was
sie angehäuft haben) und zum Rest der Welt sind wir es, die oben auf dem Berg des Wohlstandes leben und unten krebst die Masse der Menschen herum und ganz unten verhungern sie. Alle Anstrengungen
bisher haben genau das Gegenteil bewirkt (es gibt wirklich Menschen, die sich ungemein Engagieren um das zu ändern). Die Schere zwischen Reich und Arm wird immer größer.


Auch unser schlechtes Gewissen hilft da nicht. Wir sollten tun, was wir können und geben, was wir können, viel mehr liegt nicht in unserer Hand. Und was man nicht ändern kann muss man hinnehmen,
wie es ist. Und anstreben, nach dem irischen Sprichwort zu leben. Da gehts lang. Das denke ich auch.


Ein wunderschönes Wochenende wünsche ich Dir


Bestens RE



Peter Gerlach 02/18/2011 18:59



Tanze, als ob dir niemand zuschaut, Singe. als ob die keiner zuhört und LEBE, als wär´s dein letzter Tag. - irischer Segenswunsch -


Alles Gute vom Kap, der Februar hat den Vorteil, das danach der März kommt!!


Pit



R.Einloft 02/19/2011 13:05



Wir haben vor, dem Frühling entgegen zu fahren, wahrscheinlich starten wir nächste Woche mit dem WoMo Richtung Spanien und fahren durch bis fast nach Afrika, der Sonne entgegen.


Ja, ja, die Iren, wenn die genug Whiskey intus haben, dann machen die das so.


Beste Grüße und bis bald mal


RE