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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Hommertshausen, Februar 2011

20. Februar 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Meine Welten heute

 

8.00 dicker Nebel im Tal, Auto zugefroren, Minus 3 Grad in der Nacht.

Die Scheinwerfer kamen zuerst, dann verschluckte der Nebel die Fahrzeuge wieder. Ungewiss das Fahren.  Die Straße schimmert, ist es glatt? Bei Herzhausen kämpfte die Sonne mit dem Dunst, hatte schon einiges weg geschafft über den Bergen. In Runzhausen war es wieder grau, die Serpentinen nach Gladenbach sahen gefährlich aus. Autofahren IST gefährlich, wird mir wieder klar. Beim Arzt auf seiner Fortbildungsbescheinigung an der Wand steht: "MBST Kernspin-Resonanz-Therapie. Aha. Lese im Internet, die sei erfunden worden, weil Arthrose-Geschädigte nach der Kernspin-Durchleuchtung in der Röhre sich besser fühlten mit ihren Gelenken. Ich spür noch nichts. Egal. So kann ich die ganze Woche früh schon eine Stunde lesen.

Thoreau und Terziani treffen sich, alles Abstreifen, Loslassen, was nicht nötig ist um Zeit für das Wichtige zu gewinnen-für sich selbst und die innere Ruhe. Ein verwirrender Gedanke für schaffe-schaffe-Häusle baue-gepolte Mitteleuropäer. Auch ich kann mich diesem Anspruch noch immer nicht gänzlich entziehen. Thoreau lehrt mich, nicht alle brauchen Zeit für sich. "Manche sind "fleißig" und scheinen die Arbeit um ihrer selbst willen zu lieben oder vielleicht, weil sie dadurch von gröberem Unfug abgehalten werden; diesen habe ich im Augenblick nichts zusagen."  Er selbst, sagt er, ist in den Wald gegangen um "zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es (das wirkliche Leben RE) zu lehren hatte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte." Tja, und was ist es nun, das wirkliche Leben? Stress, arbeiten, arbeiten, arbeiten ist es nicht, das weiß ich, hat mir den Burn Out eingebracht. Unser Leben, sagt T, zersplittert sich in Kleinigkeiten. Jo, da ist was dran. Und: "Es wird zu schnell gelebt" (das war 1850!, was würde der wohl heute sagen.) "Nur große und würdige Dinge (haben) eine absolute Dauer." Aber was ist das? "Wir sind nur dann imstande, alles Edle und Erhabene aufzufassen, wenn wir stets die uns umgebende Wirklichkeit in uns aufnehmen, uns von ihr ganz durchdringen lassen." Also Kontemplation, Langsamkeit, Zeit haben um auf zu nehmen was um uns herum passiert. Da trifft er sich wieder mit Terzani, der meditiert, zieht sich zurück um dem Fluch der Gedankenflut zu entkommen und Natur nahe genießen zu können. Zeit haben und aufmerksam sein, scheint mir ihre Lehre.

P1010274.jpgDas gemeinsame Freitag-Feiern auf Donnerstag vorgeschoben derweilen Bruder Klaus Freitag Geburtstag hat. Immer wieder schön mit M bei Spaghetti, Tanz und Trallala. Die Fußbodenheizung ist träge und überfordert wenn die Außentemperatur absinkt. Muss gehörig dem Ofen Holz geben damit es warm genug wird für unsere Tropen-Feierei.

In Gladenbach die Woche über jeden Morgen einer Frau mit Kind begegnet, sie trägt ihm, dem vielleicht 8-jährigen den Ranzen, begleitet und behütet ihren Augapfel bis zur Schulpforte. Wegen des Verkehrs in der Kleinstadt kann es kaum sein, seine Schulkameraden laufen alleine. Was wird aus diesen überbehüteten Kindern? Ich bin der Meinung, die Welt ist rau, je eher man sie kennen lernt um so besser. Es ist sowieso unmöglich, alle Gefahren von seinen Schutzbefohlenen abzuwenden. Und: dieser junge Mann wird später in Frauen den Tragesel sehen, befürchte ich.

Die Magnetstrahlentherapie ist Freitag vorbei, ich habe getan was zu tun war und mache weiter, auch den Sport, bis es nicht mehr geht. Irgendwann.

Kommt zum Kaffe trinken, sagt Marga. Nie hatte ich darüber nachgedacht, es war immer dasselbe Ritual, hieß gleich und war doch nicht nur das Eine. Erst in Erfurt, als Mutter M um 4.00 Nachmittags fragte, wollen wir nicht Kaffe trinken, M einen Kaffee kochte und sich die erstaunte Frage einhandelte, wo denn der Kuchen sei, wurde klar, dass mit dem Einen das Andere fest verbunden war. Kuchen gab es bei uns die ganze Woche von Freitags bis Donnerstags, früher einfachen, zumeist Streuselkuchen, der am Ende der Woche trocken war, eingedutscht werden musste und am Freitag wurde neu gebacken. Bei Geburtstagen gibt es heute Torten. Doch der Ritus ist geblieben. Nur nicht bei mir und M.  

Heute kann ich nicht klar denken, die Nacht der Geburtstagsfeier war lang und feucht und wir haben mal wieder diskutiert wie die bekloppten. Diesmal Gott sei Dank friedlich. Es war schön, nur Hanne und Jörg haben gefehlt (sie macht es mir nach mit ihrer hohen Arbeitsmoral. Ich befürchte, auch irgendwann mit dem Burn Out)

 

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Joachim 02/23/2011 17:12



Danke!



R.Einloft 02/24/2011 13:42



Bitte. Gern geschehen. Wofür???


Gruß RE



Joachim 02/21/2011 13:26



Hallo RE! Wenn Du so in morgentlicher, stiller Stunde über euer Leben nachdenkst, meine ich, es muss erfüllt und schön gewesen sein bei Allem, was Du berichtest. Freue Dich darüber und lass' Dir
Käffchen und Kuchen schmecken. Wenn der Mai kommt, geht Ihr in den Wald und genießt weiter euer freies Leben! Das Wünsche ich Euch!


LG Joachim



R.Einloft 02/21/2011 13:37



Das war es, da hast du völlig recht. Es war halt manchmal stressig und mit mehr (afrikanischer) Lässigkeit hätte ich vielleicht den Burn Out vermeiden können. Aber es war wie es war und es war
gut so. Ich hab sogar durch die Krankheit viel gelernt was ich sonst nicht gelernt hätte.


Wir warten nicht auf den Mai. Haben beschlossen, mit dem WoMo demnächst gen Süden, der Sonne entgegen zu fahren. Mit dem WoMo hat man wirklich mehr Freiheit weil das Leben darin einfacher ist -
nicht nur wegen des rum fahren könnens.


Einen schönen Gruß aus dem arschkalten aber sonnigen Tal


RE



Katharina vom Tanneneck 02/21/2011 01:08



Der Artikel hat mich berührt, traurig und nachdenklich gemacht. Er hat mir aber auch gesagt, ich lebe richtig, so wie ich lebe. Wer weiß, wie lange noch? Manchmal kann es ganz schnell gehen. Ich
möchte schon alt werden aber nicht alleine. Dann ist das Leben sinnlos. Zum Glück weiß ich nicht wann es soweit ist.


Kaffee und Kuchen, das gehört zusammen! Ich backe immer einen einen Kuchen wenn der alte auifgegessen ist. Manchmal dauert es drei Tage, manchmal fünf Tage. Manchmal friere ich auch etwas ein,
dann brauche ich nicht backen.


Ja, Auto fahren ist schon gefährlich. Ich fahre nachts nicht gerne, da es hier in der waldreichen Gegend viele Unfälle mit Wild gibt. Ich habe oft schon anhalten müssen weil Rehe die Strasse
überqueren wollten. Wir werden ja auch nicht jünger! 


Die Frau mit dem Kind, sie kann es nicht immer behüten. Je eher Kinder selbstständig sind, umso leichter haben sie es später einmal im Leben. Wer weiß ob der junge Mann dann überhaupt eine
Frau findet? Sie meint es sicher gut aber es schadet dem Kind nur. 


Eine Party würde ich auch gerne mal wieder feiern, mit allem drum und dran. Da werde ich wohl aber noch bis Juni warten müssen aber dann wird richtig gefeiert.


Ich wünsche Dir einen guten Start in die neue Woche und schicke liebe Grüße.


Katharina



R.Einloft 02/21/2011 13:26



Liebe Katharina, Du schreibst ja eigene Beiträge! Ganz herzlichen Dank.


Traurig machen wollte ich Dich nun gar nicht. Ich bin dabei mir wieder mehr und mehr klar zu machen, dass Leben mit Akzeptanz und Kontemplation reicher werden kann. Akzeptieren dessen, was ist,
das können die Afrikaner zumeist hervorragend. Will ja auch von denen was lernen. Schön, dass du richtig lebst und Dein Leben Dir gefällt. So muss es sein.


Ja, bei den Parties halten wir es so wie Du: erst wenn es wärmer wird dann wird richtig gefeiert. Dann geht es auch besser mit Kind und Kindeskindern.


Auch Dir einen guten Start und eine erfüllte Woche


wünscht RE