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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Jatropha-Projekt in Pucallpa/Peru (Oriente)

13. Januar 2014 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Lateinamerika

(Anmerkung: wenn ich vom „Projekt“ und „Gerd“ spreche, dann ist damit auch Nadia als Partnerin der Firma gemeint. Aber sie ist in Lima geblieben. Dabei ist Andrés, ihr Sohn. Er ist Ingenieur und arbeitet mit)


Jathropha-Pflanze--1-von-1-.jpgJatropha bauen sie an. Um Öl zu produzieren. Nicht für Bio-Diesel. Umgerüstete Autos und Maschinen können das Öl direkt als Treibstoff nutzen, der billiger angeboten werden soll als Diesel. Die Technologie des Umbaus der Einspritzung gibt es, eine deutsche Firma bietet sie weltweit an (Andres hat ein Praktikum bei ihnen gemacht). Danach kann auch noch Diesel gefahren werden, wenn mal Not am Mann und kein Öl da ist. Es muss auch nicht Jatropha-Öl sein, mann kann bei jedem Aldi und Lidl vorfahren und billiges Pflanzenöl kaufen. (Die werden dumm gucken, wenn man den Tank voll macht).
Jatropha-Öl ist am Kommen. Derzeit liegt die weltweite Anbaufläche bei weniger als 1 Million Hektar. In Südamerika und Afrika erfährt der kommerzielle Jatropha-Anbau einen Boom. Neuen Studien zufolge besteht weltweit ein Anbaupotenzial von zirka 30 Millionen Hektar.


Jatropha-Pflanze--7-von-10-.jpgJatropha-Arten (175 insgesamt) sind sehr genügsame Bäume oder Sträucher, die sogar in der Savanne angebaut werden können. Aber, sagt Gerd, zur industriellen Nutzung braucht die Pflanze Dünger und Pflege. Das haben die bisherigen Versuchen bereits ergeben.

 

Trotz der geringen Bedürfnisse produziert die Pflanze Öl: Ihr Samen hat einen Ölanteil von über 30 %, das obendrein mit einer Cetanzahl (Zündwilligkeit von Dieselkraftstoffen) von etwa 60 (Raps hat lediglich etwa 54) eines der effektivsten technisch nutzbaren Pflanzenöle der Welt ist. Der Anbau ist demnach besonders lohnend, nicht nur für die Subsistenzwirtschaft (Ölproduktion für den Eigenbedarf), sondern auch für den Weiterverkauf auf dem internationalen Markt. (Alle Pflanzen-Infos aus Wikipedia). Wenn das Projekt von Gerd und Nadia funktioniert, gibt es in der Gegend um Pucallpa großes Anbaupotential, denn viele landwirtschaftliche Flächen liegen brach.


Für das Projekt haben sie über ein Joint Venture mit einer holländischen Entwicklungshilfeorganisation die technische und infrastrukturelle Basis geschaffen. Ca 700 Ha Land sind für den Anbau vorgesehen, in 4 Parzellen aufgeteilt (3 in der Nähe von Pucallpa, eine in der Gegend von Picota, nördliches Oriente).

Jathropha-Farm-.jpgDie beiden Hallen in L-Form wurden gebaut, eine als Maschinenunterstand, in der anderen sind die Pressen, Filter und Tanks untergebracht. Da drin leben wir (linker Flügel). Es gibt an einem Ende zwei Zimmer zum Arbeiten und Schlafen, am anderen Ende Bad, Küche und Labor.


Der Maschinenpark ist groß, 4 Traktoren gibt es. Der Lamborghini hat 260PS, die anderen über 100 PS. Anhänger, Sämaschine, Pflüge, Eggen, Streumaschine (Potasche/Holzkohle hat sich als effizient herausgestellt weil die Bäumchen in der Nähe der Hütte, die viel Holzkohlenreste abbekam, besonders gut wuchsen). Eine Erntemaschine ist auch schon da. Eigentlich ist sie gebaut für die Traubenernte, doch Gerd meint, die Schütteltechnik sei auch für die Früchte der Jatropha geeignet. Muss sich noch herausstellen. Von Hand zu ernten ist bei den vorgesehen großen Flächen kaum möglich. Es gibt eine eigene gut ausgerüstete Werkstatt, in der auch größere Reparaturarbeiten ausgeführt werden.

 

FF demnächst

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Joachim 01/13/2014 19:58


Hallo RE,


das ist ein interessanter und informativer Beitrag. Ich habe eine Jatropha aus Samen gezogen mit herrlich geformten Blättern. Von einer Spezie werden oder wurden wohl aus den Samen die Stoffe für
ein Medikament gegen Lepra gewonnen. Ich warte, dass meine mal blüht. Sie blühen rot.


Herzl. Gruß


Joachim

Hanne 01/13/2014 08:57


Mir fallen da leider sofort die Punkte Wasserverbrauch und Pestizideinsatz ein, ein Problem aller Monokulturen, dazu Erdverichtung durch Maschineneinsatz - und die generelle Frage, ob man
Pflanzen anbauen sollte um sie als Sprit zu verheizen.


 


(ich lass mich aber gern eines Besseren belehren, wenn das alles für Euer Projekt nicht zutrifft...)


 

R.Einloft 01/13/2014 20:07



Ich schreib noch was dazu, hab einige Informationen bezüglich der kritischen Betrachtung gesammelt. Aber Danke für den Kommentar, je mehr, je besser. Ich kann dann mit Gerd darüber reden


Grüße aus der warmen Ferne


R