Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Keine Nachrichten mehr

23. Oktober 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Unsere Welten - unsere Probleme

Ich habe es aufgegeben, kann sie nicht mehr hören, diese unmöglichen Nachrichten, die doch von nichts mehr zeugen als von einer grandiosen Inkompetenz derer, die behaupten, unsere Wohl zu wollen und letztendlich nur Banken und Reiche reicher machen, kann sie nicht mehr sehen, diese ignoranten Gesichter, die immer jünger werden, eingebildete Schnösel hat man sie früher genannt. Überall von Hand gemachte Krisen. Eurokrise, Bankenkriese, Griechenlandkrise, Spanien- Italien- Frankreich- Irlandkrise. Sie hängen zusammen, diese Krisen: im Wahn nach mehr haben die Länder über ihrer Verhältnisse auf Kredit gelebt, dann haben sich die Banken verzockt in ihrer Gier und mussten mit Steuergelder  gerettet werden. Anstelle den Hebel herumzuwerfen und Banken und Staaten an eine gemeinsam dienliche Leine zu legen, wird weiter gewurstelt.  Sie, die Protagonisten dieser Krisen, kommen mir vor wie Scharlatane, die um ihre Opfer herumtanzen, mit Palmenzweigen wedeln, gute Zutaten verfüttern und die wunderliche Gesundung demnächst verkünden. Dabei ist das Konstrukt ihres Opfers eine Fehlkonstruktion. Weder wird der Kapitalismus besser, wenn man ihn von der Leine lässt, zum Turbo animiert noch kann die Europäische Wirtschaftsunion funktionieren ohne eine gemeinsame Wirtschaftspolitik. Da wollen sie aber nicht ran, die Anhänger eines blindwütig herrschenden Marktes. Man müsse "vernünftig" handeln, sagt sie, die Kanzlerin und meint, man könne ja nichts ändern an den ach so komplexen Gebilden der Banken- und Eurostruktur.

Sie können nichts ändern? Warum nicht? Sie haben sie doch geschaffen, die Eurozone und es jedem Mitglied überlassen, seine eigene Wirtschaft zu managen. Wir hatten die Bundesbank, die die DM stabil hielt mit geeigneten wirtschaftspolitischen Mitteln. Da musste mal gebremst, mal gegengesteuert werden zu dem Marktgeschehen. Mit mächtigen finanzpolitischen Instrumenten, die die Wirtschaft steuerten. Eine solche Steuerung gibt es in Europa nicht, jedes Land ist für sich selbst verantwortlich und über die Übertretung der gemeinsam vereinbarten geringen Rahmenbedingungen wurde auch noch großzügig hinweg gesehen. Die Schieflage des Konstrukts wird an einem Bild deutlich, von dem ich neulich gehört habe: Das gemeinsame Haus ist ein verwinkeltes riesiges Gebäude in dem die Südländer die Balkone mit Blick aufs Mittelmeer haben, die Franzosen einen prächtig ausgestatteten Raum, die Nordländer müssen aufpassen, dass sie nicht erfrieren und die neuen erweiterten Länder haben kleine Kammern. Und in der Mitte gibt es das große Kaufhaus Deutschland, dass alle beliefert und prächtig davon lebt.

Sie können nichts ändern an der Marktmacht des Kapitals? Wieso das denn nicht, sie haben sie doch gemacht, diese überbordende Macht des Mammons. Erst in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts hat man sie frei gelassen, die Heuschrecken Hedgefonds, die Mogelkonstrukte der Börsen, die Schreckgespinste des Kapitalmarktes. Es gab sogar die Besteuerung der Börsengeschäfte, heute Transaktionssteuer genannt. Doch Kohl hat sie den Banken erlassen, Schröder (der Gasableser Putins - Deklaration "Aus der Anstalt") die Hegefonds freigelassen und Merkel hat als Oberberater Ackermann von der Deutschen Bank, genau den, der 25% Gewinn als Geschäftsziel hat. Vorher schon hatten Thatcher in England und Reagan in den USA die Kettenhunde des freien Marktes von der Leine gelassen. Genügend Warner hat es gegeben. Doch die Einflüsterer des Kapitals, wenn es uns gut geht, geht es allen gut, hatten gesiegt.

Geht es uns allen nun besser? Sicher, uns in Deutschland schon. Aber noch besser geht es den Reichen und den Banken. Überall klafft die Schere zwischen Reich und Arm weiter auseinander. Nach dem das ganze neoliberale Kapitalgeschäft kollabiert war, wurden die Banken gerettet - mit Steuergelder. Vergesellschaftung der Schulden und Privatisierung des Reichtums nennt man so was. Hat man den Banken und Börsen nun wieder Fesseln angelegt? Was für eine rhetorische Frage. Noch immer dürfen Heuschrecken und ihre gierigen Adepten gegen Staaten wetten und sie zu Grunde richten, noch immer dürfen sie unlautere Produkte schaffen und verkaufen, noch immer darf gewettet werden mit unglaublichen Beträgen. Wer kriegt eigentlich die Milliarden, die aus dem Rettungsfonds nach Griechenland strömen? Die griechische Bevölkerung offensichtlich nicht. Die werden entlassen.

Ach, was rege ich mich auf. Sie wollen nichts ändern. Sie wollen sich durchwursteln. Vielleicht beten sie ja. Zu wem auch immer. Denn der Glaube an ihre Gebilde darf ihnen nicht abhanden kommen. Verkehrte Welt. Vernünftig wäre es, die Wirtschaft für den Menschen arbeiten zu lassen. Nicht umgekehrt. Wenn erkennbare Reformen in Richtung einer gemeinsamen Wirtschaftspolitik in Europa beginnen, wenn Banken und Börsen die notwendigen Begrenzungen ihrer Geschäfte auferlegt werden, dann werde ich mich wieder drum kümmern. Vorher bleibt alles Schall und Rauch.

PS: wir hatten mal so was wie "Soziale Marktwirtschaft" in der Reichtum verpflichtete

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post

KiVo 11/30/2011 11:26


Ich weiß, aufregen bringt gar nichts, aber Du hast recht. Der kleine Mann wird immer mehr kaputt gemacht. Teilweise haben die Menschen schon 2 Jobs, um sich überhaupt ein bisschen etwas zu gönnen
und diejenigen die genug haben, die sind nur am jammern. Setze einen von da oben mal eine Woche in die Rolle einer alleinerziehenden Mutter mit 2 Kindern und Job, dann wissen die erst mal wie
schlecht es wirklich mit den Menschen steht.


Gruß


KiVo

R.Einloft 11/30/2011 13:14



Ja, die Probleme sind groß und unsere Regierungen haben sich immer mehr entfernt von der Wirklichkeit der Mehrheit. Vielleicht sind auch die Probleme selbst zu komplex geworden, undurchsichtig,
kaum einer versteht sie mehr. Auch nicht die Fachleute. Deshalb schalte ich erst mal ab.


Gruß RE



Joachim 10/24/2011 20:01



Hallo RE! Ich unterstütze voll und ganz Deine Meinung! Ich habe diese ganze Berichterstattung wegen ihres Inhalts auch satt. Wir schlittern in eine immer schärfere Krise hinein, und wer weiß, was
da auf uns zukommt. auf alle Fälle eine mächtige Volksabzocke. Das ganze Banken- und wirtschaftssystem ist pervertiert. So! Mehr will ich nicht sagen.


LG Joachim



R.Einloft 10/25/2011 10:51



Ich hab große Lust im Zeltlager in Frankfurt mit zu machen. Irgendwas ist hier ziemlich falsch gelaufen.


Liebe Grüße aus Hommertshausen von RE



Katharina vom Tanneneck 10/23/2011 23:37



Gut gebrüllt ... fast wie ein Löwe! 


Ich stimme Dir in allem zu! Es wäre garnicht so schwierig das alles zu ändern. Man müßte nur wieder die alten Gesetze einführen und das Geld von oben nach unten verteilen und schon hätten wir
wieder ein Gleichgewicht.


Der Gedanke von einem vereinigten Europa war gut aber er wurde einfach nicht nach den gegebenen Regeln vollzogen. Deutschland geht es gut? Ja, der deutschen Wirtschaft geht es sehr gut! Aber die
Menschen blieben auf der Strecke. Hier in Mecklenburg Vorpommern gibt es so viele Arbeitslose und es ist weit und breit keine Arbeit in Sicht. Menschen die Arbeit haben, werden so schlecht
bezahlt, dass viele aufstocken müseen. Es ist eine Schande was diese Politiker aus Deutschland gemacht haben!


Lass uns den schönen Herbst genießen und die angenehmen Seiten des Lebens mitnehmen. In diesem Sinne ....


einen guten Start in die neue Woche und löiebe Grüße aus dem Norden!


Katharina 



R.Einloft 10/25/2011 10:47



Danke für deinen ausführliches Kommentar, liebe Katharina. Zu Europa hatte ich dir ja schon in deinem Blog gepostet. Das mit der Armut in Deutschland und dem Reichtum, den ich behaupte, das kommt
von meinem Blickwinkel aus dem Süden unserer Welt auf die Wohlstandsgesellschaften im Norden. Natürlich wird das alles anders, wenn man mitten drin hängt. Arbeitslosigkeit - und auch noch
hoffnungslose - ist ein großes Problem. Viele Menschen wollen arbeiten und wenn man sie ausschließt, sind sie am porösen Rand unserer Gesellschaft gelandet und drohen abzustürzen. Das sehe ich
auch.


Mit Grüßen aus dem schönen Tal (das immer noch von der Sonne beschienen wird)
RE