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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Kritik an der Jatropha-Anpflanzung

14. Januar 2014 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Lateinamerika

Hanne schreibt im Kommentar: „Mir fallen da leider sofort die Punkte Wasserverbrauch und Pestizideinsatz ein, ein Problem aller Monokulturen, dazu Erdverichtung durch Maschineneinsatz - und die generelle Frage, ob man Pflanzen anbauen sollte um sie als Sprit zu verheizen.“ Ähnlich Werner, der fragt," wird damit Nahrungsmittelproduktion verdrängt und noch mehr Menschen müssen hungern, damit wir den Tank füllen können?". (Gerd hat lange in der Entwicklungszusammenarbeit gearbeitet, sich mit diesen Fragen beschäftigt und seine Antworten mir verklickert).


a) Soll man Pflanzen anbauen um Sprit zu verheizen. Gerd´s Argument ist, Fossile Brennstoffe sind endlich. Wir alle stoßen täglich große Mengen CO2 in die Atmosphäre ab. Politisch sind wir erpressbar (sage ich, nicht Gerd). Ausgewogene alternative Energieerzeugung ist gefragt


b) Wasserverbrauch/Pestizideneinsatz. Hier in den Tropen ist  Wässern nicht nötig, es regnet genügend. In Wüstengebieten ja, da haben sie mit Tröpfchenbewässerung gearbeitet (DED). Die Pflanze ist zwar genügsam, braucht aber für gute Erträge Düngemittel. Sie machen das hier mit Holzkohlenasche. Später dann, wenn Öl erzeugt wird, soll der Presskuchen ebenso als Dünger ausgebracht werden. Pestizide werden vermieden, es wird gemulcht und zwischen den Sträuchern gehackt, dafür ist ein hoher Anteil von Handarbeit notwendig, deren Finanzierung im Moment der Engpass ist.


c) Problem der Monokulturen: Sehe ich auch. Gerd aber will erstmal beweisen, dass die Pflanze hier wächst und gedeiht (sie braucht 5 Jahre bis sie voll trägt und kann bis zu 40 Jahre lang geerntet werden). Als Demonstrationsprojekt (klar, und Einkommen). Kleinbauern nutzen die Pflanze in anderen Gegenden zum Öl-Eigenverbrauch und zur Vermarktung. Heckenanpflanzungen mit Jatropha-Sträucher schützen auch noch die Grundstücke. Auf der Insel Floreana auf Galapagos sind Generatoren in Betrieb, die Jatropha-Öl als Treibstoff nutzen. Die Frucht wird von Kleinbauern in Manabi an ihren Hecken geerntet und verarbeitet. Das Ganze ist ein internationales EH-Projekt, Gerd hat es begleitet, Andres hat bei der Umstellung der Motoren mit geholfen. Ähnliches haben wir in einer Missionsstation im Süden von Tansania gesehen.

 

Und dann, sagt Gerd, ist es ja auch keine Monokultur, die wir haben. Es wachsen so viele einheimische Arten zwischen den Pflanzen. Die werden nicht vernichtet, nur klein gehalten. (Na ja)


d) Subsistenzverdrängung. Ein kritischer Punkt, der in jedem Fall genau untersucht werden muss. Nicht nur bei der Treibstoffsubstitution, auch beim Anbau von FuttermittelIn in Afrika für unsere Fleischproduktion ist mir dieses unmögliche Verhalten der zumeist Großproduzenten negativ bekannt. Sie locken Kleinbauern mit dem Versprechen auf besseres Einkommen, die geben ihre Subsistenz auf, verlegen sich auf Monoproduktion - und sind abhängig. Das ist abzulehnen!
Ist aber hier in keinem Fall ein Problem. Im Gegenteil, in dieser Gegend geben Kleinbauern ihre Existenz mangels Alternativen auf, wandern ab und Großproduzenten kaufen auf. 90% der ausgewiesenen landwirtschaftlich nutzbaren Flächen werden nicht bearbeitet. Jatopha-Anbau in kleinerem Maß wäre sogar eine Alternative für Kleinbauern, ihre Energieversorgung mit Öl und Generatorentreibstoff zu verbessern. Auch Zusatzeinkommen könnte damit generiert werden (da ist dann allerdings mehr Arbeit und Maschineneinsatz nötig).


e) Erdverdichtung: Gerd sagt, der Boden hier ist so dicht, der verträgt das. In der Tat ist der ehemalige Urwaldboden hier eine lehmige, dick pappende Erde. Trotzdem glaube ich auch, dass hier wie überall eine Verdichtung stattfindet. Gerd setzt darauf, dass nach anfänglich intensivem Rückschnitt und Hacken zwischen den endemischen Pflanzen der Nachwuchs nachlässt.


f) Größe des Projektes: Hier wurde zuerst ein Rahmen mit allen technischen Möglichkeiten geschaffen um dann die Versuche mit den Pflanzen in größerem Maßstab zu beginnen (noch lange nicht in der Größe, wie geplant). Scheitern wäre dann ein Mordscheitern. Da ist mir klein beginnen und dann Ausweiten lieber. Aber Gerd ist zuversichtlich, sagt, das seien alles Erfahrungen, die sie machen und er hat den langen Atem und die Geduld. Chapeau!  


 

Grüße vom Team Jathropha-Pflanzung--14-von-20-.jpgJathropha-Farm--8-von-39-.jpg

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