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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Leben auf der Jatropha-Farm

16. Januar 2014 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Lateinamerika

So ziemlich allen Komfort, den Mittelstandsfamilien (auch in Peru) im Hause haben gibt es auch hier. Zumindest in Küche und Bad. Saftpressen, Kaffeemaschinen, Mixer (für Pisco sour unentbehrlich, M hat Kartoffelsalat gemacht, Andres einen herrlichen Aji). Es gibt einen Herd, mit Flaschengas betrieben, eine Kühltruhe und einen Kühlschrank, Toaster, Mikrowelle, Reiskocher etc. Und im Bad eine Waschmaschine und eine Dusche mit Warmwasserboiler (wozu man hier Warmwasser beim Duschen braucht, ist mir ein Rätsel). Im Schlafzimmer auf der anderen Seite der Halle ist eine Klimaanlage eingebaut, vor-Fruhstuck---1-von-3-.jpgdie liefert auch uns im Nebenzimmer kalte Luft, wenn die Verbindungstür auf ist. Und ein Tiefbrunnen fördert trinkbares Wasser.


Aber… jetzt kommt das große Aber: All diese schönen Sachen gehen nur, wenn der Generator an ist. Zwei haben sie davon, einen als Ersatz. Der Hauptgenerator natürlich umgestellt auf Speiseöl als Treibstoff. Jathropha-Pflanzung--19-von-20-.jpgDie stehen in einem Raum hinter der Küche und machen einen infernalischen Krach. Sogar auf der anderen Seite der Halle im Wohnbereich versteht man sein eigenes Wort nur schwer. Meist ist er aus, der Generator. Dann speist die kleine Solaranlage die Batterien und liefert ein wenig Strom, ausreichend für Licht und kleinere Verbraucher. Duschen kann man dann nicht, auch keinen Kaffee machen, die Klimaanlage braucht eine Menge Strom und geht auch nicht, ebenso wenig die Gefrierschränke. Nur ein Rinnsal Wasser läuft aus den Hähnen. Da gilt es Haus zu halten und genau zu kalkulieren, wann was gemacht werden soll. Zum Beispiel die Kühltruhe, die speichert länger die Kälte und wird mit den sensiblen Lebensmitteln bestückt. Der Kühlschrank nicht, da war M´s LF-Milch sauer.


Nachts aufs Klo ist eine Wanderung in der Dunkelheit quer durch die Halle. Aber dann ist es wohlig angenehm, sich von der lauen Luft umhüllt wieder schlafen zu legen.


Jathropha-Pluto--10-von-39-.jpgPluton vom Südlichen Kreuz heißt der Schäferhund mit vollem adligen Namen, Pluto reicht. Er ist sanft und lieb und kommt auch bei Fremden gleich zum Schmusen an. Nachts liegt er längelangs ausgestreckt und schläft auf dem warmen Estrich des Hofes oder, wenn es regnet, verzieht er sich unter einen der Traktoren in der Halle. Viel bewachen trau ich ihm nicht zu. Am liebsten fährt er hinten auf der Ladefläche des Pick Up. Dann sitzt er aufrecht und lässt sich den Wind um die Nase streichen.


Jatropha-Fruhstuck--1-von-1-.jpgMorgens nach Sonnenaufgang beginnt des Farmers Tag mit einem kräftigen Frühstück. Andres macht French Toast, oder Pfannkuchen aus Bananen oder so was. Gerd presst saftige Apfelsinen aus (Nachmittags macht er zumeist noch mal Saft aus tropischen Früchten) und das schlabbrige Weißbrot sieht aus wie Marmorkuchen, ist aber nur eine optische Täuschung.


Nach dem Abendessen legen sich die beiden, lesen, spielen, schauen Film am PC (Fernsehen dringt nicht bis hier her). Und das 7 Tage die Woche. Andres hat und will kein Internet, macht lieber Sport, 2 Std. am Tag und kocht (sehr gut). Was soll man sonst hier machen, sagt er. Gut, am Sonntag haben sie auch ein wenig länger geruht. Und dann eine Maschine repariert. Andres hat einen Rhythmus von vier Wochen Finca, zwei Wochen Lima, Gerd zwei zu zwei Wochen. Wir müssen uns überlappen, sagt Andres, sonst sinkt die Arbeitsmoral der Angestellten. Es gibt sie noch immer, die jungen Leute, die das Abenteuer und das andere Leben lieben. Und die Arbeit mit den Maschinen ist sowieso ihre Sache. Die Erstbearbeitung hatten sie mal fremd vergeben, erwies sich aber zu teuer und zu ungenau.


Projekt Jatropha (2 von 14)Wir helfen ein wenig. M hat das Tor gestrichen, säubert die Reihen der Jatropha-Stecklinge hinter dem Haus, kocht, kauft mit ein. Ich mach derweil Blödsinn und bleib im Pick Up zur Mittagsruhe- aber nur das eine Mal. Die verfluchten Türe der neuen Autos lassen sich nicht von innen öffnen, wenn sie automatisch geschlossen sind. Und da wird's ganz schön warm da drin in den Heizkessel. Und wenn ich nicht  solch Blödsinn mache, dann dokumentiere ich, fotografiere, entwickle und schreibe. Das hier z.B. Heute sogar mal die Hacke genommen und zwischen den Pflanzen rum gehackt. Nicht lange, ich konnte die Ausrede „Kreislauf“ vorbringen.  


Ich hab gestern Abend Spaghetti mit Tomatensoße gemacht. Die Nudeln waren peruanischer Herkunft, Sonderangebot im neuen Supermarkt. Als ich die Tüte in das kochende Wasser entleert hab, schwamm was Schwarzes drin herum. Habs rausgefischt, es war ein schwarzer Engerling oder so was. Konnte ja nicht mehr leben. War ja kochendes Wasser. Aber ein wenig schlecht war mir´s doch. Habs den Anderen nicht gesagt.


Wir machen mit, werden früh wach wenn der Hahn kräht und die Vögel ihre Lieder anfangen zu singen in nicht bekannten Konzertvariationen. Und essen Frühstück! Heute wollen wir aufs Feld, mulchen. Erstmal regnet es was es regnen kann. Warten. Müssen wir öfters können. Gehört hier dazu. Und Abends lesen wir, schlafen früh in der lauen, sanften Luft, umschwirrt von Moskitos. Und draußen irgendwo machen die Zykladen ihren lieblichen Krach und es spielt eine Musik lateinamerikanische Schlager bei der wir einschlafen und aufwachen.


Gestern Traktor gefahren. Wege gemulcht. 1 Km rauf, 1Km runter, 450 m längs und das Ganze wieder zurück. Mehrmals. M auch. Schließe mich trotzdem keinem Traktorveteranenverband an. Heute kaputt.

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