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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

M schreibt vom babylonischen Sprachengewirr in Iasi

10. Mai 2014 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Donaudelta&Rum

(Die Bilder zum Vergrößern anklicken)

M: 10.5. Liliana hat eine Email geschrieben, es ist alles positiv verlaufen bei der Inspektion und die Herren von der Schulaufsicht lassen herzlich grüßen.

Wir sind gestern bei strahlendem Wetter auf eigene Faust durch die Stadt gebummelt, haben in einem Straßencafe gesessen, ein bisschen fotografiert, noch ein weiteres Kloster angesehen und in der größten und schönsten Shopping Mall, die wir je gesehen haben nach Mitbringseln für zu Hause gesucht. Schwierig. Schließlich fanden wir einen Laden mit typisch rumänischen Produkten, aber Palinca ist wirklich nur etwas für ganz Hartgesottene, und die bestickten Blusen, Lammfellwesten und Ikonen will wahrscheinlich auch keiner. Also diesmal gibt es nix!
Rumanien_Iassi-1250.jpgAm Spätnachmittag waren wir in einem luxuriösen Restaurant mitten in einer üppigen Parkanlage außerhalb der Stadt mit Irina verabredet und bei unserer Ankunft saßen eine Reihe junger Leute an ihrem Tisch. Es waren ihre Studenten, 3 Franzosen, ein Taiwaner mit seiner moldawischen Frau, eine Rumänin und ein griechischer walrossartiger junger Pope mit langem Bart und Pferdeschwanz im schwarzen Habit. Es gibt immer etwas zu lachen mit der babylonischen Sprachverwirrung. Die Franzosen konnten nur sehr rudimentär Englisch, sie studieren in der französischen Sektion Medizin, der Taiwaner hatte sich vor kurzem orthodox taufen lassen um seine Frau heiraten zu können. Ich hatte schon einmal gelesen, dass viel Ausländer in Rumänien Medizin studieren, um den Numerus Clausus in ihren Ländern zu umgehen. In Iasi gibt es 11 Universitäten und 65 000 Studenten. Es ist die kulturelle Hauptstadt des Landes. Für Ausländer gibt es an den Universitäten eigene Sektionen in verschiedene Sprachen. Und es gefällt ihnen.

Wir sprachen über das Donaudelta und eine Französin wollten wissen, ob es dort auch so viele Störche gibt. Was Storch auf Englisch heißt, wussten wir nicht und so sagte ich, das seien die großen Vögel mit dem langen Schnabel, die die Babys bringen. Da wussten alle Bescheid, nur der Pope meinte, die würden doch von Pelikanen gebracht. Kein Wunder, wenn er Mönch ist, kann er ja nicht wissen, wie die Babys auf die Welt kommen!

Die Studenten hatten sich nur zufällig dort mit Irina getroffen und mussten gehen, und nur Irina, ihre Freundin, wir und der Grieche blieben. R. fragte ihn aus, nach seiner Motivation und seiner Lebenssituation, wann hat man schon mal einen waschechten Popen zu befragen. Er gab kleinlaut zu, dass Gefräßigkeit seine größte Sünde sei und gönnte sich nach seinen Essen mit einem Hauptgericht und zwei Beilagen noch einen Apfelkuchen. Ansonsten bemühe er sich, ein guter Mensch zu sein und wolle auch deshalb Arzt werden. In dem großen Saal, der über uns am Berghang lag und zum Restaurant gehörte, war eine turbulente Hochzeitsfeier im Gange. Zwei ehemalige Studenten von Irina, eine Angolanerin und ein Araber waren das Brautpaar. Wir wurden von den Hochzeitsgästen umringt und eingeladen mitzufeiern, aber das trauten wir uns doch nicht. Wir kannten ja niemanden und die Einladung für uns war wohl mehr pro forma. Die weiblichen Hochzeitsgäste tanzten einen Kreistanz, wie wir ihn aus Afrika kannten, die Männer, meist Araber und Palästinenser standen herum, tranken keinen Alkohol und sahen gut aus. Ich musste an Mirjam denken….
Heute sind wir wieder eingeladen und R hat  eine starke Erkältung. Er hält aber durch.

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